Frau_Irma 30.11.-0001, 00:00 Uhr 29 123

Liebe. Nur verkehrt herum.

Zwei Paar Schuhe.

"Jemanden nicht verlieren zu wollen und mit jemanden zusammen sein zu wollen, sind zwei Paar Schuhe". Ich sehe dich an und versuche deinem Blick standzuhalten. Deinem fragenden, liebevollen Blick.

Ich bin mir nicht sicher, ob du verstanden hast. Du nickst kurz.
Ich fühle mich stark und überlegen, abgeklärt und selbstsicher. Und ich muss mich beeilen, denn ich weiß, dass dieser Zustand in der nächsten Minute wieder vorbei sein kann.
"Wir beide, wir sind irgendwie toll miteinander, aber irgendwie auch ungesund füreinander und irgendwie lieben wir uns und irgendwie sind wir nur Freunde." Du nickst wieder. Das weißt du selbst - wir beide wissen das selbst. Weil wir fast alles gleich empfinden. Weil wir auf eine verschrobene Art und Weise seelenverwandt sind. Aber wir lieben entgegengesetzt:
Du hast mal gesagt, du brauchst jemanden, der ganz anders ist als du. Jemand, der dir zu ähnlich ist (ich), würde dich langweilen.
Ich suche jemanden, der so ähnlich ist wie ich (du), weil ich es schön finde, die Welt aus der gleichen Perspektive zu sehen.
Wir lieben verkehrt herum: ich suche das Vertraute, du das Neue. Das war schon immer so. So ähnlich wir uns sind - dieser kleine Unterschied macht den großen Unterschied zwischen uns.

Und trotzdem hast du mal bei einem Mittagessen mit viel Pommes und Currywurst gesagt - ganz nebenbei, während ich dir eine Serviette reichte - dass wir seelenverwandt sind. Und du hast von den griechischen Kugelmenschen erzählt, die ihre Hälfte wiederfinden müssen und dass ich dein Gegenstück bin.
Das hast du oft gemacht. In komischen, unbedeutenden Situationen etwas Bedeutendes gesagt. Erinnerst du dich?
Man gewöhnt sich irgendwann daran, interpretiert nicht mehr so viel hinein, lässt die Hoffnung außen vor.
Vielleicht bin ich sogar abgestumpft mit der Zeit. Dachte, es sei Liebe und habe mich dann irgendwann nicht mehr getraut, es zu benennen.

Aber in letzter Zeit bist du anhänglicher geworden, das wirst du immer, wenn ich mich etwas von dir entferne oder wenn ein anderer Mann auftaucht - einer, der weiß, was er will. Einer, der weiß, dass er mich will.

Aber ich kann nicht mehr. Ich bin es leid, meinen Herzschmerz in Worte zu gießen und in Blei zu fassen. Ich habe einfach angefangen, mein Glück zu schmieden solange es noch heiß ist, anstatt mich darüber zu ärgern, dass es verbogen war.
Ich will dich behalten - in meinem Leben und als Freund.
Weil ich jeden Tag wieder Neues von dir lernen kann. Und weil du mich kennst. Und weil wir trotz allem immer noch hier stehen.
Aber das geht nur, wenn wir uns ein Stück loslassen - ohne uns im Stich zu lassen.
Und auch wenn ich spüre, dass du Angst hast mich zu verlieren und mich halten willst - mit deinen Armen und Küssen und deinem ganzen Körper, so dürfen wir eines nicht vergesssen:
Mit jemanden zusammen sein zu wollen und jemanden nicht verlieren zu wollen, sind zwei Paar Schuhe.

"Und das sollten wir auf keinen Fall verwechseln, hörst du?"

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29 Antworten

Kommentare

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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Du hast die Gefühle schön umschrieben und einfangen können ohne zuviel oder zu wenig zu sagen, mir gefällt's.

    27.07.2014, 15:35 von aco
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    Ebeil?

    27.07.2014, 01:07 von SexyBrigitte23
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    Wieder sehr sehr treffende Worte! 
    Spricht mir aus dem Herzen.

    26.07.2014, 16:13 von LeaGG
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    ich lese deine texte richtig gerne!

    26.07.2014, 11:23 von mrsmary
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    Ach, ixh weiss nicht. Beide Protagonisten irritieren mich .. der Typ, weil er "Neues" will. Da schließe ich mich den Kommentaren von LifeInANick an. Aber auch die Protagonistin irritiert mich .. je mehr der Typ sie braucht und sich nicht trennen will, desto mehr scheint sie sich nach einem Anderen zu sehnen.
    Darum scheint mir, dass beide vielleicht nichts versäumen wollen oder irgendwelchen Wunschvorstellungen nachlaufen, wenn auch aus unterschiedlicher Motivation. Dabei könnten beide durch aus etwas gemeinsames aufbauen, bei all der Vertrautheit, bei allen Gemeinsamkeiten.
    Aber gut, Reisende soll man nicht aufhalten, ob und welchen Wert man einer Zweisamkeit / Partnerschaft oder gar Familiengründung gibt, bleibt ja jedem selbst überlassen. Ich weiss nur, dass es zutiefst menschlich ist, dass man oft das will was man gerade nicht hat. Doch die Freiheit des Singledaseins und die Vertrautheit und Zuverlässigkeit eines Partners/Partnerin gleichzeitig ... das haut nun mal nicht hin. Und den perfekten Mann ( die perfekte Frau .. den/die man nach der Phase des Verliebtseins immer noch so liebt wie am ersten Tag ... den/die gibt es wohl nicht.
    Oder um es mal ganz profan zu sagen: Je mehr er andere Frauen anschaut und je mehr sich andere Typen um sie bemühen, desto unangenehmer wird's für beide, aber Trennung deshalb ? Weiss nicht ...

    25.07.2014, 15:07 von Cyro
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  • 0

    Indirekte Rede lernt man wohl nicht mehr so richtig im LK Deutsch?

    25.07.2014, 13:30 von quatzat
    • 0

      Sowas gibt es noch ? Potztausend!

      25.07.2014, 13:59 von cosmokatze
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  • 0

    Perfekt.

    Vielen Dank für die richtigen Worte zum richtigen Zeitpunkt!

    25.07.2014, 12:20 von Nils-On
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  • 1

    ein sehr schöner text über die notwendigkeit, ehrlich zu sein und darüber, dass es manchmal besser ist, sich nichts vorzumachen, sondern sich der wahrheit zu stellen. danke dafür.

    25.07.2014, 00:22 von traumzeichnerin
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  • 0

    so ehrlich, traurig aber berührend zugleich...
    vielleicht sollten wir uns öfter bewusst machen, ob es das zusammen sein wollen oder nicht verlieren wollen ist - denn das sind, wie du treffend sagst, wirklich "zwei Paar Schuhe"...

    21.07.2014, 21:30 von Zartbitter_-
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