Leaving
Unsicherheit. Schweigen. Bis man flieht und die Vorhänge zuzieht, nachts in den Kissen nach dem Warum sucht und ...
Was tut man wenn die Freundschaft vergeht? Wenn der gemeinsam gefüllte Raum aus Erinnerungen und Momenten der Gegenwart plötzlich leer wird?
Man trauert, betrachtet den Abspann aberhunderte Male und geht dann irgendwann weiter. Aber mit dir ist das anders.
Es ist als hätte jemand den Hahn zugedreht und die Vorhänge zugezogen. Irgendwann habe ich begriffen, dass ich selbst es bin, die das getan hat, dass mein Verstand mein Herz eingeschlossen hat.
Menschen verändern sich aus abertausenden Gründen auf ihrem Weg, entwickeln sich, werden erwachsen. Aber was hat dich so verändert? Wie kann es passieren, dass ein Mensch der einem so nah stand sich Hals über Kopf zu jemandem wandelt, der einem komplett fremd erscheint? Ein paar verdammt kurze Monate haben für diese Leere gereicht.
Anfangs habe ich das getan, was fast jeder in solchen Momenten tut – ich habe dich mit Zuwendung überschüttet. Bin vor dir auf und ab gehüpft, hab‘ wild mit den Händen gefuchtelt, Kunststücke vollführt und meine Ohren für deine Geschichten bei dir abgelegt. Ich wollte dich nicht verlieren, habe in die Nacht geschluchzt bis mein Verstand mein Herz gepackt und den Hahn zugedreht hat.
Wie selten hat man das Glück einen Menschen im Leben zu treffen, dem man mehr erzählen kann als anderen. Mit dem sich über die Jahre hinweg ein Vertrauen aufgebaut hat, an dessen Bestand man nie gezweifelt hätte. Und wie schmerzhaft ist es dann, das Gefühl zu haben die Worte im Mund drehen und wenden zu müssen bevor man sie überhaupt ausspricht? Unsicherheit. Schweigen. Bis man flieht und die Vorhänge zuzieht, nachts in den Kissen nach dem Warum sucht und die einzige plausible Antwort nur der Lauf des Leben selbst bleibt.
Mein Bild von dir passt nicht mehr mit der Gegenwart zusammen, die Vertrautheit schwindet und mit ihr alles andere das uns ausgemacht hat. Ich lese deine Worte aber sie berühren mich nicht mehr, in den vergangenen Wochen hast du ihnen selbst die Aufrichtigkeit dahinter entzogen. Hast mich auf die Ersatzbank geschoben und den Platz verlassen.
Stocksteif standen wir uns gestern gegenüber, bis du aus der Situation geflohen bist. Den Abend über spüre ich immer wieder deine Augen auf mir ruhen, aber dahinter steckt nicht mehr das Mädchen, das ich so vermisse.
Und mit dieser Einsicht fällt es leichter die Ersatzbank nun ganz zu verlassen. Weißt du, auch ich habe mich verändert. Ich bin stärker geworden.



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