Mandelbluete 19.07.2012, 19:57 Uhr 1 0

Kleines wort

Das kleine wort und die große weite Welt.

Es war einmal ein kleines wort, das groß und stark werden und die ganze Welt sehen wollte.

Aber es schien kleiner zu sein als die anderen Worte, die es kannte. Auch hatten viele von ihnen die Welt schon gesehen. So zum Beispiel auch die Neugierde. Sie war eine furchtbar hektische Buchstabenansammlung und hüpfte immer auf und ab, wenn das kleine wort sie auf die große weite Welt ansprach. „Die Welt, ja die Welt, kleines wort, natürlich hab ich sie gesehen. Wer wäre ich, wenn ich sie nicht gesehen hätte?!“

Das stimmte das kleine wort traurig und es fühlte sich immer schwerer. Aber wie sollte das kleine wort die große weite Welt sehen können, wenn es sich so schwer fühlte wie die Mutlosigkeit, die schon die ganze Zeit über das kleine wort aus der Ferne beobachtet hatte?

Fast schon hinterlistig wirkte sie auf das kleine wort, irgendwie unheimlich. Nein, mit Mutlosigkeit wollte es lieber nichts zu tun haben. Mutlosigkeit hatte auch die Welt nicht gesehen. Und außerdem kannte sie nichts, was das kleine wort nicht schon selbst gesehen hätte, nur mit dem Unterschied, dass es dem kleinen Wort im Gegensatz zur Mutlosigkeit nicht reichte.

Nein, mit Mutlosigkeit wollte es sich lieber nicht einlassen.

Und schon fühlte sich das kleine wort ein wenig leichter. Schließlich hatte es immerhin gewusst, was es nicht wollte und war der großen Mutlosigkeit entkommen. Aber was sollte es nur als Nächstes tun?

Wie konnte das kleine wort nur all diesen düsteren Nomen entkommen? Wie nur sollte es am schnellsten fliehen können?

Das kleine wort lief und lief, irrte umher und wusste gar nicht, wohin es überhaupt fliehen sollte. Wo waren nur Idee und Grips, wenn man sie brauchte?!

Dabei wusste das kleine wort gar nicht, in welch großer Gefahr es überhaupt schwebte, denn als es um eine weitere Ecke bog und diese das kleine wort einfach ignorierte und nicht einmal grüßte, bemerkte es gar nicht, dass es geradewegs auf die Arme der Einsamkeit zulief… Dabei war es das schlimmste aller Worte. Das kleine wort packte die Angst.

„Bist du verrückt?!“, schrie sie und zog so kräftig an ihm, dass das kleine wort unfähig war sich der Einsamkeit auch nur ein kleines Stück weiter nähern zu können.

Ohne weiter darüber nachzudenken tat es dann, was schließlich jeder in dieser Situation getan hätte.

Es drehte sich um und rannte wieder den Weg zurück, den es gekommen war, und Angst war ihm dicht auf den Fersen.

Und wie sie so rannten wurde dem kleinen wort immer mehr bewusst, dass es ja eigentlich ein Abenteuer  war, das sie gerade zusammen erlebten. Und da Angst mindestens genauso schnell war wie das kleine wort, und die Beiden nun auf einer Höhe liefen konnte es sagen, dass auch Angst sich wieder ein wenig vom Schock und von der Gefahr, die nun hinter ihnen lag, zu erholen schien.

Und das Abenteuer wurde in der Erinnerung des kleinen wortes immer heller und leichter.

Leichter... leichter! Das war es! Das war das Gefühl, dass sich immer mehr in dem kleinen wort ausbreitete und es am besten beschrieb. Obwohl „beschrieb“ war der falsche Begriff. Es war eher so, dass etwas in ihm Leichtigkeit forderte.

Das kleine wort verspürte den Wunsch, fliegen zu können.


Ja, Fliegen… Das musste so schön sein. Alles könnte das kleine wort dann sehen. Die ganze große weite Welt wäre dann kleiner von oben, so dass auch das kleine wort sie nun endlich sehen können würde. Also nahm das kleine wort schüchtern die Angst bei der Hand. Schließlich hatte sie das kleine wort  ja auch gerettet. Angst schien sich gerne an dem kleinen wort festzuhalten. Sie fühlte sich sichtlich wohler und lächelte nun ihrerseits das kleine wort schüchtern an.

Da setzte das kleine wort alles auf eine Karte und fragte die Angst: „Was würdest du davon halten, wenn wir fliegen könnten?“

Angst machte ihrem Namen alle Ehre: „Was meinst du mit fliegen?“ Sie sah ängstlich nach oben. „Ja, Fliegen!“ Angst sah das kleine wort an, als hätte sie nie etwas von so etwas wie dem Fliegen gehört. „Braucht man...“, begann sie ganz leise. „braucht man... dafür nicht... ich weiß nicht.... Flügel?“ Dem kleinen wort sank das Herz ein wenig. Angst hatte Recht. Ohne Flügel würden sie nicht weit kommen. Ihnen fehlte etwas. Ein entscheidender Funke.


Tags: Worte
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Kommentare

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    auf meinem blog veröffentliche ich die geschichte übrigends in mehreren teilen, jeden tag gibt es einen weiteren :)
    http://bluetenblattiwed.blogspot.de/
    wenn ich die geschichte dort vollständig hochgeladen habe, werde ich sie einen tag später hier als teil 2 veröffentlichen :)

    19.07.2012, 20:02 von Mandelbluete
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