(K)ein guter Mensch
Von einer Liebe verlassen zu werden tut weh, aber einen guten Freund zu verlieren hat einen bitteren Nachgeschmack.
„I wish I had a Mango tree in my backyard“ spielt aus meinem Autoradio. Ich fahre viel zu schnell und dabei verschwimmen die Lichter der Autos mit denen der Laternen. Ich atme tief ein und drück noch fester auf´s Gas.Was ist schon dabei? Ich merke wie sich meine Fingernägel ins Lenkrad krallen und als ich realisiere, dass ich auf der falschen Spur fahre halte ich rechts an. Mein Herz rast so schnell als würde es gleich aus meiner Brust springen, ich sitze einfach nur da und starre vor mich hin und mein Körper lässt sich nicht mehr bewegen, denn jede einzelne Bewegung, jeder einzelne Atemzug verursacht einen so heftigen Schmerz, der nicht auszuhalten ist. Also bleibe ich einfach nur sitzen. Ich starre. Ich hören den Geräuschen der Autos zu die an mir vorbeiziehen. Ich weine. Und dann kann ich hören wie ich schreie. Ziemlich laut. Ziemlich hoch. Bis mir die Luft ausgeht.
In diesem Moment erinnere ich mich an meine Kindergartenfreundin Michelle. Mit der ich in fremde Gärten stieg und mutig von Gartenhäusern sprang. Da ich dabei nicht sonderlich geschickt war, musste sie des öfteren meinen Retter in der Not spielen.“Arme hoch, Arme hoch“ und ehe ich meine Hände wirklich in die Luft strecken konnte riss sie sie mit voller Wucht nach oben. „ Und jetzt langsam ein und aus atmen“. Und schon verfärbten sich meine dicken Bäckchen wieder in ein helles Rosa.
So sitze ich nun in meinem Auto und strecke meine Arme nach oben, soweit das möglich ist, und konzentriere mich auf meinen Atem. Sofort komme ich mir blöd dabei vor. Eine Sekunde überlege ich warum ich nicht einfach umdrehe. Aber wir haben geschrien. Du hast gesagt du willst mich nie wieder sehen und fast hätte ich melodramatisch eine Vase nach dir geworfen.
Von einer Liebe verlassen zu werden tut weh, aber einen guten Freund zu verlieren hat einen bitteren Nachgeschmack. All die hässlichen Wörter die rasant durch den großen Raum flogen krallen sich jetzt ganz unten in meiner Bauchgrube fest und kommen ganz langsam mit jedem Aufstoßen wieder nach oben. Pfui! Du bist ein guter Mensch, ein herzensguter! Aber wie kannst du dich zum Monster verwandeln? Ekelig und grün, angst einflößend und grausam. Weißt du, ich denke die Leidenschaft hat Überhand genommen. Sie ist des Beherrschungs größter Feind, mein Freund.
Ich komme zu Hause an und klaue aus dem Keller den Schnaps meines Vaters. Er schmeckt furchtbar aber dennoch lasse ich mir jeden Tropfen lange auf der Zunge zergehen. Wir haben das früher sehr oft getan, uns hier im Keller hinter der Kühltruhe versteckt. Aber das Alles ist lange Zeit her. Wir sind fast erwachsen, aber du kannst das nicht, das Erwachsensein. Trotzdem habe ich nie versucht es dir beizubringen. Manchmal glaube ich haben wir uns gegenseitig gar nicht gut getan.
Am nächsten Morgen streichelt mein Vater mir übers Haar. „Sie haben ihn festgenommen.“ Ich schließe meine Augen wieder und sehe dich und mich hinter der Kühltruhe. Sofort setzte ich mich ins Auto.
Und dann sitzt du da hinter einer dicken, kalten Scheibe aus Glas. Als du mich siehst hälst du deine Hand daran und ich weiß, du bist mein bester Freund. Für immer und für immer!





Kommentare
Ich verstehs nicht. Festgenommen? Kühltruhe? Kindergartenfreundin? Schnaps?
11.05.2012, 08:09 von EliasRafaelSchöner Text. Ein paar kleine Fehlerchen, aber reizend erzählt.
10.05.2012, 23:51 von forst