karmesin 15.02.2013, 23:15 Uhr 0 1

Jeder kehrt vor seiner eigenen Türe

bis man die Staubkörner, die sich vor ihr befinden, an einer Hand abzählen kann.

Unauffällig oft hattest du dir deine auffällig schrummeligen Hände bereits gewaschen, als ich dich darauf ansprach. Erwidert hast du nur, dass gerade die Grippe kursiere, du zurzeit sehr im Stress seist & sich eine einwöchige Erkältung nicht gut in deinem Lebenslauf mache.

Ich nickte, akzeptierte & hakte ab.

Es war im Sommer & du warst wie sonst. Nicht unbedingt bemerkenswert oft im Bad, aber doch gerade immer wenige Male öfter als ich dort, um erneut die unausweichliche Frage gestellt zu bekommen, was denn los sei. Du zucktest mit den Achseln und gingst nicht weiter darauf ein. Kein Anlass zur Sorge. Alles sei in bester Ordnung. Nur der normale Stress. Es sei nur der Stress. Ich entschied, mich nicht in Sachen zu stecken, die mir im Grunde gar nicht passten. Sowieso musste ich noch zum Supermarkt. Die Butter war alle.

Ich beließ es also dabei, nickte, akzeptierte & hakte ab.

Auch als dein farbenfrohes Lächeln entschied, dein blasses Gesicht zu meiden, hielt ich es für temporär, belastungsbedingt und nicht besonders besorgniserregend. Bedenklicher schien mir ein Pickel, der an überdimensionaler Größe nicht mehr zu übertreffen war und meine Stirn mittlerweile fast gänzlich erobert hatte – entschlossen noch weitere feindliche pickelfreie Gebiete zu unterwerfen. Dagegen musste ich etwas tun!

Als du für ein paar Wochen gänzlich von der Bildfläche verschwandst, freute ich mich für dich, weil wir uns neulich vor ein paar Wochen oder Monaten kurz in Facebook übers ‚Einfach mal Urlaub nehmen & Abschalten‘ unterhielten. Kurze Angebundenheit und langpausige Antworten dominierten den ohnehin langeweilebedingten Mitteilungszwang.

Als dein Gesicht die Uni gar nicht mehr erblickte, wusste ich nicht, was ich denken sollte, also ließ ich es. Ich steckte die Gedanken in eine Schublade, denn ich musste ohnehin aufräumen. Die wöchentliche Kehrwoche stand an. Und die alte Dame gegenüber hatte sich bereits einmal beschwert. Also ging ich hinaus in den Flur, kehrte zuerst und lediglich vor meiner eigenen Türe, ging zurück in die Wohnung, setzte mich an meinen Schreibtisch, stützte den Kopf auf meine linke Hand und schrieb eine ‚To-Do‘-Liste.

Es gab schließlich noch so viel zu tun.


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