a-n-n-a 03.07.2005, 22:13 Uhr 12 6

In 3 Monaten gehe ich ans Ende der Welt - und hinterlasse einen Haufen Scherben...

Entgegen dem Klischee wollte ich nie etwas von meinem besten Kumpel - doch wer sagt einem,dass es nicht auch umgedreht sein kann?

Du willst mit mir zusammen sein, sagst du.
Ich habe dich verletzt - zwei oder dreimal. Oder vielleicht auch öfter, unzählbar oft - und ich wollte es nur nicht sehen.
Doch das stört dich nicht.
Ich mag dich nicht mehr verletzen.
Du schaust mich an.
Was bringt es mir, mein Herz in deine Hände zu legen, wenn ich es doch in 3 Monaten zurückfordern möchte? Muss ? Ich muss.
Nach Missverständnissen folgt Unverständnis. Du machst mir Vorwürfe. In 3 Tagen wirst du in den Norden gehen - ich nach Neuseeland. Es ist aussichtslos. Das alles sage ich dir. Du vertraust auf Gott, sagst du.

Nie habe ich etwas von meinem besten Freund gewollt..doch wer sagt einem eigentlich, dass es nicht auch umgedreht sein kann?

Es war alles wie immer. Jeden zweiten oder dritten Tag trafen wir uns. Schauten Filme, grillten, quatschten, gingen ins Kino oder fuhren an den See. Auch wortlose Zusammenkünfte gab es - nur die Sterne hörten uns zu.
Mit dir verbringe ich den Großteil der Woche. Oder sagen wir - den Großteil der Nächte.
Alles war wie immer. Dachte ich.
Doch dann war plötzlich etwas in der Luft. Greifbar. Es kribbelte. Ich schob es auf den Genuss von alkoholischen Getränken - du nahmst es ernst.
Es war eine schöne Nacht.

Es passierte kurze Zeit später noch einmal. Ich machte mir in diesen Augenblicken keine Gedanken. Du aber. Zu viele.

>>Ich will mit dir zusammen sein..<< hauchst du in mein Ohr. Ich schweige. Für einen Bruchteil von Sekunden fliegen Bilder in meinem Kopf an mir vorbei. Szenarien unterschiedlichster Art.
Mir wird bewusst, dass ich dich mit den letzten zwei Malen verletzt habe. Deine Würde. Deinen Stolz. Und dein Herz. Ich schäme mich.
Doch ich lieg immer noch in deinen Armen. Schon wieder. Lass mich von deiner Liebe einlullen und entführen. Verführen. Ich merke, wie ich mich selber betrüge.
Wie ich mein eigenes Herz verletze. Eben das Herz, was ich zu schützen versuchte..all die lange Zeit nachdem es zerbrochen wurde.

Es regnet.
Draußen.
In meinem Zimmer.
In mir.
Wegen dir.
Ohne dich.

Nachrichten voller Wolken trudeln ein.
Schwarze Fronten ziehen sich über mir zusammen.
Wenn ich die Nachrichten öffne wird es Nacht. Und es wird kalt.
Ich lasse mich fallen. Lass mich fallen in deine Nachrichten. Lasse mich von Wörtern verschlingen. Von Sätzen zermalmen. Von bloßen Buchstaben werde ich verwundet.
Ich stehe neben mir - schaue dabei zu.
Schäme mich für mein feiges Herz. Ich möchte es hinausschreien, die ganze Welt soll es hören.
Doch alles was passiert ist ein stummer Schrei, ein Luftholen und ein verkrampftes Lachen.
Ich kann nicht zu meinen Gefühlen stehen.
Ist das normal ? Ist die heutige Gesellschaft so programmiert, ganz allein mit ihrem Frust klarzukommen ? Alles hinzunehmen ? "STARK" zu sein?
Ich lebe nach dem Prinzip des Verdrängens - das klappt ausgesprochen gut.
Nur wird der Stauraum inzwischen knapp. Alten, leicht vermoderten Schmerz muss ich abladen. Weiß nur nicht wohin. Das Kissen ist doch auch noch nass. Da ist kein Platz mehr für alte Geschichten.
In keinem Heute ist Platz für Altes. Und doch will es nicht verschwinden.

Ich stehe am Fenster.
Winke dir.
Und stehe auch noch Stunden später.
Starre in das Nichts.
Meine Oma hat immer gesagt,dass nur Verliebte so aus dem Fenster gucken.
Lieb ich dich denn?
Oh mein Schmerz - viel zu viel hab ich dich nehmen lassen von meiner Liebe.
Viel zu lange hast du direkt neben meinem Herzen gehaust.

>> Lass uns davonfliegen.. << hauch ich zurück.
Und wir schweben den Sternen entgegen. Jeder auf seiner eigenen Milchstraße.

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12 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Ich finde das Für und Wider sehr spannend und gut umschrieben, ich konnte mich förmlich in deinen Kopf reindenken.

    16.01.2011, 00:01 von topfbluemchen
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  • 0

    wow. toll geschrieben.
    aber..ich bin grad völlig baff.
    als hätte jemand meine Gedanken aufgeschrieben..
    mhh..

    27.11.2009, 00:54 von brokenmocca
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Und wie ist die Geschichte ausgegangen?
    Und vor allem:
    Wie wars in Neuseeland?!

    04.05.2009, 15:31 von cant.be.bothered
    • 0

      @cant.be.bothered neuseeland war unbeschreiblich. ist halt einfach ein land mit einer unglaublichen schönheit - sowohl natur als auch menschen. wow :)
      und die geschichte ist so ausgegangen,dass wir uns eigentlich nix mehr zu sagen haben und uns maximal 2mal im jahr sehen (studium treibt halt doch den alten freundeskreis auseinander).und er ist inzwischen auch glücklich vergeben. also alles mehr oder weniger gut gegangen.

      04.05.2009, 18:28 von a-n-n-a
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  • 0

    sehr schöner text- ich wünsch dir glück!

    15.12.2006, 18:17 von mmhh
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  • 0

    wow beindruckend

    04.08.2005, 15:20 von Zwiebelfisch
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  • 0

    Super Text, sehr schön geschrieben...
    aber von meiner seite her wenig verständnis. würde nie mit meiner besten Freundin etwas anfangen...auch nicht wenns knistert. manchmal sollte man sich auch über die konsequenzen seines handelns im klaren sein. mal gerade mit jemanden schlafen funktioniert mit jemandem, den man nur eine nacht und dann nie wieder sieht...aber mit einem/er guten freund/in? - nein. irgendwer wird am ende verletzt;bleibt auf der strecke. die freundschaft wird nie wieder die gleiche sein...

    15.07.2005, 10:27 von Janos
    • 0

      @Janos erstmal danke für eure kommentare :)
      @janos das problem ist hierbei, dass er selber wohl am meisten verletzt ist.. weil er sich auch jetzt noch hoffnungen macht... er kommt heute abend wieder und wird auch wieder da sein wo ich bin - bei unseren freunden :/ und mich verletzt es genau in dem augenblick, da ich weiß,dass ich ihn verletze..
      ach man(n)...

      15.07.2005, 10:54 von a-n-n-a
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  • 0

    Dein Text ist echt klasse. Aber ich glaube nicht, dass klare Worte hier viel helfen. Das was diese Freundschaft jetzt braucht ist viel Zeit und Abstand. Glaub mir, ich steckte auch schon in dieser Situation. Und die Freundschaft zu diesem Kerl ist heute auch noch nicht so wie sie einmal war.
    LG

    08.07.2005, 12:04 von lili85
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  • 0

    Ein ausdruckstark beschriebenes Dilemma.
    Ich habe auch schonmal jemanden in die Situation gebracht, die du in diesem Text schilderst.

    Glaub mir, das einzige was da hilft sind klare Worte sprechen und Grenzen stecken.
    Was passiert ist ist passiert.
    Nur Mut, eine gute Freunschaft übersteht das.

    Strobo

    08.07.2005, 01:52 von Strobofeuer
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  • 0

    So ist das also auf der anderen Seite. Interessanter Einblick in die weibliche Psyche.

    06.07.2005, 17:29 von Merkur
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