ichwillmeer 09.04.2013, 15:02 Uhr 2 3

Immer etwas tun sollen.

Sind wir das, was wir tun? Tun wir das, was wir sind? Was bin ich, wenn ich nichts tue? Über den Druck der Gesellschaft, vom Dabei bleiben.

Immer etwas tun müssen.

Das ist es. Alle wollen etwas von mir. Und manchmal habe ich einfach keine Lust.

Ich bin Studentin und denke schon, dass ich sozial stark integriert bin, ich feiere gerne, mache Sport, gehe arbeiten und habe gute und beste Freunde. Doch trotzdem scheint das nicht genug. Manchmal liegt ein enormer Druck auf einem: Was machst du denn am Wochenende? Was hast du gestern Abend gemacht? Ich habe das Gefühl, man müsse sich und seinen Charakter über die Dinge definieren, die man tut. Regelmäßig Sport treiben, Partys feiern und bis übern Durst trinken, wichtige Bücher lesen, Hobbys haben, arbeiten gehen neben der Uni und bloß immer etwas zu tun haben. Manchmal möchte ich aber nichts tun und bekomme dafür ein schlechtes Gewissen. Einfach nach der Uni nach Hause kommen, sinnlos Fernsehen gucken, vielleicht auch drei Abende in Folge. Doch dann wieder die Frage: Was hast du denn gestern Abend gemacht? Wieso bist du nicht mitgekommen? Machen wir heute was? Wann warst du denn das letzte Mal feiern?

Ist es so, dass wir das sind, was wir tun? Bin ich bald nur noch Lehrerin, Ärztin oder Mechanikerin? Wo bleibe ich da?

Ich verstehe es. Manchmal. Ich lerne Leute kennen und finde die besonders interessant, die viel zu erzählen haben. Von der letzten Reise nach Marokko, Peru oder Japan. Dort sind ihnen so viele tolle Sachen passiert, niemals würden sie ihre Erfahrungen tauschen wollen. Studierende, die einen tollen Nebenjob haben und dadurch plötzlich furchtbar interessant werden. Leute, die regelmäßig Sport machen, tolle Erfolge feiern und dadurch ein Bild von sich abgeben, das andere neidisch werden lässt. Doch was ist mit denen, die kein tolles Hobby haben? Sind die nichts und viel weniger interessant?

Muss ich denn immer irgendetwas tun? Um etwas zu sein?

Natürlich sollte das, was ich tue, immer ein Stück Selbstverwirklichung sein. Etwas, was mich persönlich voran bringt, mir Freude macht. Doch manchmal habe ich keine Lust. Und will mich nicht rechtfertigen müssen. 

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2 Antworten

Kommentare

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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    Geht mir genauso.

    09.04.2013, 16:27 von Partisaneninterakt
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