Ich kontrolliere nie was geschieht
Er und Er und Du und ich wollen die Nacht für uns. Wir feiern und stoßen an auf alles und jeden.
Wir sitzen da und trinken unser Bier. Die leeren Bierflaschen sind weg. Irgendwo hingeworfen. Wir sind assozial, aber wir sind frei. Jung würden wir vielleicht später sagen.
Ich denke an die Toten Hosen. Sie werden immer laut durchs Leben ziehen, jeden Tag in jedem Jahr und wenn sie wirklich einmal anders sind, ist ihnen das heute noch scheißegal. Ich finde das genauso und nehme diesen Song als das Okay laut zu sein, wie es mir beliebt. Wie ich Lust habe zu leben. Wir sind nur zu viert, aber das Leben sprüht an dem Abend wie eine ganze Diskothek. Wir sind verrückt, es regnet und wir essen Gurken. Und trinken Alkohol. Irgendwie ist der so schnell weg und die Schachtel Zigarette war eben noch voll. Wir machen komische Witze, lachen uns kaputt und wollen dann bei Saturn anrufen um uns hier ein Fernsehgerät herzubestellen. Ich sage, ich weiß die Nummer und denke mir eine aus. Es geht niemand ran. Irgendjemand fällt ein, dass die vielleicht schon zu haben. Alle nicken bestätigend über diesen super Einfall. Es regnet und wir denken, wir schwimmen. Aus der Pappe des Sixxers basteln wir uns Schwimmflügel. Einer von uns fühlt sich verkleidet und will Halloween spielen. Als er klingeln will, dreht er sich um und fragt dich, was man nochmal sagt. Du weißt es nicht mehr, oder willst es nicht mehr wissen. Du beginnst Kinderlieder zu singen und freust dich. Ein anderer von uns nicht. Er ist schon den ganzen Abend still und sagt relativ wenig, Wahrscheinlich ist er der Nüchternste. In keinster Weise ist er jedoch genervt, ab und zu lächelt er.
Er macht mir Angst, als er seine ZIgarette anzündet und plötzlich sagt "Stellt euch vor, in ein-zwei Jahren trinken wir nicht so schnell wieder ein Bier und sitzen beisammen. Stellt euch vor, vielleicht ist das heute schon das letzte Mal und man sieht sich nicht wieder". Ich denke sofort an seinen Selbstmord, dann an meinem Unfall. Oder deinen oder seinen. Ich trinke mein Bier aus und will etwas sagen, als er mich unterbricht und meint, wir sollen ihn nicht falsch verstehen, er wird sich nichts antun. Er wollte nur sagen, dass man den Moment vielleicht zu wenig schätzen weiß und den Menschen auch nicht.
Wir wissen alle was er meint. Niemand sagt es, bis du mich ansiehst und sagst "Ich liebe dich. Platonisch. Ich liebe dich wirklich".
Du sagst das. Du. Du. Du. So kenne ich dich nicht, dich harten Typen. Große Klappe, cooler Junger. Du, der wenig über sich redet. Wenig sagt, was er fühlt, aber meistens sagt, was er denkt. Du, derjenige, der keinen Scheiss labert und dem doch zu oft Scheisse passiert. Du, derjenige, der rumschreit, wenn ihn jemand verletzt. Du derjenige, der dann eigentlich verdammt traurig und enttäuscht ist. Du, derjenige, der fast alleine mit seinem Leben, seinem Geld klarkommen muss. Du derjenige, der sich über andere lustig macht und manchmal arrogant ist und niemals zugeben würde, dass er von jemandem abhängig ist. Du, derjenige, der ohne andere gar nicht leben kann.
Du guckst mich offen an und er zieht überrascht die Augenbraue hoch. Ich lächel dich an und wir trinken weiter.
Heute morgen erhalte ich eine Nachricht von ihm, der mir sagt. "Respekt. Ich kenne ihn schon Jahre. das schaffen nur wenige Leute aus diesem harten Kerl solche Worte rauszubekommen. Respekt."
Ich will von niemanden dafür den Respekt haben. Das ist keine coole Sache, keine Sache, für man bewundert werden muss.
Ich weiß, dass es dich vielleicht Überwindung gekostet haben muss soetwas zu sagen, aber dass du es ehrlich meinst.
Wie oft haben wir über Zuverlässigkeit und Sicherheit gesprochen, über Menschen auf die man sich nicht verlassen kann, über Menschen, die nur an sich denken.
Über Menschen, auf die man sich verlassen kann, auf die man zählen kann, sprechen wir so gut wie nie.
Aber ich liebe dich auch. Platonisch.





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