schattenbiestchen 21.04.2010, 12:16 Uhr 2 3

Hör auf dein Herz

...weil du es viel zu selten tust...

„Der Kumpel meines ersten Freundes“ Das warst du... damals, als ich 15 war und gerade meine erste Liebe erlebte.
Es war eine tolle Zeit, und du warst schon damals mitverantwortlich für all die schönen Erinnerungen, die ich heute noch im Herzen trage.
Auch, wenn du dir dessen nie bewusst warst.
Damals war es nur kurze Zeit, die wir miteinander verbracht haben... ich verlor dich aus den Augen. Den Grund dafür kenne ich nicht, aber du warst seitdem eine bleibende Erinnerung.

Ich sehe noch genau vor mir, wie du mich damals in Schweden ausgeschimpft hast, weil ich die mir verhassten Nacktschnecken weggetreten habe.
Wie du mich getröstet hast, als ich ärger mit meinem damaligen Freund hatte.
Die Kanufahrt, bei der du mich zwar geärgert hast weil ich so ein Schisser war... schließlich kann ich bis heute noch nicht schwimmen... aber gleichzeitig hast du so wundervoll auf mich aufgepasst.
Wie du mich in Schutz genommen hast, als wir alle eine Strafe wegen des unerlaubten Rauchens bekommen sollten... ich weiß es noch immer, weil du dich so sehr geärgert hast.... ich stand doch nur dabei und rauchte nie.
Die Nacht, als wir alle gemeinsam Zelten waren... es regnete in der Nacht so sehr, dass ich morgens plötzlich neben dir aufwachte, weil dein Zelt quasi weggeschwommen war und du dich zu mir geschlichen hattest.

Die schönste Erinnerung von damals ist die, als wir in Schweden gemeinsam einen Ausflug in die nächste Stadt machten.
In einem kleinen Kiosk schrieben wir alle Postkarten an unsere Familien.
Alle anderen waren schon fertig und verließen den Kiosk, als du zu mir kamst und mich leise fragtest, ob ich dir eine Postkarte und Briefmarken besorgen würde... dein Englisch sei doch nicht so gut.
Danach standest du lange vor deiner Karte und wusstest nichts zu schreiben.
Deine Freunde schicktest du weg und als ich dich fragte, was los sei...
In dem Moment hab ich zum allerersten Mal den „immer glücklichen und immer gut gelaunten“ Jungen in einer ganz anderen Stimmung gesehen.
Mit traurigen Augen erzähltest du mir von der Trennung deiner Eltern.
Dein Herz wollte ein einfaches „Ich hab euch lieb!“ auf die Karte schreiben, dein Kopf brachte dir schon damals Zweifel.
Ich sagte dir, dass du auf dein Herz hören sollst und das schreiben sollst, was du fühlst.
Das „Ich hab euch lieb!“ wurde abgeschickt.

Ich hab gemerkt, was für ein wundervoller Mensch du bist... dessen Herz an genau der richtigen Stelle sitzt.
Deine Umarmung nach dieser Situation hat dir schon damals einen Platz in meinem Herzen gesichert.

Auch in der Zeit, in der wir dann keinen Kontakt hatten, dachte ich häufig an dich. Ich weiß nicht warum... In meinem Kopf warst du die ganzen Jahre über so jemand wie ein „kleiner Bruder“. Ich habe gerne von dir erzählt, wenn ich mit jemandem meine Fotoalben von damals angesehen hab.
Nachdem ich dich dann einmal in der Bar gesehen, und mir bewusst wurde, dass du mich nicht mehr erkennst blieb mir nichts anderes, als zu lächeln.
Okay... um dich anzusprechen, dazu war ich zu feige. Obwohl es für mich ja nur schöne Erinnerungen an dich gab, war ich mir nicht sicher, wie du reagieren würdest.
Und ich wollte dich nicht in unangenehme Situationen bringen, weil du ja offensichtlich nicht mehr wusstest, wer ich bin.
Trotzdem hab ich mich gefreut, dich zu sehen...

Vor ein paar Monaten, im letzten Jahr... habe ich dich dann irgendwie, irgendwann und irgendwo im Internet wiedergefunden und dich einfach angeschrieben...
Dort erschien es mir einfacher.
Dass du mich anfangs noch immer nicht erkanntest, war für mich keine Überraschung mehr.
Trotzdem kamen auch deine Erinnerungen schnell zurück.
Du hast dich tatsächlich gefreut und ziemlich schnell kam es zu einem Treffen.

Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie aufgeregt ich an diesem Abend war.
Es war wundervoll, dich nach so langer Zeit mal wieder in den Arm zu nehmen und mit dir zu sprechen... von dir zu hören, was in den Jahren passiert ist und was deine Zukunft bringen soll.
Nach Amerika soll es also gehen... ich habe mich tatsächlich und ganz ehrlich für dich gefreut.
Ich hatte sofort wieder dieses Gefühl im Herzen, welches ich mit 15 Jahren hatte.
Mein Bester... immer noch ein wundervoller Mensch und mit dem Herzen jetzt auch in der Lage, zu seinen Gefühlen zu stehen... mit Stolpersteinen.

Von da an hat sich für mich eine wundervolle Freundschaft entwickelt. Im Kopf immer noch mein „kleiner Bruder“ aber im Herzen schon viel weiter.
Nach einiger Zeit sagtest du mir, dass du dich in mich verliebt hättest.
Für mich klang das erstmal zu seltsam, um es zu begreifen.

Keine Chance... Amerika, bester Freund, vergeben, Amerika, Amerika, Amerika!

Trotzdem gingst du mir nicht aus dem Kopf.
Ein Kuss.... immer mehr Küsse...
Im Herzen war ich wahrscheinlich schon längst auf dem Weg zu dir, aber ich wollte es nicht wahrhaben, aus Angst, dich am Ende ganz zu verlieren.
Kämen wir jetzt zusammen... was würde aus uns werden, wenn du nicht mehr in Deutschland bist?
Und was wird aus unserer Freundschaft?
Seitdem du wieder in meinem Leben bist weiß ich ich, wie es sich anfühlt „vollständig“ zu sein...
Wie es ist, jemanden an seiner Seite zu haben, der einen versteht...
Jemand, der einen mit seinem Dasein einfach glücklich macht.
Jemand Besonderes im Leben.

Was das zwischen uns war, wusste ich inzwischen jedenfalls nicht mehr.
Freundschaft? Dafür war inzwischen „zuviel“ passiert.
Liebe? Dafür ließen wir uns zu wenig aufeinander ein. Liebestechnisch... beide einfach mit zu viel Angst, was in der Zukunft passieren würde.
Seelenverwandtschaft? Das klingt dämlich... aber vielleicht ist es sowas.

Irgendwann standen wir dann wieder in der Bar.
Ich sagte zu dir, dass wir all diese Küsse sein lassen sollten. Die Zärtlichkeiten einfach weglassen. Das würde alles nur schwieriger machen und schließlich sind wir „nur Freunde“.
Draußen hast du dich bei mir entschuldigt.... für was, weiß ich nicht mehr. Ich könnte dir eh nie lange böse sein.
Und wieder hast du mich mit diesem Blick angesehen, wie damals bei der Postkartenaktion.
„Darf ich dich drücken?“ hast du gefragt.
Natürlich durftest du das.
Und als ich dich in den Armen hielt und du mir einen Kuss auf die Stirn gegeben hast, hat es bei mir geklickt.

Ja, ich hatte mich in dich verliebt.
Trotzdem habe ich es nicht zugeben wollen, obwohl ich mir sicher bin, dass du es in dem Augenblick schon viel länger wusstest als ich.

An unserem Miteinander hat sich in der nächsten Zeit trotz meines Vorhabens „Zärtlichkeiten weglassen, damit es leichter wird“ nicht viel geändert.
Bis du dann derjenige warst, der an der Sache zweifelte und die Situation „abkühlen“ lassen wollte.
Da hat es in meinem Herzen gestochen und zum ersten Mal sagte ich dir, dass ich dich liebe.

Ich weiß nicht, ob wir uns von da an nur etwas vormachten... Schließlich wussten wir beide, dass es wahrscheinlich keine Zukunft hat.
Aber die rosarote Brille stand uns beiden gut.
Wir ließen uns aufeinander ein.
Endlich.
Zwar war es nie offiziell... aber irgendwie war das auch egal.
Wir haben die Zeit genossen und uns gegenseitig Mut gemacht.
„Wir glauben an uns!“

Und jetzt... sitze ich hier... in Deutschland. Und du... in Amerika.
Ich freue mich noch immer für dich. Noch immer wirklich und noch immer ehrlich.
Vielleicht habe ich mir zu viel Zeit gelassen, bevor du gingst.
Vielleicht war es einfach zu wenig Zeit, in der wir uns „gemeinsam“ die Zukunft ausmalten.
Vielleicht sollte es so sein.
Vielleicht war es geplant, vielleicht konnte keiner etwas daran ändern.
Vielleicht, vielleicht, vielleicht...

Auf jeden Fall ist mir inzwischen bewusst geworden, dass es mir ohne dich einfach schlecht geht.
Dass ich dich vermisse... ganz egal, ob wir ein Paar sind oder nicht.
Du bist immer noch dieser wundervolle Mensch, dessen Herz und Kopf nicht immer zusammenarbeiten.
Der mir mit all seinen Stimmungen, Launen und Gefühlen im Kopf bleibt.
Dessen Augen, Grinsen und Duft ich nicht vergessen kann.
Dessen Freundschaft ich nicht missen möchte.
Der mir im Moment weh tut.
Weil ich wieder in der Situation bin, nicht zu wissen, was zwischen uns ist.
Freundschaft? Liebe? Seelenver....

Unsere Vergangenheit war immer „komisch“ und gleichzeitig das Schönste was es gibt.
Keiner weiß, was die nächsten Jahre bringen.
Aber schon einmal hab ich dich verloren und dann nach langer Zeit wieder bei mir gehabt. Und das intensiver als je zuvor.
Auch wenn du es nicht tust... ich glaube immer noch an uns... in welcher Form auch immer.
Du bist mein bester Freund, und deinen Platz in meinem Herzen hast du nun schon seit 9 Jahren.
Ich wäre gern wieder vollständig!
Und ich sag´s dir wieder, wie vor 9 Jahren: Hör auf dein Herz!

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2 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Oh, schön. =)
    Hat mir gut gefallen. Dein Text lebt zwar nicht vom Schreibstil, aber von der Handlung. Und vor allen Dingen von den Beschreibungen … Da möcht ich noch mal "Danke" sagen - Mir geht's so ähnlich, zumindest was Gefühle angeht.
    Habe mich in Deinem Text wiedergefunden. Und das tue ich selten =)
    Schön !

    23.04.2010, 22:35 von Calune
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  • 0

    Sehr schön. Wahrscheinlich hätten wohl beide eher auf ihr Herz hören sollen.
    Aber so ist's etwas besonderes, bitter-süßes.
    Ich habe keine Ahnung ob andere den Text gnadenlos verreißen werden, aber mich hat er zumindest emotional angesprochen. Als Beobachter / Leser kann man natürlich an mancher Stelle sagen: "Nun sag ihr/ihm schon endlich was Sache ist" ... aber wenn man in der Situation steckt bewahrheitet sich wieder mal die Erkenntnis, dass Liebe völlig irrational und trotzdem auch wunderschön und einzigartig sein kann, selbst mit offenen Ende.

    22.04.2010, 11:14 von Cyro
    • 0

      @Cyro Danke für deinen Kommentar =)
      Ich weiß, dass ich (noch) keine große Schriftstellerin bin, darum ging es mir bei diesem Text auch nicht. Eher darum, es sich einfach mal von der Seele zu schreiben.
      Dass es dir trotzdem gefallen hat, lässt mich jubeln =)

      22.04.2010, 16:13 von schattenbiestchen
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