herpes
...
eines tages, die schneeglöckchen blühten gerade, klopfte es zaghaft an die tür der experimentierkammer.
herr s. öffnete neugierig und sah sich seinem freund, dem hypochonder, gegenüberstehen.
"ach, mensch, so eine freude.", sagte herr s. , und bat den gast herein.
der hypochonder zog einen flunsch und trottete über die schwelle.
er ließ sich in den sessel gegenüber der staffelei plumpsen, wartete kurz, um sich der vollen aufmerksamkeit seines gastgebers gewiß zu sein, und sprach dann mit einer gekonnten mischung aus drama und jammerhaftigkeit:
"ich habe herpes!"
herr s., der die bedürfnisse seines freundes recht gut kannte, schaute besonders betroffen und erwiderte:
"nein!".
"doch!", antwortete sein gast, stülpte dabei die unterlippe nach vorn und wies mit beiden zeigefingern auf ein rotes bläschen.
herr s. steigerte seinen blick von betroffen zu entsetzt, schlug die hände über dem kopf zusammen und flüsterte dann:
"um himmels willen! wie ist denn das passiert?"
"ach, das ist ja das schreckliche. ich habe keine ahnung. gestern bin ich aufgewacht und es war da. einfach so. ich hatte noch nie herpes. in meinem ganzen bisherigen leben nicht. und nun soetwas. so beiläufig. wenn es wenigstens nach einem kuß geschehen wäre. nach der verwickelung in eine heftige knutscherei. ja, das wäre etwas. ein kriegszeichen. ein ehrenmal. aber so ... es ist eine katastrophe. als hätte man einen tripper, ohne gevögelt zu haben. oder eine beule am kopf, ohne das man sich gestoßen hätte. das ist doch scheiße."
der hypochonder versank auf tiefst mögliche weise im sessel. das perfekte häufchen elend.
schmollend blickte er vor sich hin und schwieg.
herr s. schlich auf zehenspitzen in die küche, braute aus lindenblüten, melisse, salbei und pfefferminz einen beruhigenden tee und warf nach kurzem überlegen noch ein paar lavendelblüten in den sud.dann klemmte er sich einen zeichenblock unter den arm, einen bleistift hinter ein ohr, und kehrte so zu seinem gast zurück.
frustriert schmollende hypochonder sind perfekte modelle. sie harren oft stunden in einer pose aus, während sie in die weite ihres gräßlichen schicksals starren.
"portrait eines klagenden hypochonders mit herpesbläschen." -
inspiration, was willst du mehr.
Tags: Robert, Suydam





Kommentare
sympathisch, das mit der kleinschreibung :)
04.10.2012, 18:01 von verpixeltkuß
04.10.2012, 07:19 von Surecampreimt sich auf
fuß
muss
aber nicht
auf
kuss
reimen.
ach lass einfach.
Genitalherpes ist auch klasse
03.10.2012, 17:57 von runner_chfür den hypochonder aber schwieriger herumzuzeigen.
03.10.2012, 21:21 von robert_suydam"als hätte man einen tripper, ohne gevögelt zu haben. oder eine beule am kopf, ohne das man sich gestoßen hätte. das ist doch scheiße."
03.10.2012, 17:28 von Jackie_GreyImmerhin ein humorvoller Hypochonder...
ohne DASS...
04.10.2012, 07:18 von Surecampoh Gott. Schlimm.
Ich habe doch nur zitiert!
04.10.2012, 07:51 von Jackie_Greychweiß
04.10.2012, 14:06 von SurecampSo leicht und erfrischend kommt das Herpes her
03.10.2012, 17:17 von MorgenfeeIch will ja nicht rumkacken, Groß- und Kleinschreibung ist ja schon was feines. Nech wa?
03.10.2012, 15:32 von Icke_un_du_oochBist voll der Rechtschreibnazi.
04.10.2012, 07:18 von SurecampDas ist doch Absicht! Kunst und so!!!
is das kunst, oder kann das weg.
05.10.2012, 17:28 von Icke_un_du_oochkann weg
05.10.2012, 17:46 von SurecampSchön!
03.10.2012, 13:16 von diag-nonsenseChrchrch... :)
03.10.2012, 10:52 von topfbluemchenWas haben wir wieder gelacht...
03.10.2012, 09:11 von ladydyHerrlich.
02.10.2012, 22:50 von Mircha