denkanstosser 21.10.2012, 11:26 Uhr 17 14

Hallo, mein Name ist Arschloch

Ich hab‘ eine gute Freundin und die hat mir bei einem Glas Wein eine Geschichte erzählt.

Na, eigentlich waren’s ein paar Gläser Wein und wenn ich Freundin meine, dann meine ich eine Vertreterin des weiblichen Geschlechts, bei der ich mir Hoffnungen gemacht habe, mit ihr im Bett zu landen und in Ermangelung eines Erfolges, mich am letzten Strohhalm der Freundschaft geklammert habe. Was dazu führt, dass ich ab und zu mit ihr etwas trinken gehe, in der Hoffnung, dass sie im Lichte ethilischer Verneblungen ihre Ansichten zu meiner Person ändern würde. Was bisher noch nicht geschehen ist.

Egal. Auf jeden Fall ist mir ihre Geschichte in Erinnerung geblieben und weil ich etwas schreiben will, ich aber keine gute Idee habe, verwende ich nun ihre Geschichte. Und zwar ist dies keine langweilige Allerweltsgeschichte, weil, wenn man bedenkt, dass ich ja mit ihr irgendwann mal im Bett landen möchte, dann ist es klar, dass ich unsere Gespräche möglichst nah am Thema halten will, was mir zwar noch nichts gebracht hat, aber probieren geht ja bekanntlich über studieren. Sie hat mir erzählt, wie sie ihre Jungfräulichkeit verloren hat.

Natürlich musste ich zuerst von meiner Erfahrung sprechen, in der, wenn ich mich recht erinnere, Kotze, eine Prostituierte, und viel Alkohol involviert waren. Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge. Ein leicht angewidertes Kräuseln ihrer Nase hat meine Erzählung quittiert, aber es hat ihren Ehrgeiz angestachelt, mir eine bessere Geschichte aufzutischen.

„Weisst du Denkanstosser, du bist manchmal ein richtiges Arschloch. Und manchmal auch noch widerlich dazu. Aber was da draussen für Arschlöcher herumlaufen, bist du im Vergleich dazu in richtiger Amateur.“

Und sie hat erzählt. Sie war fünfzehn oder sechzehn, vielleicht auch jünger gewesen, aber wir machen hier keinen illegalen Sachen, also nehmen wir an, sie war definitiv schon sechzehn gewesen und da war dieser Typ. Dieser coole, geile, sportliche, erfolgreiche Typ. Ihr Frauen wisst schon, wen ich meine. Den Rebell, den Coolen. Der Typ, der irgendwie aussah, als sei er aus irgendeiner Fernsehshow direkt in die gleiche Schule wie die deine gekrochen. Nein, nicht aus irgendeiner Fernsehshow, sondern aus der Fernsehshow. Der angesagte Charakter. Hundertprozentig Alpha. Und Beta und … das ganze Griechische Alphabet auch gleich noch dazu. Ein Adonis. Der Typ Mensch, bei dem die Mauerblümchen in spastischem Gleichklang Orgasmen bekamen, wenn er nur in die Nähe des Klassenzimmers kam. Wenn er die Stirn runzelte, machten sich die anderen Jungs in die Hose. Wenn er sprach, sammelten sich die Halbstarken mit glasigen, bewundernden Blicken um ihn und baten um Erleuchtung und um Weisheit, während sich, von ihnen unbemerkt, ihr Speichel in den Mundwinkeln sammelte.

Er war älter als sie gewesen und als der Abschlussball kam, da schien die Gelegenheit für sie gekommen. Sie hatte es geplant. Sie hatte es sogar schon Monate vorher geplant und es schien, als hätte sich das ganze kosmische Gefüge dafür eingesetzt, dass sie an diesem, einzigartigen Abend, ihm ihre Jungfräulichkeit schenken würde.

Und so kam es, dass beide nach Genuss diverser Light-Biere und vollgesogen bis zur Nasenspitze mit Hormonen, irgendwann miteinander verschwanden. Und hier ist meine Freundin etwas ins Detail gegangen mit ihrer Erzählung, ich konnte mich leider nicht auf ihre Erzählung konzentrieren und mich an alles erinnern, da ich immer das Bild von ihr unbekleidet und in voller Action vor meinem inneren Auge gehabt habe, aber es läuft auf einen Punkt hinaus. Der Sex war der Hammer gewesen. Er wusste, was er tat.

Als sie dann ausgehechelt auf seinem Bett lagen. Hatte sie, plötzlich eine lustige Eingebung. Da sie beide nicht in dieselbe Klasse gingen, sie sich sozusagen gar nicht wirklich kannten und er sie während dem ganzen Abend kein einziges Mal beim Namen genannt hatte, stellte sie sich vor. „Übrigens, mein Name wäre dann Ulla!“ Er schaute sie an, liegend, mit einer leichten Verwunderung in den Augen und gab ihr die Hand. „Freut mich. Mein Name ist Arschloch und in 5 Minuten bist du weg hier.“ Sie hatte gelacht, es für einen wunderbaren Scherz gehalten, doch der Blick in seinem Gesicht hatte ihr mit leichtem Nachdruck zu verstehen gegeben, dass es kein Scherz gewesen war. Und so raffte sie ihr Zeugs auf, klemmte es unter ihrem Arm und ging, wie von ihm gefordert.

Sie hat mir noch erzählt, wie sie sich gefühlt hatte, verwirrt, verarscht, ohnmächtig, dumm, alles zugleich und noch mehr, sie hat mir gesagt, dass sie so gelernt habe, wie mit Arschlöchern umzugehen. Und irgendwie war die Stimmung an diesem Abend gekippt, so dass sie sich entschuldigte und kurz darauf aus der Bar verschwand. Beim Aufstehen kippte sie ein Glas Rotwein um, ohne es zu merken, während ich in der Bar sitzen blieb.

Ich ging raus, eine Zigarette rauchen und während ich einen Zug nach den anderen nahm, sah ich wie einer der Tagelöhner der Bar, sich an unserem Tisch bückte und wohl mit dem Rotwein beschäftigt war. Als ich näher hinsah erkannte ich ihn. Das war doch dieser… Und der ist in die gleiche Schule gegangen wie… Aber irgendwie sieht er nicht mehr so…

Und als ich hineinging, wusste ich, was ich zu tun hatte. Ich ging zu ihm heran und lallte in meinem besten Weinsang: „Hey, Mein Name ist Arschloch und ich bin weg in fünf Minuten hier. Aber ich brauche noch die Rechnung!“, während ich etwas um mein Gleichgewicht kämpfte.

Ich glaube nicht, dass ich das wirklich kann.

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17 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Haha :)
    Ich mags!

    21.11.2012, 15:52 von TeilzeitRockStar
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Ich frage mich die ganze Zeit, woher kennt der Protagonist denn diesen Typen? War er auch bei ihm auf der Schule oder ist er auch mal mit ihm im Bett gelandet?

    16.11.2012, 14:53 von Tanea
    • 0

      vielleicht hat er facebook

      16.11.2012, 15:52 von denkanstosser
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  • 1

    Hallo, ich bin die Brigitte! :)

    31.10.2012, 00:24 von SexyBrigitte23
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  • 0

    Hi, ich bin der Somehow.

    23.10.2012, 20:30 von somehowamusing
    • 1

      Freut mich.

      23.10.2012, 21:00 von denkanstosser
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  • 1

    Und was deine Versuche bei ihr angeht, ich glaube auch du bist raus. Du müsstest einiges tun um dich in ein anderes Licht zu stellen und Alk und erzählungen von dem so tollen typen mit dem sie ihr perfektes erstes mal geplant hatte, welches dann noch tolle erinnerungen weckt, hilft dir nicht weiter...

    22.10.2012, 22:15 von Gaenseblume25
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  • 0

    Also besonders gut find ich ja :"die Mauerblümchen in spastischem Gleichklang Orgasmen bekamen" einfach großartig. :-D

    22.10.2012, 22:13 von Gaenseblume25
    • 0

      Danke, ich bin auch etwas stolz auf diesen Satz.

      23.10.2012, 08:45 von denkanstosser
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  • 1

     Kotze, eine Prostituierte, und viel Alkohol involviert waren..... 

    Ich glaube damit bist du raus bei ihr! 

    21.10.2012, 23:20 von iloveparis
    • 0

      Ich glaub' spätestens nach "leicht angewidertes Kräuseln ihrer Nase hat meine Erzählung quittiert"

      22.10.2012, 08:53 von denkanstosser
    • 0

      Naja vielleicht war an dieser stelle ein Staubkorn Schuld :D 

      22.10.2012, 17:35 von iloveparis
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  • 0

    Ey der Typ hat ihr nichts vorgemacht, finde ich super! Aber Arschloch ist dann wohl auch Interpretationssache.

    21.10.2012, 13:37 von Mrs.McH
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  • 2

    Ich finde den Text echt lustig, habe beim lesen gegrinst. Einige Ungereimtheiten in ihm stören aber leider etwas den Lesefluss.

    21.10.2012, 13:37 von Sultanine
    • 0

      was hat dir weniger gefallen? bin froh um Rückmeldung.

      23.10.2012, 23:23 von denkanstosser
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