Sumpfkopf 30.11.-0001, 00:00 Uhr 8 6

Gutmütige Katastrophe

Ist dir eigentlich bewusst, wie toll du mittlerweile bist? Wie außergewöhnlich du schon immer warst?

Gutmütige Katastrophe 

Es ist Winter, ohne Schnee Mitte Dezember Dank Klimawandel, aber der Weihnachtsmarkt erleuchtet trotzdem die Innenstadt.
Irgendwo dort die, nein, unsere Clique.
Eigentlich deine Gruppe.
Sorgfältig geprüft, wie zusammengewürfelt.
Ohne dich wäre ich diesen wunderbaren Menschen vermutlich nie begegnet. 
Jedoch bedingt durch deinen Gewohnheitsdrang, deine Herzmenschen einander vorzustellen, konnte ich weitere zwischenmenschliche, herzliche Bande knüpfen.
Du selbst stehst etwas Abseits, im Halbschatten, den teilweise hitzigen Blickwinkel - Diskussionen hier aufmerksam folgend, den plätschernden Alltagserzählungen dort lauschend.
Du hüllst dich genüsslich an deiner Feuerzangenbowle nippend in Schweigen.
Du siehst bei genauerer Betrachtung sehr müde aus, wirkst nahezu ausgebrannt- erschöpft.
Es ist bereits die zweite Runde.
Natürlich gingen Beide auf dich. 
Jeglichen kritischen Blick der Runde benebelnd, jede sorgenvolle Ermähnung durch an sich geliebten Geist mittels dampfender Flüssigkeit für eine Weile mundtot machend.
Da jeder sich im Klaren ist, weshalb du derart grosszügig, wie grossherzig sein kannst.
Ein kleines Wunder, dass du bei deinem selbst auferlegten Arbeitspensum an diesem gemütlichen Beisammensein nicht nur teilnehmen, sondern es auch initiieren konntest. 
Ein Scherz auf deine Kosten, du lachst laut auf, gen Ende hohl, um ein Blinzeln darauf das Gespräch auf zukünftige Peinlichkeiten zu lenken. 
Ich empfinde in eben jenen Momenten gleich viel Zuneigung, wie Antipathie für dich.
Dein, erst auf den zweiten oder dritten Blick, weiches, grosses Herz möchte ich umarmen, liebkosen, vor aller Welt lobpreisen, jedoch, deinen handelnen Geist möchte ich ohrfeigen, gar erwürgen.
In deinen mehr oder minder nennenswerten Taten schwingen stets zwei Nuancen mit.
Oft ist es schlicht naive, ehrliche, aufrichtige, dich aus der Gleichung zum Wohl deines Umfeldes oder nur für ein fremdes Lächeln hinten anstellende Zuneigung.
Doch in letzter Zeit zwingt sich schier mehr und mehr jener, in dir vermeintlich nie zu stillende, Drang sich beweisen zu müssen auf.
Du nippst abermals an deinem kaum mehr dampfenden Tonbecher.
Jene der Anderen sind nahezu alle geleert.
Dies bemerkend rufst du zur dritten Runde auf und trinkst deine Feuerzangenbowle in einem Zug aus.
Abermals eine Runde auf deine Kappe. 
Und auch diesmal möchte ich dir dafür oder für deine Intention dahinter, einen heftigen Schlag in die Magengrube verpassen. 
Du brauchst dich nicht mehr beweisen, du bist bereits angekommen.
Du hast auch keinen einzigen Splitter Ähnlichkeit mehr mit dem sozialinkompenten Etwas von damals, deine platonische Liebe wird mit Gegenliebe beantwortet.
Du bist etwas Besonderes.
Bisweilen gar einem Fabelwesen, eventuell einer guten Fee gleich in jenem, grauen, spröden, kraftraubenden Alltagstreiben und keineswegs ein lebens-, wie liebensunwertes Monster, dass nur durch doppelten Fleiss und überdurchschnittlicher Leistungsbereitschaft blosse Akzeptanz verdient.
Plötzlich trifft dein nahezu entleerter Blick den Meinen, für einen Augenblick verweilen du und ich nahezu im Moment erstarrt. 
Dann formen deine Lippen ein Lächeln.
Keine dieser höflich-kühlen Gesten, welche du neuerdings so bedauernswert-grausam-taktvoll zu deinen Alltagswerkzeugen zählst.
Du siehst mich.
Dein Geist verfängt sich in einer jener, für dich so kostbaren, lieb gewonnen Kleinigkeiten, welche du ab und an anscheinend einzig derart begeistert feierst.
All deine herzensguten Gefühle durchdringen binnen Sekundenbruchteilen deine komplette Aura und wandeln jenes Lächeln zwischen den dutzenden, leuchtenden Weihnachtsmarktbuden in mein ganz privates Feuerwerk. 
Jenem Impuls gegenüber machtlos, erwidere ich dein Lächeln.
Du bist und bleibst wohl trotz all deiner Macken noch eine Weile meine gutmütige Katastrophe.


Tags: Gutmensch, Alltag, Fabelwesen, Charme, Nächstenliebe, Naivität
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8 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Eine gute Beschreibung, fast als hätte ich diese Szene selbst erlebt :)

    18.12.2015, 14:51 von Cyro
    • 0

      Ich bedanke mich hiermit für dein Lob.

      18.12.2015, 20:00 von Sumpfkopf
    • 1

      Ein von Herzen kommender Text, die Beschreibung eines Charakters der mir
      wohlbekannt ist,  na ja, das war und ist mir ein ♥ wert :)

      18.12.2015, 20:55 von Cyro
    • Kommentar schreiben
  • 1

    Gefällt mir sehr gut! Dein Schreibstil, die Wortwahl, bewirkt, dass ich selbst das Gefühl hatte, ich wäre das "ich" in deinem Text gewesen. Fühlt sich sehr vertraut an. Hast für mein Empfinden den Augenblick sehr gut eingefangen, lebendig und intuitiv. Großes Lob von mir. :)


    "Plötzlich trifft dein nahezu entleerter Blick den Meinen, für einen Augenblick verweilen du und ich nahezu im Moment erstarrt. "
    Und mein Atem stockt für einen Moment.
    "Dann formen dein Lippen ein Lächeln."
     .

    15.12.2015, 21:41 von nichtkompatibel.
    • 0

      Ich bedanke mich hiermit mit zugegeben geröteten Wangen für deine Rückmeldung und Kritik.

      Es freut und ehrt mich zugleich, dass meine Zeilen dir derart lebendig-empathische Tendenzen entlocken.

      Wenn du erlaubst, möchte ich deine vorgeschlagene, gute Korrektur nicht übernehmen.

      Jene Art an emotionaler Zeile passt zwar, wie die Faust aufs Auge.

      15.12.2015, 22:59 von Sumpfkopf
    • 0

      .... Faust aufs Auge, jedoch kann ich der Herzdame, welcher dieser Text gewidmet ist, derartiges nicht auch noch  antun.

      ;) es bleibt also der lesenden Seele überlassen für einen Sekundenbruchteil stockenden Atem zu haben. 

      15.12.2015, 23:02 von Sumpfkopf
    • 1

      Erstmal, gern. Ich hab mich gefreut, mal wieder einen so guten und mich so erreichenden Text zu lesen.


      Außerdem: Das war kein Verbesserungsvorschlag. ^^ Ich verbessere selten den Schreibstil eines Anderen, es sei denn etwas fällt mir als gravierend unpassend ins Auge. Mit deinem Zitat und meinem eingefügten Satz wollte ich lediglich meine Reaktion beim Lesen dieser Zeile schildern. Demzufolge war ich diese lesende Seele, der kurz der Atem stockte. ^^

      15.12.2015, 23:07 von nichtkompatibel.
    • 1

      Ich verbleibe mit roten Wangen geehrt. ;)

      15.12.2015, 23:13 von Sumpfkopf
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