nichtich 30.11.-0001, 00:00 Uhr 8 2

Freundschaftskummer

Dieser Text ist dir gewidmet. Verzeih mir nicht, vergiss mich nie.

Ich weiß noch wie wir uns kennenlernten. Facebook, dank unserer modernen, entwickelten Gesellschaft. Als dein Namen unten auftauchte, hätte ich nicht damit gerechnet, dass du jemals eine wichtige Rolle in meinem Leben spielen würdest. Noch weniger hätte ich mir ausmalen können, dass du meinen ersten Freundschaftskummer verursachen würdest.


Ja, dies ist der Bruchteil einer Liebesgeschichte.

Eis essen. Bei dir zu Hause. Bei mir zu Hause. Pizza essen. Endlos lange Gespräche. Lachen. Lachen. Konzerte. Pferdestall. Nachmittage lang Kuchen essen und Tee trinken. Danke für alles. Glück. Gewitter. Enten füttern. Tränen. Streit. Versöhnung. Ich bin eine Enttäuschung für dich. Endloses Schweigen

Du warst immer da. 

Meine Katze starb, für mich brach eine Welt zusammen. Ich rief dich weinend an und kurze Zeit später hieltest du mich in deinen Armen.

Ich fühlte mich unverstanden von jedem. 

Du warst da.

Ich war schlaflos. 

Du warst da.

Ich war unentschlossen. Immer noch warst du da.

Und dann, dann brauchtest du mich, und ich war nicht da. Ich bin Schuld an deiner Enttäuschung, habe dein Vertrauen ausgenutzt. 

Du standest weinend vor meiner Tür, draußen regnete es. 
Es tut mir Leid. 
Immer wieder kamen die selben Worte aus meinem Mund, leise erklangen sie und der lautstarke Regen übertönte sie. Meine Jacke war ganz nass, nicht vom Regen. 
Später gingst du weg. Ich ließ dich einfach gehen. In mir drin schrie meine letzte Hoffnung nach dir, doch meine Scham übertönte sie. In mir zerbrach etwas, worüber ich nicht wusste, dass es existierte.

Jeden Tag betreten wir den gleichen Saal. Unsere Blicke haben längst aufgehört sich zu treffen, unsere Wege vermeiden es, sich zu kreuzen und deine Worte richten sich nicht mehr an mich. Ich habe sie nicht mehr verdient. Dabei bedeuteten sie mir einst alles.

Wieso habe ich dir das angetan? Nächtelang träume ich von dir. Du wirfst mir alles an den Kopf was ich mir selbst vorwerfe, du beleidigst mich, du redest aggressiv auf mich ein. Schrecklich.
Längst nicht so schrecklich wie die Stille welche du mir schenkst. 

Diese grausame Stille. Ich hasse sie. In ihr liegt alles, was längst hätte ausgesprochen sein sollen. 

Du fehlst in meinem Leben. Seitdem du weg bist, fühle ich ein kleines Loch in mir. Dieses Loch wächst und es wird größer, es ist diese Leere die sonst niemand füllen könnte. 

Du sitzt vor mir und ich blicke deine Banknachbarin neidisch an. Ihr seht so glücklich und vertraut aus, dein Lachen schallt durch meinen Kopf.

Nie wieder werde ich der Grund deines erklingenden Lachens sein.

Und der Grund dafür bin ich.

Dies ist keine weitere Entschuldigung von mir an dich gerichtet, dies ist lediglich ein Bruchteil einer verdrängten Erinnerung, welche tief in mir niemals aufhören wird zu sein.

Du fehlst in mir.






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8 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Wenn du den Fehler hier "Ich rief dir weinend an" noch änderst, ist es für mich ein richtig  zauberhafter text. :)

    10.03.2016, 17:44 von zuckerhorn
    • 0

      Oh, da hab ich was mit meiner Muttersprache verwechselt. Danke für den Hinweis. :)

      10.03.2016, 20:28 von nichtich
    • 0

      dann müsste es aber heißen "ick rief dir an"?

      10.03.2016, 22:08 von libido
    • 1

      also ich rede vom luxemburgischen, da sagt man "ech ruffen dir un"

      11.03.2016, 12:28 von nichtich
    • 0

      nichtich: das klingt aber lustig. ich zieh mir gleich mal was auf youtube rein dazu - geil! ein zwischending aus sächsisch, französisch und pälzisch ;D

      11.03.2016, 20:07 von libido
    • 0

      Haha diesen vergleich hab ich ja noch nie gehört, ja ist eine ganz spezielle sprache :)

      11.03.2016, 22:31 von nichtich
    • 0

      erich honecker war ja auch ein sachse - sondern saarländer ;D

      11.03.2016, 23:59 von libido
    • 0

      kein sachse!

      11.03.2016, 23:59 von libido
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