Nachgrabb 06.05.2014, 02:24 Uhr 1 2

Freundliche Worte

"Ich glaube an dich." "Ich vertraue dir." "Ich bin stolz auf dich."

Was war das Schönste, was euch jemals gesagt wurde? Welche Worte haben euch glücklicher gemacht als alle anderen?
Ich liebe dich ? Ich bin stolz auf dich? Möchtest du einen Keks?
Diese Frage hab ich einigen Freunden gestellt. Die Antworten waren ziemlich verschieden aber gefallen haben sie mir alle.
"Du bist meine beste Freundin." von der Person, die für einen selbst die beste Freundin ist.
"Klar kriegst du ein Autogramm" vom Lieblingsfußballer.
"Morgen fangen die Sommerferien an" für meinen 10jährigen Cousin
"Du bist echt nicht ganz normal." "Sie haben die Fahrprüfung bestanden" "Ich bin die Auferstehung und das Leben"
Der eigene Name, geformt von den Lippen eines kleinen Kindes.
"Ich glaube an dich." "Ich vertraue dir." "Ich bin stolz auf dich."
Viele Menschen haben einen Satz, der sich bei ihnen unauslöschlich ins Herz gegraben hat. Auch ich, ist doch klar.

Wir hören so viele schlimme Dinge jeden Tag. Radio und Fernsehen überfluten uns mit Unglücksbotschaften, der Katastrophenjournalismus treibt die buntesten Blüten. Nachrichten von Amokläufen, Hungersnöten und drohenden Kriegen treffen uns wie meterhohe Wellen, die drohen, uns mitzureißen.
Am Arbeitsplatz kritisieren Chefs und Kollegen, in der Schule Lehrer und Mitschüler. Selbst zuhause sind wir davor nicht gefeit, Kommentare von Eltern oder Partnern können einen, gewollt oder ungewollt, tief treffen und verletzen. Solche Dinge zu vergessen ist schwer und bald sind unsere Köpfe umschwirrt von schlechten Nachrichten, fiesen Beleidigungen, ätzenden Kommentaren und düsteren Gedanken. Wie lästige Schatten begleiten sie uns und machen uns blind für all das, was schön und gut ist um uns herum.
Gehetzt und geblendet drohen wir, uns in diesem dunklen Geflecht zu verlieren.
Wie soll man dieser Allgegenwärtigkeit auch entkommen? Wie schafft man es, sich nicht überwältigen zu lassen?
Wer auch immer gesagt hat, dass Worte nicht verletzen können war entweder kein sehr empfindsamer Mensch oder... Oder hatte uns etwas entscheidendes voraus.

Denn es gibt einen Schutz gegen Bosheiten. Auch dieser besteht aus Worten. Aus freundlichen Worten, aus Sätzen von geliebten Menschen, aus Sätzen, die Kraft und Wärme schenken und in man sich einhüllen kann wie in eine Rüstung. Einige dieser Sätze habt ihr hier schon gelesen. Wirklich wichtig ist aber nicht, was hier steht, nicht das, was ich schreibe. Wichtig sind die Sätze, die euch ins Herz geschrieben sind. Wie leicht werden nette Worte überhört, wie leicht verdrängt.
Man muss lernen, sie zu hören, sie zu behalten und sich mit ihnen zu umgeben. Wer das kann, den machen sie vielleicht nicht unantastbar, aber sie geben ihm eine Decke, einen kleinen Schutzraum, in den man sich zurückziehen kann, in den einem niemand folgt und in dem man geschützt ist, gegen die Kälte der Welt da draußen.
Herzenssätze können genauso gut Zitate sein, Verse aus der Bibel, aus einem Buch, einem Lied. Jeder hat andere Sätze, die ihn begleiten und beschützen.

Was meine Sätze sind?

"Ich habe Babies nie wirklich gemocht. Und dann hat man mir dieses komische kleine Bündel Mia in die Hand gedrückt, du hast mich angeschaut mit diesen unglaublichen Augen und ich wusste, dass ich dich immer liebhaben würde." Meine Tante, als ich das letzte Mal mit ihr telefoniert habe und sie mir sagte, wie gern sie mich hat.

"Du bist viel zu viel für mich. Und trotzdem nie genug." Von einer Person, die mir unglaublich wichtig ist. Mein absoluter Lieblingssatz.

"Du kannst jederzeit nach Hause kommen" von dieser Frau in Frankreich, die mich hat bei sich schlafen lassen, obwohl sie mich nicht kannte und mir das Versprechen gegeben hat, ich wäre immer willkommen.

Und dann wäre da noch "Man wendet sich nicht gegen Familie", weil das mein großer Bruder immer dann sagt, wenn mir jemand wehtun will.

Diese Worte sind für mich wie Teppiche auf meinem steinigen Weg. Seit ich gemerkt habe, wie solche Sätze wirken rede ich ganz anders mit den Menschen.
Ich weiß noch, wie eine Kassiererin im Supermarkt zu mir sagte, ich habe die gleichen schönen Augen wie mein Papa. Und ich weiß auch noch, dass der auf dem ganzen Rückweg gestrahlt hat. Aber es müssen nicht mal Komplimente sein. Bis jetzt muss ich lächeln wenn ich dran denke, wie dieser Verkehrspolizist uns bei einer Kontrolle angehalten hat, den Ausweis meines Vaters sehen wollte und ihn mit den Worten "Hat man Ihnen schon mal gesagt, dass sie auf dem Bild wie Bud Spencer aussehen?" zurück reichte.
Oder an die Lehrerin mit dem schmutzigen Auto, in dessen Dreck mein Bruder und ich mit dem Finger "Putz mich oder töte mich" geschrieben haben und die uns daraufhin erzählte, ihr Mann hätte das so witzig gefunden, dass er angefangen hätte es bei anderen Autos nachzumachen.
Oder, oder, oder.
Wie gesagt ist es leicht, zu verletzen. Aber es ist auch leicht, Menschen zum Lachen zu bringen, ihren Tag ein bisschen besser und das Netz um ihre Gedanken ein bisschen lockerer zu machen. Einfach mal ausprobieren! Vielleicht tut das euch selber auch ganz gut.

Ein Satz zieht übrigens fast immer, wenn man jemand den Tag versüßen möchte.
Ich selber finde den auch ganz, ganz zauberhaft.
Wie er lautet? Einfach. Sehr einfach.

Hättest du gerne eine Tasse Kaffee?

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1 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Ich finde es schön, wenn sich jemand bewusst wird, wie wichtig solche Sätze sind, und wie man manchmal noch jahrelang daran denkt.

    09.05.2014, 12:08 von Dini02
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