sommersonnig 14.12.2007, 08:41 Uhr 1 0

Freunde ohne Ende?

Seit einigen Jahren habe ich eine handvoll mir wichtiger guter Freunde. Aber was, wenn wir uns verändern? Was bleibt bei einer Distanz von 600 km?

MIt Freundschaften ist das so eine Sache: Je älter du wirst, umso weniger Leute sind bereit, sich dir zu öffnen und es wird immer ein wenig schwieriger,jemanden zu finden,der sich dir öffnet.
Jemanden, der es gut mit dir meint. Der deine Melodie des Herzens kennt und sie dir vorträgt, wenn du sie vergessen hast.

Er oder sie soll mir ebenbürtig sein, auch wenn es sich arrogant anhören mag.Es ist wichtig, dass sie auf gleicher Augenhöhe sind,keine Vorbild und Bewunderer-
Konstellation.
Ich fände es schön, wenn sie ähnlich viel Lebenserfahrung haben und wir uns gegenseitig austauschen und voneinander lernten.

Eine Feundin brachte mir immer tolle Flyer von Theaterveranstaltungen mit und ich entdeckte die Welt der Kleinkunst. Eine andere Frau empfahl mir immer superinteressante Kinofilme und ich lernte Fatih Akin schätzen. Als sie vor 6 Jahren mit ihrem Freund zusammenzog, half ich ihr beim Umzug und erlebte, wie sie zusammen klar kamen in der ersten gemeinsamen Wohnung und es war sehr interessant für mich, diese spannungsreiche Zeit zu beobachten, irgendwie auch ein Teil davon zu sein. Zu sehen, wie sie sich auf der Einweihnungsparty verhielten. Ich schenkte ihnen eine Zimmerpflanze für´s neue Heim ,die sie noch heute haben und schon gewachsen ist.

Bei langen Spieleabenden formierte sich eine kleine Gruppe, die mir so viel bedeutete.Ich fühlte mich so anerkannt und freute mich wie blöd, dass mich jemand mag und zu mir nach Hause kommt und sich alle so gut verstanden.

Jemanden seine beste Freundin zu nennen, ist wohl naiv und wir dachten nicht weiter darüber nach.Ich lernte sie auf der Parkbank kennen, als ich auf Wohnungssuche war und noch Zeit zu überbrücken hatte.Es war mittags, wenn normalerweise alle Menschen arbeiten und sich nicht unter schönen Laubbäumen aufhalten.
Sie setze sich zu mir und wir unterhielten uns angeregt.
Wir tauschten unsere Telefonnummern aus und sie versprach, mir die neue Stadt zu zeigen, wenn ich nach Westdeutschland ziehe.
Der erste Abend mit ihr war so schön und ich erinnere mich so gerne daran.
Wir waren beide Single und verbrachten nahezu jedes Wochenende zusammen, sie schleppte mich in die besten Kneipen und ich brachte sie zum Salsatanzen und Karaoke singen.Lange Weinabende mit Simon and Garfunkel-Musik liebte ich sehr mit ihr.
Zu unserem 5-Jährigen kochten wir uns Sauerbraten mit Klößen, weil sie so gerne Klöße mochte.

Wir betranken uns mit Tequilla, tranken Cocktails bis tief in die Nacht und gingen eingehakt laut singend durch die Straßen.Wir waren bei Jobfrust und Liebeskummer füreinander da und es war in der ersten Zeit eine recht intensive Freundschaft.

Meine Geburtsatge waren mit meinen Leuten toll,wir wurden eine vertraute Gemeinschaft und wir hatten eine Menge Spaß.

Natürlich war ich mit den Menschen unterschiedlich befreundet, die eine konnte wahnsinnig gut bei Problemen zuhören und hatte eine tolle Lebenserfahrung, mit der anderen konnte ich mich stundenlang über Kunst und Kochrezepte austauschen und mit anderen siedelte ich stundenlang.

Auch in Zeiten der Arbeitslosigkeit haben sie mich gut abgelenkt, mir Mut zugesprochen. Durch sie fühlte ich mich nicht arbeitslos oder hilflos, ich hatte ja sie.Natürlich war ich auch bereit, alles zu geben und war ihnen auch eine Stütze,verkuppelte erfolgreich, vermittelte Jobs und gab Ratschläge bezüglich Eltern, Exfreunde und anderern Schwierigkeiten.Ich war immer sehr gerne für meine Freunde da, besonders auch in schwierigen Phasen.

Dann lernte meine beste Freundin ihren Freund kennen und plötzlich war sie nicht mehr erreichbar, Verabredungen wurden abgesagt und ihr einziges Gesprächsthema drehte sich nur um ihn. Natürlich habe ich mich gefreut, aber sie lebte nur für ihn. Als er sich als Arsch outete,war ich für sie da, bekochte sie und wir träumten weiter von der großen Liebe, die irgendwo dort draußen auf uns wartete.
Wenn ich ihr meine Probleme erzählte, erlebte ich sie immer öfters als unkonzentriert und Phrasen dreschend, was mich wunderte, schließlich waren es keine schwerwiegenden Themen, die sie überfordern konnten. Aber dafür gab es ja andere.
Jedens Sylvester standen wir um Mitternacht auf der Brücke, umarmten uns, schauten in den blitzenden Himmel und schwörten uns, niemals wegen eines Mannes unsere geliebte Stadt zu verlassen.

Doch die Umstände zwangen mich, mir einen Job in der Schweiz zu suchen und mit meinen Lebensgrfährten auszwandern.

Wir aßen ein letztes Mal Knödel. Ich hatte daran gedacht, das Thema Freunschaft mit ihr anzusprechen, wie wir uns verhalten könnten, z.B. uns zum Telefonieren verabreden o.ä., aber ich dachte nur: " Sie ist doch meine beste Freundin und ich bin ihr wichtig, das wird schon gut gehen."

Nichts ging gut.
Nach 2 Wochen verlor ich meinen Job, doch sie ahnte davon nichts. Wochenlang wartete ich auf Nachricht von ihr, E-Mails blieben unbeantwortet, keine versprochene Postkarte traf ein und ich wurde immer trauriger. Im August wollte sie mich schon besuchen, doch sie verschob es.
Als ich sie endlich anrief, erzählte ich ihr von meinem Frust, doch sie verstand nicht." Ich bin für deine Probleme nicht verantwortlich und auch wenn du einsam bist, werde ich dich nicht deßwegen jeden 2. Tag anrufen."
Das saß.
Ich dachte lange über dieses Telefonat nach, konnte es kaum glauben.Nach einer Woche mailte ich ihr dann ausführlich, äußerte wohlgesinnte aber auch eindringliche Kritik, wünschte ihr alles Gute und legte den Kontakt auf Eis.
Sie verstand meine Denkweise nicht und bereitete sich auch nicht großartig Gedanken bzw. sah Einiges zwar ein, änderte sich jedoch nicht, wie ich von gemeinsamen Freunden erfuhr.Eine Mail kam noch zurück und das war`s.


Als ich vor Kurzem eine andere Freundin erstmalig in meinem alten Wohnort besuchte, freute ich mich sehr auf sie. Endlich mal wieder ausführlich reden, zusammen kochen und mich verwöhnen lassen, so wie ich sie gastfreundlich bei mir empfangen habe.
Doch sie war Krank, sehr krank, denn sie hatte Schnupfen. Zumindest sagte sie das, denn erkennen konnte ich es in keinster Weise.
" Hallo! Ich bin gerade krank und ich habe schon sämtliche Termine abgesagt um mich zu schonen. Aber nun bist du ja hier, komm` rein", waren die Begrüßungsworte in leidender Stimme.
Das war Grund genug, sämtliche Pläne abzusagen, leidend und erschöpft auf der Couch zu liegen und sich so viel Ruhe wie möglich anzutun.
Im Klartext hieß das für mich, dass ich, obwohl es mir gerade selbst psychisch nicht gut ging und sie es wusste,für sie kochte, spülte, abtrocknete und ihr alles abnahm.Unterhalten konnte ich mich mit ihr nur dürftig, da sie ihre Stimme schonen wollte.

Zuerst hatte sie lecker eingekauft und ich freute mich, dass sie noch meinen Essensgeschmack wusste.
Am nächsten Tag beschäftigte ich mich alleine in der Stadt, damit sie ihre Ruhe hatte. Andere Freunde konnte ich nicht treffen, da sie entweder auch weggezogen waren oder arbeiten mussten.
Das Wetter war nasskalt und windig, die Stadt total überfüllt.
Als ich gegen Nachmittag wie angekündigt zu ihr kam, hörte ich schon ihr Lachen.
Sie lag auf dem Sofa und telefonierte. Ja, es hätten schon so viele Leute angerufen und sie haben sich gut unterhalten.
Dann ging sie zum Herd und setzte Kartoffeln auf. Ich freute mich , da mein Magen anfing zu knurren:" Schön, vielleicht gibt es ja gleich Kartoffelgratin", hoffte ich.
Als sie fertig war, stampfte sie sie und bereitete sich damit einen Halswickel zu :-/
Sie bot mir einen warmen Tee aus ihrer Kanne an, den ich zur Aufwärmung gerne annahm.
Keine Frage, ob ich schon etwas gegessen hätte oder so.
Schließlich machte ich uns eine Gemüsequiche, währrend sie wieder auf dem Sofa lag, kaum etwas sagte, um ihre Stimme zu schonen.

Am nächsten Tag wollte ich mich mit ihrem netten, platonischen Freund zum Weihnachtsmarkt und anschließend zum Kleinkunsttheater treffen und war froh, dass sich mal jemand Zeit für mich nahm.
Doch er rief an,er hätte keine Zeit zum Glühwein trinken, wir könnten uns nur zum Theater treffen. Also fuhr ich durch Regen und Kälte quer durch die Stadt dahin.
Er verteilte die Eintrittskarten." Geh` ruhig schon mal rein, ich komme gleich." Ich versprach, ihm einen Platz freizuhalten und setzte mich rein.
Es war schon sehr voll und ich wartete, keiner kam.Irgendwie war ich eh schon nicht gut drauf, ich fühlte mich nicht wohl unter den fremden Menschen.
Die Vorstellung begann und saß dort neben dem einzigen freien Stuhl.Mein Frust wuchs und ich dachte nur:" Das ist alles ein schlechter Scherz, ich fühle mich so richtig unwillkommen"
Nach ca. 20 min stand ich auf und ging. Er stand dort immer noch draußen und unterhielt sich angeregt. Als ich ihm meine Lage versuchte zu erklären, ging er nicht drauf ein und zeigte keinerlei Emphatie.

Ich fuhr durch die kalte Nacht, kam an den früheren Wohnungen meiner Freunde vorbei, die nun auch nicht mehr hier wohnten,sah Kneipen und Restaurants, die ich nicht kannte und setzte mich schließlich in unsere frühere Lieblingskneipe allein am Thresen. Da wurde mir schmerzlich bewusst, dass alles vorbei war und nichts mehr so sein würde wie einst.Ich blieb dort noch eine Weile, da ich die Verschnupfte nicht stören wollte.

Als ich dann umständehalber gezwungen war, noch eine weitere Nacht bei meiner " guten" Freundin zu bleiben, fiel sie aus allen Wolken.Ich könnte doch nicht einfach so über ihre Zeit verfügen etc...
Am letzen Tag fuhr ich im überfüllten Bus mit unhandlichem Gepäck bei lausig schlechtem Wetter zum Bahnhof, da ihr Freund noch nicht mal im Entferntesten daran dachte, mich zum Bahnhof zu bringen, wie ich das bei ihnen auch gemacht habe.
Ich war so froh, endlich wieder von dort wegzukommen und ganz viel Abstand zwischen Allem zu bringen.

Das ist nun 2 Wochen her, sie ist immer noch krank geschrieben und kann natürlich nicht mit mir telefonieren, da sie ja ihre Stimme schonen muss.

Kann eine harmlose Erkältung an der Freundschaft zweifeln lassen?

Nun ist bald wieder Sylvester, dieses Mal werde ich mit meinenem Freund wohl ganz allein verbringen.
Doch in Gedanken werde ich dann bei meiner damals "besten " Freundin sein und mich fragen, wie das alles gekommen ist und was Freundschaft bedeutet....

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Kommentare

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    undank ist der welt lohn, kennt das nicht jeder -.-

    17.12.2007, 12:07 von Zuendy
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