zuckerpuppe 19.09.2006, 16:33 Uhr 2 1

Es ist Freitag

Das ist mein Sommer. Und er ist nicht, wie der letzte, aber er ist nicht übel. Vielleicht sogar sehr tollo.

Es ist Freitag. Freitag hab ich frei. Nicht, dass ich freitags nichts tue. Ich lerne. Meistens versuche ich freitags auch noch Kanu zu fahren. Aber meistens kommt es nicht dazu. Wasser aus dem Fluss gelassen, Regen oder keiner da oder eine Kombination von allem. Eigentlich hab ich also den ganzen Tag zum arbeiten, aber es wird immer nicht so sehr viel daraus, weil…
weil Deutschland Fußball spielt, weil es gewittert und ich zu viel Kaffee getrunken habe und dann kann ich nicht recht still halten und schon gar nicht denken und wenn, dann nicht in geregelten Bahnen.
Freitag also. Erst hab ich mich also noch einmal umgedreht und dann war es nicht mehr so früh, als ich angefangen habe zu denken. Und dann musste ich Mittagessen aber es gab keines. Dumme Geschichte. Dann hab ich noch schnell bei Jan vorbei geschaut, weil der ganz genau in der Nähe wohnt und ich dachte, bevor du deinen Kaffee allein trinkst, tust du es bei ihm, dann hast du ihn auch mal wieder gesehen.
Dann war sein Mitbewohner aber erst gestern wieder gekommen und der hat uns mit Obst versorgt und es war so nett und in der Küche auch nicht so heiß und also sind wir länger sitzen geblieben und dann wollten wir noch Eis essen und dann …
Dann war es fünf.
Um zehn auf gestanden und dann ist es fünf und der Tag noch immer so heiß, aber mittlerweile schon ganz gut gelaufen mal abgesehen vom Gewissen…
Dann hab ich bis elf gearbeitet. Das heißt, ich hab telefoniert aber nicht so viel wie sonst immerhin. Und geduscht und dann noch Aubergine angebraten und so.
Aber eigentlich gelernt und auch etwas geschafft.
Warum kann man im Winter so viel mehr denken als im Sommer. Also mehr Sachen denken, die mit der eigenen Karriere zu tun haben…
Und dann war ich um elf auf einen Wein verabredet und als ich Jula anrufe und ihr sage, dass ich jetzt fertig bin, da sagt sie, dass sie noch an ihrer Arbeit sitzt, die sie Montag abgibt und das noch dauert und sie daher nicht kann, weil Montag abgeben heißt morgen binden und dann also heute fertig machen.
Ich hab mich die ganze Zeit nur auf den Abend gefreut und dann, wenn er anfängt, dann springt sie ab. Aber man sollte denen die wirklich an ihrer Karriere basteln nicht auch noch im Weg stehen, nur weil man heute selbst keine hat.
Er ist auch zuhause, bestellt und nicht abgeholt. Und als er kommt hab ich mich schon auf mein einsames Schicksal eingestellt und will schon nicht mehr raus gehen.
Aber eigentlich will ich doch und wir trinken erst ein Glas Wein auf meinem Balkon und gehen dann an den Fluss. Mit Brücke und Aussicht und allem und Sommernachtluft.
Und wir reden. Ich bin in den letzten Wochen nicht nur einmal hier gesessen und erzähle ihm vom letzten Sommer, als er nicht mehr da war und das Leben weiter ging, das war auch hier.
Und wir lachen. Weil mathematische Beweise trivial sind: siehe Angabe, der Beweis ergibt sich aus der Angabe.
Und ich habe Angst, dass ich morgen einen Kater hab. Aber nicht, weil der Wein schlecht ist, sondern, weil ich schon den ganzen Nachmittag Angst davor habe, morgen einen Kater zu haben.
Langsam kommen die Sterne aus den Wolken. Und das Glas und die Flasche und die langen Gräser dahinter, das ist ein Stillleben, aber ich kann es nicht festhalten, nur im Kopf.
Und manchmal tröpfelt es.
Ich liege auf seinem Bauch und er im feinen Flusssand. Und als ich merke, dass er eingeschlafen ist, sammle ich die Gläser ein und wecke ihn und bringe ihn ins Bett und während ich hier schreibe liegt er neben mir, atmet gleich mäßig und… als ich ihn sanft geküsst hab, hat er geschmunzelt.
Das ist mein Sommer. Und er ist nicht, wie der letzte, aber er ist nicht übel. Das sollte ich nicht vergessen. Nicht wie der letze aber wirklich nicht übel. Vielleicht sogar sehr tollo. Aber das würde ich nicht zu geben.
Jetzt mach ich Euch aus, und dann nimmt er mich in dem Arm und brummt dabei. Und es ist genau richtig so und morgen, also in ein paar Stunden, geh ich Kanu fahren, samstags ausnahmsweise. Aber davor hält er mich eine Nacht lang fest.
Die ganze Nacht.

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