Jeanne_Darc 30.09.2009, 13:26 Uhr 0 0

Endlich Nach Hause Kommen

Ich wollte es fühlen, spüren, jede Sekunde atmen, alles noch mal durchleben, was ich vorher nur abwesend kurz zur Kenntnis genommen hatte.

Ich drückte die Tür auf, die mich wie immer in meine geordnete Unordnung führte. Mein Leben. Meine Wohnung mit den einzelnen Fetzen Erinnerungen und Habseligkeiten, die ein Mensch wie ich besaß. Mir lief erst eine Träne runter, dann kam es mir vor als wäre ich von einer Hülle aus salzigem Wasser umgeben. So stand ich in der Tür, regungslos und alles war verschwommen. Ich merkte wie meine Knie einknickten. Ich merkte wie Genugtuung auf Schmerz auf Erlösung auf Abschied auf Freiheit prallte und wie intensiv ich jede Phase durchlebte, gerade in diesen Sekunden. Vielleicht waren es auch Stunden…Tage? Wen interessierte das schon. Es war endlich vorbei. Der Leidensweg, den ich gegangen war, niemals gehen wollte. Endlich.


In dieser verzerrten Unendlichkeit umarmte mich eine Gestalt von hinten, sanfte Fragen in mein Ohr flüsternd. Es klingt komisch, aber in diesen Sekunden hörte ich nichts, ich fühlte nur ihre Worte auf meiner Hülle abprallen. Ich sah nichts mehr, doch ich wachte auf. Ihre Worte waren wie Hammerschläge die Glasscheiben einrammen. War meine Hülle schon so zerbrechlich geworden über all die Zeit? Alles bröckelte ab. Ich ließ mich fallen, spürte wie meine lebendigen Hände sich an ihren festklammerten. Ich schluchzte. Zuhause.


Ich riss die Augen auf, fühlte wie ich lebte. Der erste Atemzug seit langem. Die Luft durchdrang meine Lunge, fast zerfetzend durch die fast eingeschlafenen Flügel. Ich wollte leben. Das erste Mal in meinem…vom Leben abgekommenem Leben? Ich wollte es fühlen, spüren, jede Sekunde atmen, alles noch mal durchleben, was ich vorher nur abwesend kurz zur Kenntnis genommen hatte.


Mein Engel lachte so verstört als ich sie mit großen Augen anstarrte und bewunderte, dass es mich ansteckte. Ich lachte. Aus Leibeskräften und voller Glückseeligkeit. Das erste Mal, dass ich das Glück spürte als wenn man es greifen konnte. Ein Moment, der so vollkommen war. So neu. So unvorstellbar. Ich bemerkte, dass ich immer noch auf meiner Türschwelle kniete, halb lag. Ich stand auf. Sie ebenfalls und sie umarmte mich so kräftig das es meine neue schwache frisch geborene Seele fast zerdrückte.
„Was machst du bloß…ich hab dich so vermisst mein Liebstes“, flehte sie in mein Ohr und ich merkte, dass ich wirklich anders geworden war über die Zeit. Und das es Leute gab die immer noch auf mich gewartet haben.

0 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  •  

Das Magazin

Die nächste Ausgabe:
14. Mai 2012

NEON-Apps für iOS und Android

Neueste Artikel-Kommentare