Janschka 11.12.2014, 12:54 Uhr 0 0

Emma Lee das Leben zeigen

ein Buchausschnitt

Mackie konnte seinen Blick nicht von ihr abwenden. Wie sie da stand mit ihrem riesigen Bauch. Sie selbst meinte immer, sie sehe aus wie eine Tonne. Das fand er nicht. Ihre schlanken Beine hatte sie behalten. Der Rest wurde irgendwie einfach runder. Der Bauch zog aber auch deshalb alle Blicke auf sich, weil sich Emma bis heute strikt weigerte Umstandskleidung anzuziehen. Sie zog weiterhin ihre Klamotten aus dem Schrank und wenn die zu kurz waren, band sie einfach noch ein Tuch um den Bauch. „Um die Nieren zu schützen“ meinte sie dann. Zuhause war sie meistens nur mehr in BHs und Jeans anzutreffen. Alles andere sei einfach zu heiß und zu unpraktisch.

Am Anfang wollte sich Mackie ganz aus dieser Schwangerschaft heraushalten. Solle Markus sich doch um Emma´s Baby kümmern. Aber er hielt es nicht lange aus. Er konnte es nicht mitansehen, wenn Emma halb nackt durch die Wohnung rannte. Wenn sie trotz Schwangerschaft rauchte oder sich einen Joint anzündete. Sogar der Kaffee hatte ihn am Anfang krank gemacht. Dann stellte er den beiden ein Ultimatum. Zu Markus meinte er, er würde ihm die Freundschaft kündigen, wenn er sich nicht zumindest ein bisschen um Emma kümmerte. Und Emma sagte er, er würde nicht mehr mit ihr schlafen NIE WIEDER! Wenn sie sich nicht um das Baby kümmerte. Und mit seinem Ausbruch in ihrer Wohnung änderte sich dann alles. Markus überwies Lee regelmäßig Geld, rief jeden zweiten Tag an um zu fragen wie es ihr geht und lud Emma einmal in der Woche zum Essen ein. Und Emma hörte auf, Alkohol zu trinken und all ihr Gras verzockte sie in Mackie´s Bar.

Und jetzt stand sie da vor diesem riesigen, dunkelbraunen Schwemmholztisch und blickte drein, als wäre sie ihrer großen Liebe begegnet. „DER muss in unser Esszimmer!“, rief sie Mackie zu. Ich will diesen Tisch mit all den 6 Stühlen dazu, und den Sitzkissen. Die Verkäuferin lächelte entzückt. Ach, wann kommt denn ihr Baby? Sie schaute auch zu Markus rüber. Nicht, dass beim Möblieren die Fruchtblase platzt. Markus fiel auf, dass diese olle Verkäuferin, ein viel zu großes Lächeln hatte. Mein Baby kommt, wann es kommen will, meinte Emma und Mackie sagte ergänzend, in 3 Wochen hat sie Termin. Irgendwie hatte es der Verkäuferin die Sprache verschlagen. Und ich bin nicht der leibliche Vater, ich bin nur der Erzieher, weil sich der leibliche Vater, ein schwuler Mann, in die ganze Sache viel zu viel reinsteigern würde. Jetzt schaute die Verkäuferin noch verdutzter. Mackie packte Emma am Handgelenk. Für diesen Tisch, meine Liebe, müsstest du entweder 3 Monat lang in meiner Bar jobben oder über 10 Mal auf den Strich gehen, also vergiss es.  So schob er die Kugel aus dem Antiquitätengeschäft, warf der Dame ein entschuldigendes Lächeln zu und fragte sich zum hunderttausendsten Mal, warum gerade er die Aufgabe hatte, einer Emma Lee das Leben zu zeigen.

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