Wie_ein_Schimmer 06.03.2008, 13:06 Uhr 2 4

Eine seltsame Sache -

ist die Trauer.

"Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust,
wird es Dir sein, als lachten alle Sterne,
weil ich auf einem von ihnen wohne,
weil ich auf einem von ihnen lache.
Du allein wirst Sterne haben,
die lachen können!"
Und er lachte wieder.

(Antoine de Saint-Exupéry)


Mein Sternchen,


Das mit der Trauer ist eine seltsame Sache.
Die Trauer um ein gutes Gefühl,
die Trauer um einen Freund,
die Trauer um eine Liebe.

Jedesmal ist sie anders -
wo ich vor zwei Jahren wütete und nächtelang den Tränen erlag, so habe ich deinen Tod stillschweigend ertragen.
Zwei Monate ist es her, und die Nachricht ist entweder noch nicht in meinem Gehirn angekommen, oder ich verarbeite es so: still, schwermütig, ablenkend.
Ich tröste mich mit dem Leben. Mit dem, was um mich schimmert und wabert.

Mir geht es gut – ich arbeite viel, schaffe Kunst wo es nur geht, beschäftige meine Fingerspitzen und meinen Kopf.
Manchmal bin ich lächerlich faul, und bekomme mich nur schwer an die frische Luft. Bin ätzend zu anderen Menschen, und viel zu egoistisch wenn es um mein Seelenheil geht.

So ist das nunmal – doch was mich wirklich irritiert ist, das ich nur einen Bruchteil der Tränen verbraucht habe, die ich vor zwei Jahren bei unserem Freund verloren und in der Zwischenzeit angesammelt habe. Obwohl dir mindestens das doppelte gehört hätte, Sternchen.
Wo sind sie hin?
Wo ist das Gefühl, das mich innerlich zerriss?
Ist es ausgezogen?
Empfänger unbekannt verzogen.


Das mit der Trauer ist eine seltsame Sache.

Sie macht uns stark, und erklärt mir, wie kurz das Leben ist.
Die Trauer, diese seltsame Sache, sagt mir, dass ich durch mein Leben leben muss, schreien darf, werfen darf, lieben, lachen, heulen, wüten, fordern darf – und nicht nur auf Zehenspitzen gehend.
Sie erklärt mir, ich solle meine Kraft nicht für Menschen aufbrauchen, die mich in irgendeiner Weise aufsaugen – sie sagt, ich solle poltern und toben, mir nehmen, was mir gut tut. Menschen, die mir gefallen, anspringen und niederwerfen.
Leben.




Die Trauer, das ist eine seltsame Sache.
Und das Leben danach ist eine seltsame Aufgabe, wenn aus Menschen Sternchen werden, die irgendwann verschwinden.

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Kommentare

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    wunderwunderschön.

    29.04.2008, 20:11 von miralii
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