Drehscheibe 09.10.2014, 20:27 Uhr 0 3

E wie Egoist steht vor F wie Freundschaft

Und glaube nicht, g– wie gemeinsam überdauert die Zeit. So wie ich es tat.

Volle Straßen, leere Köpfe. So viel Regen wie Leid. Hohe Ziele, wenig Energie. Schmerz und Kummer, alles kein Problem, ich hab‘ ja eure Nummer. Ich fühlte mich wie Hulk, stark und unbesiegbar. Das Leben kann mir nichts antun, denn meine Superhelden stehen hinter mir. So war der Plan. Gebastelt für ein langes Leben, die Vorstellungskraft reichte aus und das Gefühl war überzeugend. Denn ich habe immer gegeben und wer gibt, der bekommt zurück, nicht wahr? So fühlte es sich jedenfalls an. 

Ich gab und auch ihr habt gegeben. Ein tolles Konzept und irgendwie so problemlos. Manchmal war es schwer zu geben. Aber alle Kraft, die ich hatte, investierte ich in euch. Denn irgendwann, das wusste ich genau, geht es auch mir mal schlecht und dann seid ihr alle da, denn ihr seid meine Freunde. In Beziehungen zu investieren ist nicht so überzeugend, hier ist die Welt ungerecht und voller Mienen, die man nicht rechtzeitig sieht. Es schön, sie zu haben, aber euch zu haben, war mir immer mehr wert. Auf der Lebensautobahn stand ich auf jedem Rastplatz, um euch aufzufangen und euch Kraft zu geben, weiter zu fahren. Dafür bin ich durch so manches Schlagloch geflogen. In gutem Gewissen, dass ich euch irgendwann auch auf einem Rastplatz finde. Jahrelang hat das funktioniert, ich habe immer balanciert, die Waage gehalten zwischen Freundschaft und Beziehung. Jeder von euch hat mir  geschworen, dass er niemals so wird wie die Anderen, die plötzlich alles in ihre Beziehung investieren. Manchmal fiel es mir schwer in beides gleich viel zu investieren, aber ich gab mir Mühe und wenn, dann musste die Beziehung leiden. Ihr kanntet das Problem nicht und so wollte ich mit gutem Beispiel voran gehen. Und jetzt gehe ich alleine.

Der Wind wurde rauer und die Probleme größer. Das Gefühl unfehlbar zu sein ist weg. Ihr seid weg. In kurzer Zeit - alle auf einmal. Was wir uns noch vor einem Jahr schworen ist plötzlich nicht mehr wichtig. Denn ihr habt in die Beziehung investiert und ich stehe alleine auf meinem Rastplatz, gebeutelt von allen Schlaglöchern, durch die ich geflogen bin. Ab und zu schreibt ihr, vielleicht um das Gewissen zu beruhigen. Ihr schreibt, wenn euer neues zweites Ich aufs Klo geht. Denn schon 2 Minuten später seid ihr wieder für Stunden nicht erreichbar. Rechtfertigt euch mit Lügen, die nicht ihren Zweck erfüllen, sondern mir noch mehr Schmerz zufügen. Meine Investition zahlt sich nicht aus, ich muss alleine aus meinem Schlagloch kriechen.  Noch immer schallen die Worte in meinem Ohr, ihr würdet mich niemals vernachlässigen, ich würde es ja auch schaffen. Ich habe es geschafft und hatte dabei ein schlechtes Gewissen beim Glücklich sein. Jetzt bin ich es nicht mehr. Hallo? Wo seid ihr? Ich muss feststellen, dass nur ich mein Glück hinter eures gestellt habe. Plötzlich habt ihr alle bodenständigere Ziele, alle Pläne von früher ausgelöscht, in beziehungsfreundliche umgewandelt. Und nur ich will noch auf den Mond. Ich wünsche euch von dort alles Gute, aber erwartet nicht, dass ich euch jemals wieder aus einem Schlagloch ziehe. Denn neben E – wie Egoist steht auch E – wie Enttäuschung. 

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