"Du hättest 'Nein' sagen können..?!"
Ich wusste nichtmal, dass 'Nein' eine Option ist.
Ich weiß nicht wirklich, ob das hier das ist, was ich möchte. Ich bin nicht sicher, ob ich hier mit dir sitzen möchte und dich anschauen möchte, dich anmotzen möchte.
Du hast dieses Treffen vorgeschlagen. Als ich dich nach deinem Vorsatz, nach dem Grund dafür frage, zuckst du die Schultern. Es ist ein kleiner Schock für mich, dass mir diese Geste immer noch verdammt vertraut ist. Nur sind es keine nostalgischen Gefühle, die in mir aufkommen. Es ist ein Rest abgestandener Wut, die letzten Reste Enttäuschung, die sich in mein Herz hochkämpfen und mir den Magen umdrehen. Instinktive Abwehr macht sich breit.
Ich weiß genau, dass dein Charme da trifft, wo er treffen soll. Du lächelst. Ein Lächeln, dass ich immer umwerfend fand. Heute bin ich nicht sicher, was genau du damit in mir auslöst. Ich sitze einfach da und frage mich, ob wir nach 5 Monaten Schweigen wirklich schon wieder soweit sind, ein vernünftiges und besonders freundliches Gespräch zu führen. Wir bemühen uns beide, ich merke das. Aber irgendwann lassen wir beide die Höflichkeit etwas außer Acht. Wir motzen und meckern und nehmen uns nicht ernst, schon gar nicht das, was wir sagen.
Ironie. Das war immer so eine Sache bei uns. Du sagst irgendwann, dass man nie merkt, ob ich etwas ernst meine oder nicht. Ich möchte den Kopf schütteln, aber ich weiß, dass du Recht hast. Es ist Absicht, weil ich nicht will, dass du hinter meine Fassade schaust. Ich bin aufgewühlt und unruhig. Ich rauche, um die Nervosität zu bekämpfen. Nicht sicher, was ich von dir halten soll, was ich hiervon halten soll und ob ich es gut finde, gehe ich neben dir her.
Unbewusst versuche ich mich jeder zufälligen Berührung zu entziehen. Ich werde rot, als es dir auffällt.
Wenn man einen Menschen geliebt hat und man im Streit auseinander geht, wie verhält man sich da? Glatt jedenfalls läuft es nicht. Ich sage, dass es vorbelastet ist. Du lachst und ich frage mich, ob du mich auslachst. Es ist nicht einfach, die vergangenen Monate außer Acht zu lassen. Mir fällt es schwer, dir in die Augen zu sehen ohne daran zu denken, dass du mich irgendwann sehr verletzt hast. Dass ich so wütend auf dich war, dass ich geplant hatte nie wieder ein Wort mit dir zu wechseln. Es fällt enorm schwer.
Ich kann nicht schlafen... Meine Gedanken kreisen um die existentiellen Fragen: Will ich dich wieder in mein Leben lassen? Will ich dir wirklich wieder einen Stuhl anbieten, auf die Gefahr hin mein sauber aufgeräumtes Chaos noch ein wenig mehr zu verwüsten? Ich bin nicht sicher. Ich habe diesen Spruch im Kopf, dass zweite Chancen sind als würde man ein Buch ein zweites Mal lesen: Wie es ausgeht, weiß man schon.
In Gedanken sagt meine Oma: "Menschen, die einmal sehr wichtig waren für dich wirst du nie ganz loslassen können. So ist das einfach mit der Liebe, sie wird weniger, aber verschwinden tut sie niemals ganz."
Kann ich 'Nein' dazu sagen? Kann ich 'Nein' zu dir sagen? Oder bist du es wert, einen neuen Versuch in Richtung Freundschaft oder was auch immer zu starten?
Wenn ich es so überlege..wusste ich nichtmal, dass 'Nein' eine Option ist.
Tags: Neustart, Versuch, Frage






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