settheworldonfire 23.03.2014, 16:38 Uhr 1 2

Die Schublade der Katzenfrauen

Du hast es verdient, etwas Wertvolles zu sein - für mich wirst du es immer bleiben.

Ich wollte mich nicht in die Schublade der einsamen, verschrobenen Katzenfrauen stecken lassen. Die sich aufgrund ihrer soziophoben Art Freunde suchen, die nicht werten, urteilen oder kritisieren.
Ich war nicht so. Kein Stück. Und doch ertappte ich mich dabei, meine Katze als einen besonders nahen Freund zu betrachten.
 
Wir zwei hatten schon ein besonderes Verhältnis. Ich wollte damals keine Katze, hatte meiner Mitbewohnerin angedroht, sie ins Tierheim zu bringen, wenn sie eigenmächtig entscheidet. Eines Nachts kam ich nach Hause und sah dich auf dem Bauch meiner Freundin liegen. Du hast mich verängstigt mit deinen Knopfaugen angeschaut, nichts ahnend ob dir die Welt gut oder schlecht gesinnt war. Ein kleines Miauen erklang aus deiner Richtung. Ich spürte eine plötzliche Verbindung, die ich mir bis heute nicht erklären kann. Ich hab dich sofort tief in mein Herz geschlossen.

Du wurdest in der Nähe eines heruntergekommenen Wohnhauses gefunden. Winzig klein, zerzaust und verlaust. Die Bewohner waren längst ausgezogen und du auf dich selbst gestellt.

Jetzt hattest du ein neues zu Hause.
Komme ich von der Arbeit sehe ich dich schon von weitem auf mich zu rennen. Du klopfst mir mit deinen Vorderpfoten ans Bein, ich deute das als Begrüssung und du läufst bis nach Hause an meiner Seite.

Als dich ein Auto anfuhr, liess man dich einfach liegen. Der Tierarzt meinte, du hättest bestimmt fünf Stunden in der Kälte dieser grausamen Winternacht gelegen. Schädel- und Kieferbruch, vorübergehende Blindheit - ich wurde telefonisch informiert und weinte. Der Tierarzt wollte eine Entscheidung. Ich brauchte doch etwas Zeit.

Kaum hörtest du in der Tierarztpraxis meine Stimme hörte ich deine heiseren Miauer. Du lagst da, so zerbrechlich, so zerstört. Ich wollte nicht, dass du leiden musst. Aber ich wollte dich schon gar nicht aufgeben. Ich entschied mich für dich, für dein Leben.

Meine Freunde rieten mir, dich einzuschläfern, nicht leiden zu lassen. Das Mitgefühl hielt sich in Grenzen. Ich wollte Tiere nicht vermenschlichen, aber du warst mehr für mich als irgendein Tier. Und sind Menschen wirklich wertvoller als ein Tier? Macht nicht erst die Liebe etwas wertvoll?

Ich besuchte dich jeden Tag beim Tierarzt und du musstest vieles über dich ergehen lassen. Am 11. Tag dann konnten wir dich nach Hause holen. Du hast dich gut geschlagen, dich gut erholt. Du hast es verdient, etwas Wertvolles zu sein - für mich wirst du es immer bleiben. 

Ich habe viele Freunde und bin oft unterwegs. Ich erzähle nicht dauernd von meiner Katze oder zeige Bilder herum. Und doch würde ich jeden, der ihm etwas antut in tausend Stück reissen.
So geht sie mit mir zu die Schublade der Katzenfrauen.


Tags: katze, tierliebe, Unfall
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Kommentare

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    Ich mach sie noch mal auf und hüpf mit rein, in die Schublade der Katzenfrauen!

    Schön, lieblich geschrieben.

    23.03.2014, 16:58 von Tora
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