Der Trend geht zur Hochzeit.
Zumindest habe ich im Moment dieses Gefühl. Ich hasse Hochzeiten.
Ja, Hochzeiten sind romantisch, ein Heiratsantrag eine schöne Geste. Ein riesen Fest, die ganze Familie. Die Braut strahlt über das ganze Gesicht in ihrem blütenweißen Kleid.
Sie lächeln sich an, tanzen miteinander. Der Brautstrauß wird geworfen. Ich gehe demonstrativ zur Seite. Nicht, dass ich abergläubisch wäre, aber ich will mir nicht anhören müssen, dass ich die Nächste sei.
In meinen Ohren klingt das eher wie eine Drohung als wie ein Glückwunsch.
Und ich stehe neben der Braut, versuche zu lächeln, es ist ihr Tag.
Der Tag, der ihr seit Monaten so wichtig ist. Der Tag, der seit langem geplant, heute einfach perfekt werden muss. Ich stehe also neben ihr und lächele und mir wird schlecht. Ich gehe an die Theke, besorge mir ein Bier. Stelle mich mit meiner Zigarette vor die Tür. Mein wunderschönes rotes Kleid inzwischen schon etwas knitterig. Ich wollte es eh nie anziehen, weder dieses Kleid noch diese Rolle. Ich tue es nur ihr zu Liebe, weil es ihr so wichtig war, dass ich ihre Trauzeugin bin. Immerhin sind wir seit Jahren befreundet, haben vieles durchgestanden, zusammengelebt, gemeinsam gelacht, einander getröstet.
Nur ihre Beziehungen haben mich immer schon gestört. Nicht, dass sie viele hatte. Aber wenn dann, gab es auch nichts anderes mehr. Nichts anderes als ihn, sein Leben. Dann war sie auf einmal so furchtbar mütterlich, so absolut, so verändert. Ihre Beziehungen hielten nie lange.
Bis er kam. Ein netter Kerl, ja. In meinen Augen aber ein Muttersöhnchen, verwöhnt, ein bisschen zu selbstsicher und gleichzeitig ein bisschen zu weich.
Ich habe ihr immer gewünscht, dass sie glücklich wird. Als sie mir nach drei Monaten aber sagt, dass er die große Liebe sei, wird mir ganz anders. Nach sechs Monaten dann die Verkündung der Hochzeit.
Ich reagiere nicht nett, aber ehrlich. Ich finde diese Idee absurd. Sie ist grade 22 geworden, sie hat doch noch viel Zeit.
Und trotzdem lasse ich mich in eine Rolle pressen, weil ich sie nicht noch mehr verletzen will. So stehe ich also in meinem roten Kleid vor der Tür, trinke zügig mein Bier. Ab jetzt wird alles anders, da bin ich sicher. Noch viel mehr als vor dem heutigen Tag. Ab heute ist sie für immer und ewig seine Frau. Oder zumindest bis zur Scheidung. Ob sie mit 30 eine geschiedene Frau mit zwei Kindern sein wird? Oder doch eine glückliche Hausfrau? Egal wie, zusammenpassen werden wir dann wohl nicht mehr. Wir entfernen uns voneinander. Ich gebe der Hochzeit die Schuld und ihr und ihm.
Wahrscheinlicher ist, dass wir einfach zu unterschiedlich sind- sie und ich.
Ich hasse Hochzeiten, die Hausfrauen-Idee und Abhängigkeit und ich kann mir auch nichts über all diese Themen anhören. Die ganzen blöden Sprüche, das oberflächliche Gerede. Wo Hausfrau sein mit 23 auf einmal zur Lebenswirklichkeit und zur Erfüllung werden soll. Und das Studium zwar schön war, aber doch nicht so wichtig. Und Windelgeruch plötzlich ein toller Duft.
Ich hasse Hochzeiten. Und am meisten hasse ich, dass diese Erscheinung zum Trend zu werden scheint. Schon nächsten Monat klingeln wieder die Kirchenglocken und ich werde wieder vor der Kirche stehen, mit meiner Kippe in der Hand und mich fragen, warum.





Kommentare
@[Benutzer gelöscht] Danke für deinen Kommentar,,,
17.11.2008, 22:38 von To_be_crazyIch kann dich schon verstehen.
Aber das ist so eine Art Beschützerinstinkt- ich will sie doch nur beschützen. Sie und unsere Freundschaft.
Und vielleicht ist es auch ein bisschen Neid.
Trotzdem denke ich- 6 Monate... naja... ich find´s sinnlos.
Und ich habe ja mitgemacht. Auch, wenn nicht gerne. Warum sollte ich auch? Ich verliere sie und muss/werde trotzdem da sein, wenn sie hinfällt.
So ein Arsch bin ich dann doch nicht ;-)
krass! wer heiratet denn heutzutage schon mit 22?
04.11.2008, 16:04 von grinchydas ist ja grauenvoll.
abgesehen davon das ich hochzeiten ebenfalls hasse und die idee einer ehe nicht verstehe:
meine mutter und alle meine freunde würden mich für verrückt erklären und fest binden oder weg sperren.
mich vor mir selbst schützen.
@grinchy Tja... wenn es nur so einfach wäre.
07.11.2008, 23:00 von To_be_crazyAber die Menschen sind erwachsen, müssen ihre Entscheidungen selber treffen und dabei ist leider ziemlich unerheblich, was ich darüber denke...
Ich kann niemanden zwingen so zu entscheiden, wie ich es für richtig halte. Nur meine Meinung sagen und hoffen, dass alles gut wird...