sharkai_elayd 26.04.2012, 23:25 Uhr 1 1

Der traurige Clown

''Wenigstens hab ich dich noch!'' sagt er, ich nehme ihn in den Arm und weiß, warum ich den Clown nicht mochte. Er ist ihr Clown und ich bin seiner.

Die Couch auf der ich sitze

ist grau, ausgewaschen, nicht schmuddelig, aber man sieht, das alltägliche Leben hat sie nicht außen vor gelassen.

An die Wand gerückt ist sie, steht in der Mitte.
Gegenüber das Bild von dem Clown, dass ich schon so lange anstarre.
Natürlich, wie sollte es anders sein, es hängt auf Augenhöhe.
Diese exakte Höhe sorgt praktisch dafür, dass mich das bunt bemalte Wesen anstarren kann, mir in die Augen sieht und erkennt, 
was ich so krampfhaft verschleiern will. 

Unruhig rutsche ich auf der Couch hin und her, aber ich stehe nicht auf, weil ich ja warte und dabei fühle ich mich ganz schrecklich erstarrt.
Soll ich von dir erzählen, Clown?

Der Clown hat blaues, gelocktes Haar, auf dieser Wolle thront ein viel zu kleiner Hut. Gemalt ist er mit Öl auf Leinwand, er trägt ein kariertes Hemd und Hosenträger und eine Ansteckblume. Es ist ein Portrait, er schaut schräg über die Schulter, als wäre er irgendjemand wichtiges, jemand erhabenes, ganz fehl am Platz wirkt diese Haltung. Dann fällt mir ein, irgendwie ist er ja wichtig. Zumindest für ein krankes Kind dass den ganzen Tag nichts anderes als triste Klinikwände sieht ist er das. Aber nur, wenn er ihm Freunde bereiten kann. Dieser hier, sieht jedenfalls nicht so aus. Die rote Kullernase glänzt, bemalt wie jeder andere ist er auch, aber er guckt so traurig und gebrochen, dass man glaubt, man müsse ihn aufmuntern.
Oder, man legt es sich aus wie ich es gerade tue und unterstelle ihm einen vorwurfsvollen, durchdringenden Blick.

Während ich weiter stur gerade aus das Bild mustere, lege ich den Kopf schief. Clown, du passt nicht hier rein! Alles an dir passt nicht, so guckt man nicht, wenn man Clown ist, halte ich ihm in Gedanken vor.

Hört man nicht oft vom traurigen Clown? Vom Joker? Oder von Menschen, die Angst vor Clowns haben? Jetzt kommst du mir sogar abgedroschen vor, mit deinem Blick, dummer Clown.

All das denke ich, während ich hier sitze, auf der alten Couch und warte. Und ich denke auch, ich muss verrückt sein, so etwas in meinem Kopf zu haben. Erst fühle ich mich wie festgeklebt, aber als ich aufstehe, das Bild abhänge und den Namen lese, bin ich froh, nachgesehen zu haben. 
Ein weiterer Grund zu warten. Von nahem, so in den Händen, finde ich den Clown noch gruseliger.

Na, Clown? Dich braucht eigentlich niemand. Wer will schon einen traurigen Clown? Du schaust nicht, wie ein Clown schauen muss. 

Ich höre die Tür, du bist es, du bist zurück, das Warten hatte einen Sinn, denn du hast es beendet.
Ich stelle das Bild auf den Boden, gelehnt an die Wand und husche zurück in meiner engen Jeans, in der ich mir immer einbilde, gut auszusehen. Zurück auf die Couch. Du kommst rein, aus dem Flur, 
trittst mir entgegen, schweigst. Dein Blick sagt mir, dass es nicht funktioniert hat. Sie will dich nicht, und ich hab schon lange aufgehört, mir zu wünschen, du wölltest mich. 

Ich sage: ''Hast du mit ihr geredet?''
Und du: ''Ja.''
''Nichts?''
''Nein, nichts. Sie hat einen anderen, das ist alles.''
''Dann lass sie Vergangenheit sein! Das macht dich nur kaputt!''
''Das bin ich schon. Lächerlich gemacht hab ich mich auch!''
''Warum?''
''Sie hat mir ein Bild gemalt!'' 
''Den Clown? Warum malt sie dir so einen dermaßen hässlichen Clown?''
''Sie wollte mir zeigen, wer ich bin.''

Mit diesem Satz drehst du dich weg von mir, siehst zum Bild, oder zumindest auf die Rückseite, die zu uns zeigend an der Wand lehnt. 

''Danke dass du es abgehängt hast, warum auch immer.''
Alles was ich antworte ist, dass es nichts mit ihm zu tun hat, dabei weiß ich, dass es so nicht stimmt. Er war ihr Clown, das hat er allein damit bewiesen, dass er es für sie aufgehängt hat. Ich nehme das Bild und breche es am Rahmen auseinander und kicke es in eine Ecke. Ich will nicht dass es dir schlecht geht, das wollte ich nie. 

''Wenigstens hab ich dich noch!'' sagt er,  ich nehme ihn in den Arm und weiß, warum ich den Clown nicht mochte. Er ist ihr Clown und ich bin seiner. 

So einfach ist das und so schwierig für mein Herz. 




Tags: Clown, Liebeskummer
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1 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Schöne Idee mit dem Clown. Ich wünschte, sie wöllte sich einen neuen Zirkus suchen ;-)

    27.04.2012, 07:56 von Mrs.McH
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  • Haben wir sie noch alle?

    Burn-Out, Internetsucht, Depression - immer mehr Deutsche lassen sich therapieren. Braucht es all diese Therapien wirklich?

  • Apokalypse Wow!

    Die Mode ist die Message: Die pro-russischen Kämpfer in der Ukraine sehen mit Macheten, Masken usw. aus wie Figuren aus den »Mad Max«-Filmen.

  • Der Witz geht nicht mehr weg!

    Jeder kennt den Moment, in dem der Send-Balken hochgeht und man noch denkt: Stop! Was würdet Ihr gern aus dem Netz löschen?

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