Marc_Schuermann 13.11.2008, 10:18 Uhr 10 5
NEON täglich

Der Kumpelmoment

Ab wann ist ein Freund ein Freund?

Im Fall von Jens war es ein banales Erlebnis: Unser gemeinsamer Freund, der uns vor wenigen Stunden miteinander bekannt gemacht hatte, klinkte sich aus, ich fragte mich laut, ob man nicht noch einen Videoabend dranhängen solle, Jens kam mit zu mir, wir schauten „Braindead“, und Jens fand ihn gut, was nicht allzu viele tun.

Bei Thorsten war es so, dass wir uns in einem Jungsurlaub schwer verkracht hatten, danach sprachen wir wochenlang nicht miteinander, und begegneten wir einander zufällig, wir drehten demonstrativ den Kopf zur Seite. Ebensowenig wie ich heute noch weiß, woran wir uns zerstritten hatten, kann ich sagen, wie es zur Versöhnung kam. Aber es kam zu ihr, und das – nicht die harmonischen Jahre vor dem Streit – ist der Zeitpunkt, ab dem wir echte Freunde waren.

Ab wann ist ein Freund ein Freund? Meine Antworten darauf erweisen sich als unfair: Der eine braucht nur einen verstiegenen Filmgeschmack oder ein Lachen an der richtigen Stelle, der andere muss sich einschneidend bewähren; wieder andere sind, da geben sie dem Sprichwort recht, erst in der Not als wahre Freunde erkennbar. Doch dann haben sie die Schwelle vom Bekannten zum Freund ein für allemal überschritten: Selbst wenn der Kontakt versiegt, wird es immer Freundschaft bleiben.

Nun frage ich euch: Ab wann ist ein Freund ein Freund?

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10 Antworten

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    Hm. Am Anfang war es ein gemeinsames Interesse. Daraus wurden dann zwei, daraus drei. Dann kam das große herumgeblödele, und die vorsichtigen "an der Grenze kratzen" Versuche (wie weit darf ich gehen? Ab wann wird er sauer?). Viele Zeit später ist er einfach ein fester Bestandteil meines Lebens geworden. Immer da, im Hintergrund, lässt mehr oder weniger freiwillig alle Ausbrüche meinerseits über sich ergehen, fragt "Wie geht's dir?" und will eine ernsthafte Antwort hören. Gegenseitig knacken wir unsere Wehwechen, und freuen uns auf uns, wenn wir einen schlechten Tag hatten.

    Wo andere Freundschaften sich recht schnell in "Wochenendkumpels" verwandelt haben, ist dies die einzige Freundschaft, die, irgendwie, über die Jahre hinweg, sich sehr tief und fest verankert hat :) Woran es liegt?

    Vielleicht an dem ehrlichem Bedürfnis diesen einen Menschen zu finden, dem man ohne Gefahr von Verlusten alles anvertrauen kann. Das, was ein Beziehungspartner einem nicht geben kann. Die Person, welche die Geheimnisse und Gedanken sicher verwahrt.

    Und nach ausgiebigem, langem antesten, beschnuppern, ausprobieren, mit allem was dazu gehört, stellten wir fest dass es passt wie ying und yang. Eine quasi Bilderbuchreife Freundschaft ^^

    13.11.2008, 17:13 von LeyluraLegbreaker
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    Es gibt wohl wenige Dinge, die so subjektiv empfunden werden, wie das individuelle Band einer Beziehung zwischen zwei Leuten.
    Manche rühmen in ihren Lebensanekdoten jeden flüchtigen Honk und Pappkameraden als " einen Freund", ( gerne auch so tituliert, wenn sie mal mit einem Promi ein paar Smalltalkworte gewechselt haben) und wieder anderen wird ein Kumpel erst dann zum Freund, wenn sie zusammen nicht nur viel Vergnügliches erlebt, sondern Schweres durchgestanden haben.

    13.11.2008, 14:55 von schauby
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    Man weiß es wohl rückwirkend, wenn man sagen kann, da kommt jetzt nichts mehr zwischen uns.
    Wir zicken uns gelegentlich an, haben manchmal wochen- oder sogar monatelang keinen Kontakt und sind nicht immer höflich miteinander.
    Aber das Urvertrauen ist da und da muss man auch nicht viel drüber reden.
    Die wirklich wichtigen Punkte bringt jeder sofort auf den Tisch. Es bedarf keiner Vorrede und die Anworten sind für den Moment richtig und hilfreich.

    Urvertrauen - das Bewusstsein, dass da irgendwo genau dieser jemand für mich da ist, wenn's hart wird. Und ich einfach nicht mehr in die (liebenswerten) Schubladen aller anderen passe.

    13.11.2008, 14:00 von qwe
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    hm...manche begegnungen hinterlassen einschneidende erinnerungen - einen bestimmten menschen möchte man gern wiedersehen.
    ein freund ist nicht gleich ein freund, weil man sagt, wir sind jetzt freunde, meines erachtens. eine freundschaft entwickelt sich, wie sich eben auch eine beziehung entwickelt. freundschaften wachsen, entwickeln sich entweder weiter, oder stagnieren.
    ich glaube, das macht auch das gefühl zu einem menschen aus, das vertrauen, das man ihm schenken kann. ein konglomerat aus mehreren komponenten.

    13.11.2008, 11:48 von marco_frohberger
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    bei meiner besten freundin gab es einen bestimmten abend.
    wir kannten uns schon einige jahre aus der schule, hatten dann lange keinen kontakt und uns schließlich zufällig mal auf der straße getroffen. obligatorisches nummerntauschen und versicherungen "man sollte sich mal wieder treffen".
    aus irgendeinem grund haben wir´s tatsächlich geschafft und uns an dem abend derartig amüsiert und verstanden, dass es keinen zweifel mehr gab: wir waren freundinnen.

    bei einer anderen sehr guten freundin, die ich im internet kennengelernt hatte, gab es ein erstes treffen, bei dem wir uns prima verstanden hatten. (unsere kinder damals leider noch nicht. heute ist die heirat längst unterschrieben.) an ein zweites treffen können wir uns schon nicht mehr erinnern, denn ab da war "alles wie immer". hatten sofort das gefühl uns schon ewig zu kennen.

    auch zwei weitere freundinnen kenne ich aus dem netz: bei beiden hat´s einfach "gefunkt" beim ersten treffen, nachdem wir uns schon schriftlich sympathisch waren.

    ich bin sowieso der meinung, dass freundschaft schließen ganz ähnlich verläuft wie sich verlieben.
    und meine erfahrung hat gezeigt, dass es bei mir schon beim ersten treffen funkt. deshalb werde ich skeptisch, wenn das nicht der fall ist...

    13.11.2008, 11:08 von JollyMacKay
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