Der Bär ist tot.
Die Prinzessin und der Bär waren Verbündete. Immer wenn es drauf ankam.
Die Engel haben auf kleinen Flöten zu deinem Abschied gespielt. Niemand konnte sie hören, außer dir. Ich hoffe du hast gut zugehört. Ich habe ihnen nämlich eine kleine Naricht für dich mitgegeben.
Lieber brauner Bär,
ich weiß du magst das gar nicht, wenn ich dich so nenne, aber ich lache gerne über dein braunes, großes und flauschiges Kindergartenkostüm. Du hast an Karneval neben mir gesessen, als die Bonbons aus der Decke geschossen sind und wir die ersten waren, die die Hände voll hatten. Wir haben gerne geteilt und getauscht. Die Prinzessin und der Bär waren Verbündete. Immer wenn es drauf ankam.
Vor ein paar Monaten passten nicht mal mehr deine Beine in das Kostüm. Ich habe auf deiner neuen, weißen Couch gesessen. Mensch Bär, was fand ich die hässlich. Ich muss jetzt ein bisschen schmunzeln, weil ich mir vorstelle, wie du bei diesen Worten deine großen Augen machst und wild mit den Händen fuchtelst. Das hast du immer getan, wenn du überrascht warst. Das waren meistens die Augenblicke, die man nicht vergisst. Die Puzzelteile, die zusammengesetzt , ein ganzes Leben ergeben. Ein Leben, in dem du die Hauptrolle spielst. Ich glaube, jetzt musst du weinen, mein Bär. Vor Freude, weil ich dich doch nicht vergesse, nur weil du da oben bist.
Geweint hast du das erste Mal, als mein Meerschweinchen gestorben ist. Als der kleine, goldene Pelz aufgehört hat zu atmen, hättest du das auch fast getan. Danach haben wir uns in Decken gewickelt, Tee getrunken und über den Tot gesprochen. Wir wussten nie, wie bald er auch vor unserer Tür stehen würde.
Gelacht hast du am liebsten über dich selbst. Und alle anderen auch. Du hattest aber auch eine verdammt coole Art, lustig zu sein. Kurz nach dem Funkeln in deinen Augen, kam der Spruch der die Menge zum johlen brachte. Ich habe das so geliebt. Du hast mich so oft vor der Traurigkeit bewahrt. Wie eine Schützhülle vor besonders tränenreichen Tagen. Und ich hatte keine Chance mehr, das gut zu machen. Du würdest jetzt sagen, das musste ich auch nie. Aber du weißt doch wie ich bin. Das wusstest du immer. In meine Seele bist du hinein maschiert und hast sie nie wieder verlassen.
Ich weiß gar nicht, was ich dir noch alles sagen möchte. Ich würde gerne mein Herz ausschütten und alles in diesen einen, letzten Brief packen. Ich würde dir gerne hier sagen, dass ich stark bin und nicht weine. Aber du hast die Wahrheit verdient und dazu zählt auch, dass du weißt, dass ich jeden Tag weine seitdem du fort bist. Und das die Kraft fehlt aufzustehen. Ich glaube, dass dauert noch ein paar Wochen.
Die anderen vermissen dich so fürchterlich.
Ann hört jeden Tag deinen Song. Weißt du noch?
"Remember me, when every noses start to bleed..."
Max kann seine Gefühle nicht so zeigen, du weißt ja wie er ist. Aber ich habe benutzte Taschentücher unter seinem Bett gefunden. Ich glaube, er hält es kaum aus ohne seinen besten Freund.
Mia und Luke basteln große Collagen für uns alle. So eine Art Manifest an die große Zeit. Du kannst dich ja sicher daran erinnern, wie kreativ sie sind.
Deine Mama hat jedem von uns ein Kleidungsstück von dir geschenkt. Basti hat deinen Elchpollover bekommen, den er immer so furchtbar fand. Jetzt zieht er ihn seit Tagen nicht mehr aus. Deiner Mama geht es übrigens gut. Wir kümmern uns um sie. Sie muss nie einsam sein. Ich weiß ja, dass du davor Angst hattest.
Ach und bevor ich es vergesse. Die weiße Couch! Die steht jetzt in meinem Zimmer. Eigentlich passt sie ganz gut zu dem Rest. Und ein bisschen riecht sie noch nach dir.
Wir vergessen dich nie. Das haben wir uns, im Kreis sitzend geschworen. Dein Bild stand in der Mitte und die Gläser haben wir für dich erhoben. Für meinen braunen Bären!
Pass von da oben ein bisschen auf uns auf!
Besonders auf Mimi, die wird nämlich Mama. Und jetzt mach den Mund wieder zu, es zieht.
Deine, dich immer liebende Prinzessin.





Kommentare
ich glaub, ich les den text jetzt schon zum 10. mal.
01.03.2011, 15:38 von notforsaleherz.
ich hab geweint.
22.07.2010, 22:49 von pflaumenschmausfesselnd.
15.02.2010, 20:29 von Henriette.was schönes trauriges für die nacht...
einzigartig und ergreifend. Schwer, nicht zu weinen. Er weiss es sicher zu schaetzen.
20.01.2010, 16:30 von Kitty_KaddiFurchbar kitschig, aber irgendwie berührt es doch. Habs gern gelesen.
20.01.2010, 06:17 von Taneawow!
19.01.2010, 21:54 von Caro.endlos traurig& doch das schönste, was ich seit langem gelesen habe.