parapluie. 06.02.2012, 14:18 Uhr 0 1

Couch und Keller

Ich stelle die halbleere Bierflasche wieder auf den dreckigen Boden

und rutsche auf der alten Ledercouch ein Stück nach hinten, um ihn besser ansehen zu können.

Irgendwie sieht er traurig aus. Nicht nur nachdenklich, wie sonst, sondern traurig. Aber ich frage nicht nach, manchmal ist Anwesenheit einfacher, als Worte.

Er löst seinen Blick von der Wand gegenüber und wechselt die Musik. Seine Lieblingsband, die ich sonst viel zu selten höre, weil sie nur zu genau dieser Situation passt.

Er lehnt sich zurück, schließt die Augen und tippt ein paarmal auf den Flaschenhals. Er ist müde, das sehe ich. Aber wir wollen beide nicht nach Hause. Ich weiß, dass er darüber nachdenkt, was er falsch gemacht hat.

Ich blicke in dem stickigen Raum umher, mit dem das alles angefangen hatte. Hier hat sich nichts verändert. Nur das zwischen uns hat sich verändert. Oder?

Während ich kurz in Gedanken versunken war, hat er zwei Zigaretten gedreht, hält mir eine davon hin und schaut mir sehr tief in die Augen. Ich nehme die Zigarette und muss lächeln. Er zündet wie immer erst meine und dann seine eigene mit einem seiner tausenden Streichhölzer an. Ich glaube, er ist der einzige, bei dem ich es nicht hasse, das nicht selbst zu machen.

Er fragt mich, ob ich es bereut hätte, ihn kennengelernt zu haben. Nein, sage ich, kein bisschen.Er nickt. 

Wir rauchen, trinken aus und hören der Musik zu, bis wir beide wissen, dass es spät genug ist. Dann machen wir uns auf den Nachhauseweg und mir ist klar, dass er nie etwas falsch gemacht hat. Trotzdem frage ich mich, ob er das genauso sieht.

 

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