Aus Fehlern lernt man.
Kinder sahen uns nach, alte Menschen schüttelten ungläubig ihre Köpfe.
Als ich dich kennen lernte fielen mir zuerst deine langen,
schwarzen lockigen Haare auf. Und dein Lachen, kein stilles nettes Lächeln
sondern ein lautes starkes Lachen, nicht so wirklich mädchenhaft, aber ich
mochte das.
Du und dein Lachen, ihr begleitetet mich bis zum Abitur. Ich mochte dich, ja ich liebte dich wie eine Schwester. Zusammen waren wir unschlagbar, wir waren jung und frei. Unsere Namen legten wir ab nur um uns Neue zu suchen. „Wie viele Namen gibt es die nur aus 3 Buchstaben bestehen?“. Zwei Tage lang sagten wir uns nichts, schrien uns lediglich Bob - Tim – Eva – Ina entgegen. Du glaubtest mir nicht, dass es den Namen Urs wirklich gab und ich warf dir vor den Namen Irm erfunden zu haben. So blieb es dann, Urs und Irm. Gegen den Rest der Welt.
Wir sahen uns jeden Tag, in der Schule, nach der Schule, am Wochenende. Du warst immer da. Auch unsere jeweiligen Beziehungen änderten daran nichts, sie kamen und gingen, alles was blieb, das waren wir. Ich fuhr mit dir nach München, zur Meisterschaft der Sportschützen, damit du teilnehmen konntest weil keiner sonst mit dir fahren wollte. Ich fuhr mit obwohl es mein Budget eigentlich weit überzog, aber Freunde machen das so.
Vor jeder Klassenarbeit kopierte ich deine Unterlagen, zum einen weil ich zu chaotisch und faul war um Unterlagen zu besitzen, meist war ich ja nicht einmal da um überhaupt Mitschrieben zu können, und zum anderen weil deine Ordner und Hefte die schönsten und ordentlichsten waren die ich je sehen habe, deine Schrift so wunderschön feminin, meine Sauklaue hingegen konnte nicht einmal ich wirklich lesen.
Wir fuhren in meinem alten roten Twingo durch zahlreiche Dörfer und über Feldwege, bewaffnet mit Luftballons, Seifenblasen und einer Packung Wunderkerzen. Während ich wagemutig den selbstmörderischen Rehen der Landstraßen auswich fülltest du meinen kleinen Twingo mit dreißig oder mehr Luftballons und pustetest Seifenblasen aus dem Fenster. Kinder sahen uns nach, alte Menschen schüttelten ungläubig ihre Köpfe. Wir fuhren auf einen Hügel, hielten, betrachteten den Sonnenuntergang. Dieser Hügel wurde unser Hügel, die Bank darauf zu unserer Bank. Aus Hass auf alle verliebten Paare während einer unsrer gemeinsamen Singlephasen schrieben wir unsre Namen mit schwarzem Edding auf diese Bank, zum Einritzen hatten wir nichts dabei, Edding tut’s auch dachten wir.
Vor wenigen Wochen war ich dort. Auf dem Hügel, alleine. Der Edding hielt, die Schrift ist zwar verblichen aber noch leserlich, der typische lila Schimmer des schwarzen Eddings noch deutlich zu sehen.
Nun sitzt du vor mir. Deine Haare kurz, glatt, blond
gefärbt. Statt Jeans und T-Shirt trägst du Pumps und einen wirklich kurzen Rock.
Wieso du dich so schick gemacht hast fragte ich dich, dass dies dein normales Outfit
sei entgegnetest du. Ich fühle mich als würde ich mit einer etwas nuttigen Business-Barbie Kaffee
trinken und komme mir in Jeans und T-Shirt plötzlich ziemlich zerlumpt
vor. Ich frage dich wie es dir geht und
was es denn so Neues gibt, du rührst in deinem Kaffee herum und siehst mich
nicht an.
Du erzählst mir von deinem neuen Freund, den ich kenne, den ich nicht
mag. Seit er da ist bist du ja praktisch verschwunden, ja die Schulzeit ist
vorbei, wir haben jetzt alle so viel zu tun, es gibt neue Ziele, jaja. Aber
dies ist das erste Treffen mit dir seit sechs Monaten, dabei wohnst du nicht mal
weit weg und hast die Uni ohnehin so gut wie geschmissen, wenn man den Gerüchten
glaubt die man so hört. Du erzählst was er so macht, was es bei ihm so Neues
gibt. Ich nicke nur. Dass ich ihn nicht mag weißt du, dass ich nichts von ihm
halte, dass ich ihn für idiotisch finde. Einer der sein Abi verhauen hat und
sich nun mit einem halbgaren Job über Wasser hält aber stets behauptet dass er
ja mal Medizin studieren und ein ganz toller Chirurg sein wird. Dabei weiß er
selbst dass daraus wohl nichts mehr wird. So einer der außer einem Ball
hinterher zu rennen nicht viel kann. So einer der eigentlich nur dein Freund
ist weil du ihm keine Fragen stellst, weil er dir beigebracht hat keine Fragen
mehr zu stellen.
Ich habe keine Ahnung was du in der Zwischenzeit erzählst hast, es ist mir auch egal. Ich erzähle vom Umzug und dem ganzen, damit verbundenen Stress. Du rührst weiter in deiner Tasse, siehst angestrengt aus, wie eine Schauspielerin die in Gedanken den Text für den nächsten Akt durchgeht. Dann sagst du mir, dass ich mir Steine in den Weg lege wenn ich so früh ausziehe, dass das wohl ein Fehler sei und dass ich mit dem gewählten Studiengang sowieso nichts verdienen würde. Du fragst wieso ich mit 21 ausziehen möchte, sagst du würdest ja solange zuhause bleiben wie es nur geht. Man lerne ja aus den Fehlern der Anderen und wer so früh ausziehen würde, müsse ohnehin nur unnötige finanzielle Regresse erleiden. Du wirfst während deiner Darbietung mit zahlreichen Fremdwörtern um dich von denen du vermutlich nicht einmal die Hälfte erklären kannst.
In mir baut sich das dringende Bedürfnis auf deinen Kopf
gegen die Tischplatte zu schlagen, nicht sanft um dich wach zu rütteln, sondern
fester als ich eigentlich könnte. Ich möchte sehen wie deine Nase bricht, Blut
aus ihr schießt, ich möchte dich an deinen kurzen, glatten Haaren ziehen,
einmal quer durch den Raum schleudern, bis du hinfällst und dann wenn du am
Boden liegst so lange auf dich Eintreten bis deine schönes Fresse nicht mehr zu
erkennen ist. Nicht mal er würde dich noch ficken wollen wenn ich mit dir
fertig wäre. Aber ich tue es nicht. Stattdessen
sitze ich dir bloß weiterhin gegenüber und lächle, lächle während du erzählst,
dass das mit dem Studium ja nicht so dein Ding sei, dass seine Mutter ihn ja
schon sehr früh bekommen hätte und dass du das ja nicht mehr könntest. Ein Kind
wäre ja jetzt auch nicht so schlecht, mit deiner Pille kämst du sowieso nicht
klar und dieses ständige Lernen ginge dir auf den Nerv. Du hättest schon früher
ein Kind bekommen sollen meinst du. Ich kann nicht glauben, dass du glaubst was
du da sagst. Dass dein Macker wohl schon über alle Berge wäre würdest du dir
nur einen Schwangerschaftstest kaufen sage ich nicht. Auch nicht dass du wohl
unterschätzt was es bedeutet ein Kind zu bekommen, wie viel Arbeit und
Verantwortung das mit sich bringe. Ich sage einfach nichts. Ich kann nichts
sagen, fühle mich wie gelähmt von der Erkenntnis dass ich einem wildfremden Menschen
gegenüber sitze. Einem Menschen den ich einst so gut kannte, von dem ich so viel
hielt, den ich so sehr liebte. Du warst von Neugier geprägt, wolltest mehr
wissen, mehr sehen, mehr leben.
Nun willst du nichts mehr. Außer ihn. Ihn der
jedes Wochenende von Club zu Club zieht um danach gegen vier Uhr morgens bei dir aufzutauchen. Dass
ich mir vorstellen kann wieso er dich im Club nicht dabei haben möchte sage ich
dir ebenfalls nicht. Dann sagst du etwas. Du müsstest bald Heim, er käme ja gleich
nach der Arbeit zu dir und dann hätte er ja Hunger. Ach was! Alice Schwarzer
wäre stolz auf dich, denke ich, sage ich
nicht, du weißt ja ohnehin nicht wer Alice Schwarzer ist, ist dir ja auch egal,
meintest ja gerade eben noch dass es reicht zu wissen was einem im Leben
nützlich ist. Dann fragst du ob wir mal wieder was machen. Ich sehe dich an.
Ich muss lachen. Nicht leise, nicht still und heimlich nein, ich lache laut,
mein Lachen schallt durch den Raum bis die Leute um uns herum beginnen tuschelnd
zu starren. Du siehst mich irritiert an, fragst mich was das soll, du schämst
dich und ich weiß es. Du schämst dich dafür dass jeder dich ansieht, dass jeder
sieht wie ich vor dir stehe und mir vor Lachen schon den Bauch halte. Aber es
ist mir egal, du bist mir egal. Es war ein Fehler her zu kommen, wir sind nicht mehr wir, wir funktionieren zusammen nicht mehr. Ich habe das verstanden.
Aus Fehlern lernt man. Lachend drehe ich mich um und gehe.
Tags: Entfremdung




Kommentare
Hahaha hahaha! [fiese Lache]
14.02.2013, 16:52 von schnutopardecht gut!
30.09.2012, 00:00 von SunnyPeachKKKWie traurig. Aber das gibt es: Nicht all zu starke Persönlichkeiten lassen sich verändern, von anderen Persönlichkeiten. Etwas schludrig geschrieben, doch die Botschaft kommt rüber.
29.09.2012, 23:18 von Tora...ähm what? das ergibt für mich keinen sinn. fehlen da satzzeichen oder verschluckst du wörter?
ansonsten sehr gut geschrieben der text!
ich kann die situation vom protagonisten
gut nachvollziehen, war an dem punkt selber schon einmal. was mir fehlt ist, ob er für die freundschaft gekämpft hat. das ist ungemein wichtig. für eine echte freundschaft nicht zu kämpfen ist eine sünde. ab ins höllenfeuer!
19.07.2012, 07:07 von verpixelt
Das selbe habe ich dieses Jahr auch erlebt und meine Reaktion war die selbe,was bringt es wenn nur einer an diese Freundschaft glaubt und der andere nicht??
16.07.2012, 14:03 von mayceDa kann ich dir nur recht geben....
17.07.2012, 17:33 von amoka1992Der Text ist wirklich umheimlich stark und hat mich wirklich traurig gestimmt. Meine beste Freundin und ich sind nächstes Jahr auch mit der Schule fertig und genau von dem, was du beschrieben hast, habe ich große Angst. Davor das man sich nichts mehr zu sagen hat, davor das man den anderen nicht mehr wieder erkennt.
vieleicht sollte man ihr man helfen bevor sie einen riesen fehler begeht.. wenn eine freundschaft so stark war sollte man sie so einfach aufgeben?
15.07.2012, 22:44 von amoka1992Es ist doch eher zu befürchten, dass sich die Freudnschaft ins Gegenteil verkehrt, wenn zu diesem Zeitpunkt versucht wird zu helfen. In den seltesten Fällen kann man jemanden die "rosa Brille" abnehmen, dazu ist schon fast (psychische) Gewalt nötig.
15.07.2012, 23:44 von CyroNein, das kann nur die betroffene Freundin selber ... und ThereSheGoes ist hoffentlich für sie da wenn es soweit ist. Damit aber ein Weg zurück zur alten Freundschaft möglich ist, finde ich hier dass Halten von lockerem Kontakt mit Smalltalk sinnvoll, auch wenn beide momentan nichts verbindet außer die Vergangenheit.
Ich stimme Cyro zu, man kann ihr im Moment nicht helfen, sie könnte es selbst. Ich habe versucht ihr zu helfen und war der Arsch. Also lasse ich es und wer meine Entscheidungen nicht respektiert, der mir nicht hilft auch wenn ich darum bitte, der ist nicht mein Freund. Und jemand der mich beschimpft und mit Füßen tritt wenn ich ihm helfen möchte, der ist es erst recht nicht. Auch wenns schade ist, es ist so.
16.07.2012, 00:35 von ThereSheGoesups. da war mein kommentar ein wenig voreilig, wenn auch ernst gemeint :)
19.07.2012, 07:08 von verpixeltmh ja vlt habt ihr ja recht i hab so was ähnliches mitgemacht un hab gekämpft un hab versagt aber heißt es wie heißt es den noch wer nicht kämpft hat schon verloren?
24.07.2012, 14:12 von amoka1992Ja, aber gegen die Liebe und die Ängste von anderen zu kämpfen ist schwer, es ist doch schon fast unmöglich solche Kämpfe mit sich selbst auszutragen.
24.07.2012, 18:56 von CyroDas heisst in diesem Fall aber nicht "aufgeben" nur geduldig sein und die Freundin nicht fallen lassen, denn wie gesagt bzw. geschrieben, keiner weiss was die Zukunft bringt.
vielleicht braucht deine freundin auch einfach deine freundschaftliche hilfe? ich glaube, so ne richtige freundschaft sollte nicht auf diese weise beendet werden..
Siehe Kommentar eins weiter oben.
16.07.2012, 00:35 von ThereSheGoesgut geschrieben
15.07.2012, 12:57 von acespikIch kann es voll verstehen! Und wahrscheinlich würde ich genauso reagieren, weil es auch keinen Sinn macht, sich darüber aufzuregen oder lange daran zu hängen. Falls es so sein soll, dann finden zwei Freunde auch wieder zueinander und wenn nicht, dann eben nicht. Aber wenn sich einer von zweien so sehr selbst verraten hat, ist es auch fraglich.
14.07.2012, 22:36 von Wittchen_Schnee