wirsindamselbenheimwehkrank 31.03.2018, 09:15 Uhr 16 9

Abschied

(...)

Ich hoffe, die Welt lässt deine Augen leuchten und dass der Staub der Zeit dir deinen Glanz nicht raubt.

Meine Lieblingserinnerung wird für immer jene sein:
Du und ich bei unserem ersten Treffen auf dem Hochsitz, in dem Wald hinter deinem Haus. Wir hatten ein bisschen was geraucht, was mir weniger gut bekam, zumindest versicherte ich dir die ganze Zeit, ich könnte jede einzelne Nadel der Tannen gestochen scharf sehen und habe die aberwitzigsten Dinge in den Wolken erkannt, du lachtest ununterbrochen.
Als in der Ferne der Donner tönte, liefen wir mit Sommerwind in den Haaren über das Feld zurück zu dir nach Hause. Ich war sehr langsam weil der Gedanke, dass dein Lachen eines der Schönsten ist unter all den Mündern denen ich begegnet bin, eine solche Präsenz in meinem Kopf einnahm, dass mir schwindelig wurde. 
Nach 3 Tagen hatte ich das Gefühl dich bereits mehrere Leben lang zu kennen, dein Vater fuhr uns zum Bahnhof, ich nahm dich mit zurück in meine Stadt. Du suchtest eine Wohnung, stelltest mir deine beste Freundin vor, ich musste kurzfristig zu meiner Familie reisen und ließ euch beide ohne Zweifel für eine Woche in meiner Wohnung zurück. Als ich wiederkehrte, wart ihr noch da und ich konnte mir auf einmal kein Szenario mehr vorstellen, in dem ihr es nicht wart. 
Es war Sommer, wir frisch gebackene Abiturienten die dachten, die Welt drehe sich nur um sie. 
Heute weiss ich, dass sie es damals tat. 


Wir begannen zu studieren, brachen ab, orientierten uns neu, wir lachten und weinten und trugen schillernde Kleider und Frisuren und sehr viel Glitzer in unserem Gesicht. 
Ich glaube, dass die Kunstuni dich damals nicht annahm, hat dein Ego nie verkraftet. 
Du wurdest zu kritisch mit dir selbst und ich wurde wieder traurig. 
Und obwohl ich das Glück hatte, irgendwann zu wissen, was ich wollte, war die Trauer mächtig und ließ mich immer stiller werden. Du flüchtetest dich in die Clubs dieser Stadt und ich mich in Bibliotheken und Bücher, ich lernte ununterbrochen und wenn wir Zeit miteinander verbrachten, konnte ich dir immer weniger folgen und irgendwann starrte ich dich nur noch an, kaum noch fähig zu blinzeln. Die Erschöpfung kam und mit ihr die Resignation. 
Ich sprach besessen von Zukunftsvisionen, du hingst irgendwo in der Gegenwart und diese war das Letzte, womit ich mich auseinandersetzen wollte. 
Wenn ich nicht gerade zu viel trank, redete ich ununterbrochen von Wien oder Paris, vom Schreiben, von Menschen, die nichts mit uns zu tun hatten, die du nicht kanntest, weil ich sie dir nie vorstellte, weil sie genau so schnell wie sie kamen, auch wieder verschwanden, wenn sie überhaupt kamen.
 Was kam, war der Herbst und dann der Winter, ich fror viel zu früh. Jedes Geräusch war zu viel, ich pflegte meine Freundschaften lieber im Internet, statt in der Realität, ich wusste nicht mehr wo du bist, was du machst oder siehst, einmal traf ich deine Mitbewohnerin auf ein Bier, sie sagte du seist des Studentenlebens bereits überdrüssig geworden und wollest dich neu orientieren. 
Wir sahen uns noch ein, zwei Mal. Wie ein Mantra erzählte ich immer wieder das Gleiche, die Klausuren, die Vorträge, die Abgaben, ich schrieb zwischendrin E-Mails und war gereizt, in deinem Blick lag mittlerweile nichts besorgtes mehr, bloß eine Ahnung. 

Eine Ahnung davon, dass Leben sich manchmal in unterschiedliche Richtungen und mit verschiedenen Geschwindigkeiten entwickeln. Und man wacht eines morgens auf und kann den anderen nicht mehr sehen. Man weiss, dass er vor kurzem erst hier vorbei gekommen sein muss, sein Duft liegt noch in der Luft und die Haut ist noch warm von der letzten Umarmung. 


Gestern fand ich ein Foto von uns, wir saßen auf irgendeinem Küchenboden und hielten uns in den Armen. 
Auf dem Boden saßen wir wirklich, jedoch jeder für sich, so beschäftigt damit, sich selbst zusammen zu halten, dass nichts anderes mehr greifbar war. 

In ein paar Tagen brichst du auf ans andere Ende der Welt, ich kann es verstehen. 
Wir gingen ungewiss auseinander, es kam zu keinem letzten Gespräch und wenn du mir schon keine Möglichkeit gibst zu reden, so musst du mich wenigstens schreiben lassen.


Ich bin mir nicht in vielen Dingen sicher, aber folgendes weiss ich für den Rest meines Lebens:


Mein Herz wird deinen Schatten immer erkennen, egal wo oder wann. 
Die Erinnerung an dich wird in keiner Schublade landen, wird keinen Staub ansetzen, keine Sekunde. 
Ich werde die Tür nicht schließen und die Erinnerung wird warm bleiben, du wirst das wissen. 
Solltest du das Wissen nicht nutzen wollen, verstau es irgendwo - wo es sicher ist.


In Frankreich sagen sie „La chance sourit aux arcadieux“ was so viel bedeutet wie „Das Glück ist mit den Unerschrockenen“.



Und seitdem ich dich kenne, weiss ich : es ist wahr. 



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16 Antworten

Kommentare

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  • 2

    abschiedehaft

    02.04.2018, 12:48 von ga
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  • 2

    Sehr süßer Text, man glaubt fast dabei gewesen zu sein. 


    31.03.2018, 15:06 von SasiY
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    • 4

      Ich bin immer offen für Kritik und danke dir, allerdings lässt deine Art der Formulierungen reichlich zu wünschen übrig. Du äusserst dich, als wärst du ein rebellischer 16 jähriger der auf Teufel komm raus versucht irgendwas geistreiches von sich zu geben, jedoch merkt, dass er scheitert.

      31.03.2018, 11:19 von wirsindamselbenheimwehkrank
    • 2

      Onkel Faulkner sagt: Das Vergangene ist nicht tot. Es ist nichtmal vergangen.

      31.03.2018, 12:00 von sailor
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    • 1

      Mit 16 rannt' ich in Düsseldorf rum...

      31.03.2018, 19:11 von sailor
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    • 0

      Lieber zum Hühner Hugo...

      31.03.2018, 21:51 von sailor
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    • 0

      Was kennst du eigentlich ?

      01.04.2018, 09:20 von sailor
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    • 2

      ihr dürft das gerne woanders ausdiskutieren, fernab in unbekannten unendlichen Weiten des Internets, die nichts mit meinem Text zu tun haben, danke.

      01.04.2018, 14:18 von wirsindamselbenheimwehkrank
    • 0

      OK...
      Pardon.

      01.04.2018, 14:56 von sailor

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