10a - Ein Requiem
Abschluss 2012. Es klingt so schön,wenn wir es gemeinsam in die Nacht grölen. Aber warum ist es dann so traurig?
Wir waren die beste Klasse der Welt.
Und gleichzeitig die schlimmste.
Wir wurden von allen vergöttert.
Und doch verachtet.
Wir waren wir.
Aber was bringt uns das jetzt? Jetzt, wo der Vorhang gefallen und der letzte Zuschauer gegangen ist? Wer erinnert sich weiterhin an unsere Erlebnisse? Werden wir uns in 5 Jahren überhaupt noch erkennen und sagen können:" Hey, du bist doch der Typ, der mir in Physik die Haare angezündet hat"?
Natürlich haben wir uns alle auf unseren Abschluss gefreut. Endlich keine Schule mehr. Endlich keine Lehrer mehr. Aber dass es dann auch keine Klasse mehr gibt haben wir verdrängt. Erfolgreich. Bis gestern.
Der Abend der Abende. Abschlussfeier. Zeugnisvergabe. Ein letztes Wiedersehen mit den Menschen, mit denen man jahrelang den Klassenraum geteilt hat. Während andere Klassen still da sitzen, lachten wir über die alten Geschichten:
Wie Sebastian in Deutsch fast an einem Kaugummi erstickt ist und deswegen kotzen musste.
Wie unser Politiklehrer von seiner frühkindlichen Rattenjagt erzählte.
Wie Max in Physik meine Haare in Brand steckte.
Wie wir bei einer Feier mitten in ein Gewitter gerieten und nass bis auf die Knochen wurden.
Wie wir nach Berlin fuhren.
Wie wir in Berlin nachts um halb 1 an der S-Bahn-Station standen, die letzte Bahn verpassten und mit dem volltrunkenen Christian am Bein mit einem Taxi ins Hotel fahren mussten.
Wie schnell das alles vorbeiging...
Die Stimmung wurde besser und besser. Nachdem mir Kartoffelsalat in den Ausschnitt gefallen war und wir anfingen Volksmusik zu singen, beschlossen wir an die frische Luft zu gehen. Fotozeit.
Von jedem wurden mindestens 10 Fotos gemacht und jedes Mal noch eins zur Sicherheit. Manche Kameras gaben wegen zu wenig Speicher auf. Leiht man sich halt eine. In den ungewöhnlichsten Kombinationen wurde fotografiert. Lachend posierten Menschen von denen man sich sicher war, sie würden sich hassen.
Heute alles egal.
Als auch noch unser Englischlehrer im Restaurant auftauchte gab es kein Halten mehr. Jeder wollte mit ihm ein Foto. Stefan und er wurden zum Traumpaar der Fotografen. Auch, weil Stefan sich vor jede Kamera drängte. Lag sicherlich an seinen sieben Bier an diesem Abend.
Es wurde spät. Und später. Als ich mich in ein Taxi setzte zeigt die Uhr schließlich halb zwölf. Um halb neun waren wir essen gegangen. Fast nachdenklich saßen sie zusammen, als ich mich verabschiedete. So, als würde uns langsam klar werden, dass es vorbei ist.
Dass wir uns nie wieder so sehen werden.
Es ist das Ende. Das Ende einer Ära.
Samstag gibt es das erste Klassentreffen. Nur wir. Eine Grillhütte. Fleisch. Ein Grill. Und Alkohol.
Ein letzes Mal 10a.
Ein letztes Mal wir.
Ein letztes Mal.
Für die Ewigkeit.
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