Wer ist schon glücklich?
Ich stehe, anlässlich eines Schulanfangs, auf einem Familienfest.
Wie ich so da stehe und die Kinder in der Mitte des Saals toben sehe, fange ich an auch den Rest der Familie zu beobachten.
Wer von den hier anwesenden Personen ist glücklich? Und was verstehen sie unter Glück?
Ein kleines Gedankeninterview mit einem Teil de Anwesenden entsteht:
Sabrina, 18 Jahre, Schülerin
I: Bist du glücklich?
S: Nee.
I: Warum denn?
S: Immer kommen die Bälger an und wollen irgendwas von mir. Zuhause werde ich immer hin und hergeschickt und muss etwas machen. Meine Schwester könnte ruhig auch mal was machen. Aber die sitzt immer nur faul rum. Alles bleibt an mir hängen und keiner nimmt Rücksicht auf mich. Und weil wir hier in so nem Nest wohnen kann ich nicht mal eben zu meinem Freund. Muss immer ne dreiviertel Stunde mit dem Zug fahren.
I: Bist du bei deinem Freund auch nicht glücklich?
S: Doch schon, aber der ist auch manchmal komisch. Der will, dass ich ihm mehr Freiraum lasse, dabei sehen wir uns schon so selten. Aber meistens sind wir ganz glücklich.
I: Was müsste passieren, damit du glücklich wärst?
S: Ich könnte in einem Beruf arbeiten wo ich ordentlich Geld verdiene. Hätte ein cooles Auto, schickes Apartment mit meinem Freund und vor allem keine Kinder um mich rum. Die nerven eh nur. Ach und ne Putzfrau. Joa. Dann wäre ich glücklich.
Gehen wir weiter zu ihrer Oma und befragen Sie mal:
Agnes, 60 Jahre, Oma und Mutter
I: Sind Sie glücklich?
A:…
[Hat sie was gesagt und ich habe es nicht gehört? Oder habe ich gar nicht gefragt?]
I: Sind Sie glücklich?
A: Ach weißt du Kind, was ist schon Glück?
I: Das muss jeder für sich selber herausfinden, jeder definiert das anders. Aber ich möchte ja wissen ob sie glücklich sind.
A: [lange Pause] Ob ich nun glücklich bin oder in China fällt ein Sack Reis um. Ich bin froh wenn ich wieder meine Ruhe habe und ich zuhause meine Talkshows anschauen kann. Dann stört nur noch mein Ehemann mit seiner unnötigen Sorge meiner Gesundheit wegen. Wenn es so sein soll kann ich eh nichts dran ändern. Sterbe ich eben.
Auch eine Möglichkeit. Da hinten steht Romina und schwatzt mit Hannah. Befragen wir doch mal Romina. Vielleicht sieht sie das Leben ja etwas positiver?
Romina, 37 Jahre, berufstätig und Mutter von drei Kindern
I: Bist du glücklich?
R: Auf jeden Fall.
I: Warum?
R: Ich habe drei bezaubernde Kinder auf die ich sehr stolz bin. Es gibt immer Höhen und Tiefen, aber die gibt es mit jedem Kind. Mit meinem Mann bin ich seit nunmehr 16 Jahren verheiratet und immer noch lieben wir uns. Und auch meine Arbeit macht mir Spaß. Es stört mich nicht, dass ich so wenig Schlaf bekomme. Die wenige Zeit die ich mit meinen Kindern habe will ich auch genießen.
Lorenz, 9 Jahre, Schüler
I: Bist du glücklich?
L: Och ja. Ich muss die Klasse wiederholen. Aber Sandra, habe ich dir schon den Spielplatz draußen gezeigt?
I: Nein.
L: Komm mal mit. Wir spielen verstecken. Spielst du mit?
I: Klar.
Und zack bin ich aus meinen Gedanken gerissen worden und spiele mit den Kindern Verstecken. Während ich in meinem Versteck hocke und darauf warte von einem Kind entdeckt zu werden sehe ich den Großvater mit einem seiner Enkel schwatzen. Sie reden über das Studium des Enkels. Wie es wohl der Mutter geht, jetzt da ihr Sohn nicht mehr daheim wohnt. Wo ist sie überhaupt?
Ah sie steht am Buffet und unterhält sich mit ihrer Schwester.
Maria, 41 Jahre, Hausfrau und Mutter von sechs Kinder
I: Sind sie glücklich?
M: Ach.
I: Was denn ach?
M: Es geht allen gut. Wir sind gesund und die Kinder machen keine Schwierigkeiten. Reicht das?
I: Nun ja, es beantwortet nicht die Frage des Glücklichseins. Was macht sie glücklich? Bzw. was müsste geschehen, damit Sie glücklich sind?
M: Ich denke nicht, dass dich das etwas angeht.
Okay.
Befragen wir zum Schluss noch den Großvater:
Anton, 64 Jahre, Rentner, Opa und Vater
I: Sind Sie glücklich?
A: Im Grunde schon.
I: Was bedeutet denn im Grunde?
A: Dass ich sehr zufrieden mit meinem Leben bin aber nicht mit dem Gesundheitszustand meiner Frau. Ich habe schon eine Menge in meinem Leben erlebt und mitgemacht. Ich könnte Geschichten erzählen…, aber darum geht es ja hier nicht. Ich mag mein Leben. Es gibt immer was zu tun. Auch jetzt als Rentner, aber ganz ehrlich, das brauche ich auch. Ich kann Stillstand nicht leiden. Ich muss immer etwas zu tun haben.
I: Also wunschlos glücklich?
A: Wunschlos nicht, aber glücklich.
Nun. Was haben mir diese Gedankeninterviews gebracht? Ich kann für mich selber feststellen, dass es in dieser Familie einige Menschen gibt, die durchaus zufrieden mit ihrem Leben sind.
Weiterhin stelle ich fest, dass die Personen, die in ihrem Leben einen Sinn sehen bzw. eine Aufgabe haben glücklicher/ zufriedener sind.
Aber diejenigen, die sowieso schon abgeschlossen, bzw. noch nicht einmal richtig begonnen haben zu leben, diejenigen, die nicht mal ansatzweise dem ganzen Leben etwas Positives abgewinnen können, haben schon verloren. Hoffen wir, sie kratzen noch die Kurve.



Kommentare
Ganz nett, aber etwas zu steril, zu gewollt.
12.06.2009, 01:09 von DarenBRens