Von flackernden Lampen und Schrankwänden
Manche Dinge will man nicht kommen sehen. Auch wenn sie unaufhaltsam auf einen zurasen.
Ich rieche den kalten Rauch. Auf dem Sofa vor deinem Platz liegt Asche. Die Fenster sind auf kipp und das Windspiel davor dreht sich leicht. Dreht sich weiter, wie die Welt. Auf der Schrankwand stehen Fotos. Diese Schrankwand ist grottenhässlich und im Leben würde ich so etwas nie kaufen. Dir war das schon immer egal, du hättest tausend Möglichkeiten gehabt eine Neue zu kaufen, du hättest sie sogar geschenkt haben können, du warst ja an der Quelle mit deinem Job im Möbelhaus. Aber wen interessiert gerade eine Schrankwand. Ich nehme die Fotos herunter und schaue in ein Gesicht eines Mannes, der glücklich scheint, mit seiner Familie, seinem Leben. Auf einem Bild spielst du Fußball. Auf dem anderen sitzt du mit Kollegen am Tisch und du wirfst den Kopf zurück, weil du herzhaft lachst.
Dieses Lachen habe ich über mehrere Monate nicht mehr sehen oder hören dürfen. Zum einen, weil ich nicht da war. Zum anderen, weil du krank warst. Lange und leidend. Ich verdränge die Tatsache, dass es früher oder später so kommen musste. Es ist wie mit einer Lampe, die beim Einschalten schon flackert und man weiß, dass man sie bald austauschen muss. Man erschrickt, wenn sie dann tatsächlich erlischt und es plötzlich dunkel wird.
Jetzt ist die Lampe aus. Du hinterlässt Dutzende Fotos. Zehnmal so viele Erinnerungen. Du hinterlässt diese Schrankwand.
Du hinterlässt eine Tochter und einen Sohn.





Kommentare
Ich bin am hin- und her überlegen, ob man diesen Artikel mögen soll/kann/darf oder nicht.
Man dankt und findet es völlig in Ordnung. Und es ist immer gut zu wissen, ob jemand liest.
Danke.
26.07.2012, 10:47 von independentdreamerIch wusste schon, worum es geht, als ich den Titel las. Schade.
23.07.2012, 12:02 von MadElaine