gut_mensch 24.12.2006, 21:58 Uhr 1 0

Weihnachtsdepression

Jedes Weihnachten das Gleiche: Alle freuen sich darauf und wenn dann Weihnachten ist werden alle traurig und nichts läuft so, wie es soll!

Jetzt ist heute also der große Tag, der Tag auf den alle schon seit Wochen hinarbeiten und sich einreden sich darauf zu freuen. Es ist der Mittag vor Heiligabend, ich sitze in meinem Zimmer, resümiere über die letzten Wochen, Heilig Abend allgemein und wenn ich nun schon mal dabei bin über Kapitalismus und bin irgendwie depressiv.

Überall gaukeln alle nur Freude vor, meine Familie, im Radio läuft ein Weihnachtslied nach dem anderen und meine Freunde genießen ihren Familienalltag, oder zumindest sitzt keiner vor dem Computer um mit mir zu chatten. Und einmal wieder kommt der Gedanke allein zu sein, als einzige zu erkennen, das Weihnachten eigentlich nicht mehr als ein Konsumfest ist, an dem noch gleichzeitig ein heiles Familienleben vorgegaukelt wird. Natürlich haben die allermeisten dies in ihrem Leben schon einmal festgestellt, doch wirklich geändert hat kaum jemand etwas, auser tausende von Artikeln in irgendwelchen Fernseh-alte-Omi-Zeitschriften zu veröffentlichen. Das ist jetzt eben noch einer, weil mir das noch nie so klar gewesen ist wie heute, vielleicht werde ich ja erwachsen.

Leider ist das ganze Trara nicht einmal nach einem Tag vorbei, sondern man muss während der nächsten Tage auch noch den ganzen Rest der Verwandtschaft abklappern, dabei krampfhaft versuchen den Eindruck zu erwecken, man würde alle mögen und sich schön artig für den 341. Weihnachtsmann bedanken, denn sonst kommt mal wieder der Vorwurf die Jugend von heute wäre schlecht erzogen und sowieso unbegreiflich. In solch einem Moment wie gerade eben kann ich gut verstehen, warum so viele Menschen ausgerechnet an Weihnachten Selbstmord begehen oder sich wenigstens noch einmal wünschen Kind zu sein, als man noch nicht alles gemerkt hat, an den Weihnachtsmann geglaubt hat und Weihnachten der schönste Tag im Jahr war, schon allein wegen der geschenke.

Es wäre auch nicht schlecht wenn man einfach zwei Wochen vor Weihnachten einschlafen könnte und hinterher wieder aufwachen könnte. Aber obwohl ich es schon intensiv versucht habe geht es irgendwie nicht oder vielleicht mache ich einfach etwas falsch, dann es will mir nicht mal gelingen all den Rummel wenigstens aus mir auszusperren. Also werde ich eben depressiv, denn mir wird klar, was alles so in der Welt und in unserer eigentlichen Vorzeigefamilie schief läuft. Den Rest des Jahres habe ich gar nicht die Zeit und die Gelegenheit mich damit auseinander zusetzen, deswegen fällt es einfach nicht so sehr auf.

In fünf Jahren werde ich wahrscheinlich zu jenen verbitterten Weihnachtshassern gehören, die an Weihnachten den Rest der Welt aus ihrem Zimmer ausschließen und Horrorfilme im Fernsehen anzuschauen. Als ich noch klein war und einmal einen Film über einen Weihnachtshasser angeschaut haben, war mir das unverständlich, wie jemand freiwillig auf Weihnachten verzichten kann!

Eigentlich sollte ich spätestens jetzt mein Zimmer verlassen, um mich zu den anderen zu gesellen um ja keinen schlechten Eindruck zu machen, aber eigentlich ist mir viel mehr nach Heulen zu mute als nach fröhlich sein. Also nichts wie aufgestanden, Schlüssel rum gedreht, Musik aufgedreht und einfach in Mitleid mit sich und der ganzen Welt versinken!

Das fühlt sich eiegtnlich gar nicht schlecht an, dieses Gefühl endlich mal wieder etwas ganz allein, gegen den Willen der Eltern entschieden zu haben, es geschieht viel zu selten! Und während ich noch stolz auf meine neu gewonnene Freiheit bin klopft es laut an meiner Tür! So laut, dass ich es nicht einmal trotz der Musik überhören kann! Es ist meine Mutter: " Komm runter! Es gibt Essen!"

Schon ist es wieder weg dieses schöne Gefühl. Ich kann nur noch "ja" rufen, die Musik ausdrehen, mich absolut feige und schlecht fühlen und raus kommen! Na dann: Augen zu und durch!

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