Minion 20.03.2012, 11:14 Uhr 30 18

Unterwegs mit einem Krokodil

„Patsch Patsch“ machen die kleinen Füßchen neben mir im Schnee. Ich blicke mit einem verträumten Lächeln nach unten und… Ach du Schreck.

„Patsch Patsch“ machen die kleinen Füßchen neben mir im Schnee. Ich blicke mit einem verträumten Lächeln nach unten und… Ach du Schreck. Da läuft ein Krokodil. Ich mache einen Satz nach rechts, übersehe einen Poller und lande auf meinem Hintern. Verwundert dreht sich das Krokodil um und schaut mich an. Als es mich da im Matsch sitzen sieht, fängt es an zu grinsen und entblößt dabei seine großen, weißen Zähne. Ein Schauder läuft mir über den Rücken und es sagt: „Nicht rumtrödeln, Papa, der Eismann fährt gleich weiter.“ Papa? Eismann? Spätestens jetzt bin ich völlig verwirrt und gaffe das kleine Tier mit offenem Mund und großen Augen an. Der Schneematsch, auf dem ich sitze, schmilzt und ich fühle wie meine Hose langsam nass wird. Vom Matschwasser! Das Krokodil fängt an, mit seinen kleinen Krallen an dem Ärmel meiner Jacke herum zu nesteln und tippelt ungeduldig von einem Bein aufs andere. Ich entkomme meiner Starre und stämme mich hoch, der dümmliche Gesichtsausdruck aber bleibt. „Los, wir müssen uns beeilen.“ „Oh, okay“ lautet meine geistreiche Antwort. Und schon zerrt es mich an einem Hosenbein hinter sich her.

Der Eismann lächelt geduldig, während der Kleine sich nicht entscheiden kann ob er Schlumpfgeschmack oder Rinderbouillon möchte. „Merkwürdige Geschmacksrichtungen haben die hier.“ Denke ich und lege zwei Euro für beide Kugeln auf den Tresen. Zufrieden jauchzend grabscht das Krokodil nach der Waffel und beginnt voller Genuss das Eis herunter zu schlingen. Der Eismann streicht das Geld ein, wünscht uns noch einen schönen Tag und schiebt mit einem Augenzwinkern ein „Süßes Kind haben sie da“ nach. Ich runzle die Stirn und sehe nach unten. Von unten grinst mich ein zufriedenes, kleines Krokodil, in einem blauen Hosenanzug an. Auf dem Revers thront ein großer brauner Fleck des Rinderbouillon Eises. Aus einem Reflex heraus sage ich: „Du hast schon wieder deine guten Sonntagsklamotten vollgeschmiert. Deine Mutter wird sich freuen.“ „Entschuldige Paps.“ Erwidert der Kleine mit einer Unschuldsmiene.

Es beginnt zu schneien. Wobei Schnee dabei wohl nicht der richtige Ausdruck ist. Es handelt sich um etwas das aussieht wie Schnee, mit der Geschwindigkeit von Regen fällt und die Frisur doppelt so schnell zu Nichte macht, wenn man keinen Schirm dabei hat. Da dies nicht der Fall ist trete ich zügig den Heimweg an. Der kleine Kerl ist immer an meiner Seite. Mein Sohn? Nun, man kann sich seine Kinder bekanntlich nicht aussuchen. Als wir schlussendlich doch durchgeweicht vor der Haustür ankommen, bemerke ich das Fehlen meines Schlüssels. Der Kleine macht einen Satz und drückt den Klingelknopf. Meine Frau öffnet mit einem strafenden Blick, ob des fehlenden Schirms die Tür und blickt nach unten. Ihre Augen werden groß und sie beginnt zu schreien, wie am Spieß. Aus der sicheren Deckung hinter der Tür stammelt sie: „Was ist das?“. Verwundert antworte ich: „Unser Sohn, oder nicht?“ „BIST DU WAHNSINNIG GEWORDEN?“ Oh je…

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30 Antworten

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    ich mag solche texte einfach, danke! :D

    31.03.2012, 11:29 von pocket
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    Also ich mag das, ich fand das gut. So!

    20.03.2012, 22:51 von nyx_nyx
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    muss ich das lesen?

    20.03.2012, 20:08 von Gluecksaktivistin
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      soviel ich weiss,  kann dich keiner zwingen, aktivistin ;-)

      20.03.2012, 20:24 von steam
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  • 3

    ICH WERDE FEUERWEHRMANN!

    20.03.2012, 19:50 von JackBlack
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    Einfach nur aus dem Grund, dass es so irre, zwar auch langweilig, aber dennoch halbwegs lustig ist, und mal anders als der üblich Schmonz; allein dafür danke ich.

    20.03.2012, 19:32 von topfbluemchen
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  • Platzverweis

    Um den perfekten Kinositzplatz wird gestritten, seit es das Kino gibt. Das ist jetzt vorbei. Die Tipps aus dem August-Heft nun auch im Blog.

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