Treffen mit ihr
Die Kellnerin gerät nicht ins Stocken, sie nickt, lächelt mich noch einmal an und verschwindet. Ein Mineralwasser und ein Glas Merlot.
Ich sehe kurz zu, wie sie dem Mädchen ihren Blick an den Rücken heftet und folgt. Vielleicht vergleicht sie sich, vielleicht ist der Blick Gift, vielleicht beides, ich habe sie nie danach gefragt, aber der Blick ist noch immer der gleiche und ich schäme mich und nach ein paar Sekunden schaue ich weg.
Es ist Mittag, das Café ist fast leer, außer uns noch ein Tisch, zwei ältere Frauen und Kaffee, Pelzmäntel über der Lehne eines dritten Stuhls. Durch die Glasscheibe der Blick auf den Kennedyplatz, ein paar Reste von Silvester und Menschen, schwarzer und grauer und brauner und auf den Dächern sogar noch ein bisschen weißer Schnee. Sie räuspert sich.
Du siehst gut aus, sagt sie. Ich lächle und bedanke mich. Du auch. Und ich denke, wie schlimm das wieder ist. Wie es mir denn geht. Das freut sie. Was ich derzeit so mache. Aha. Ob ich jemanden sehe, jemand Neues, ich weiß schon, eine neue Freundin oder einen Freund vielleicht. Sie schaut mich an und wartet. Nein, lüge ich und sie lächelt und nickt und ich weiß, dass sie es weiß, aber es kümmert mich nicht. Es geht sie auch nichts an. Sie zuletzt.
Die Kellnerin bringt unsere Getränke, sie sieht mich nicht an und ich frage mich, was sie wohl denkt, sie stellt die Gläser ab und verschwindet und ich fische die Zitrone mit den Fingern heraus und lege sie auf den Deckel und dann weiß ich immer noch nicht, was ich sagen soll. Es gibt nichts, was ich ihr zu sagen hätte. Ich weiß nicht einmal mehr, worüber wir gesprochen haben. Damals, bevor sie plötzlich weg war. Nach Abenden voll Geschrei und geschlagenen Türen. Weil alles sowieso immer nur Lüge war, wie sie sagte.
Worüber haben wir gesprochen. Ich frage mich, ob sie es noch weiß, aber ich frage nicht laut, denn ich will sie nicht darüber reden hören. Es ist lange her, aber was noch da ist, das gehört nur mir. Sie soll es nicht berühren. Wie Weihnachten war. Wie es ihr denn geht, frage ich statt einer Antwort und höre zu, wie sie Orte (in München, auf dem Rückweg in Wiesbaden, Bremen ist übrigens) aufzählt und einen neuen Namen (war ich ja schon mit Martin, ich und Martin, hat mir Martin), nach dem ich absichtlich nicht frage, doch sie erzählt es schließlich von selbst.
Wenn dieses Schuldgefühl nicht wäre, würde ich mich nicht mehr mit ihr treffen. Ich weiß nicht, was sie noch von mir will. Das mit uns, das ist vorbei. Aber wenn sie anruft, kann ich mich nicht immer herausreden. Nicht jedes Mal. Apropos, schließt sie ihren Monolog, greift nach ihrer Tasche und zieht ein Päckchen heraus. Für Dich, sagt sie und schiebt es über den Tisch. Ich habe Deine Adresse nicht gefunden und Deinen Vater wollte ich nicht anrufen, sonst hätte ich es Dir geschickt. Sie lächelt. Weißes Papier, weiße Ornamente, silbernes Band, eine kleine Karte. Von Mama.





Kommentare
sehr gut find ich das! kann ich nur zu gut nachvollziehen.
19.01.2011, 01:44 von meistermaraber warum ist das so? schon schade einfach...
du schaffst es immer wieder mit den letzten Sätzen deinen Texten eine völlig andere Wendung zu geben. Das find ich großartig.
12.01.2011, 17:57 von LuftNachSommerregenDein Stil ist hier absolut erkennbar, aber ich finde, es ist einer deiner schlechtesten Texte.
10.01.2011, 20:06 von Kata_PultDie Pointe platt und völlig vorhersehbar.
You ain´t got no writing skills!
08.01.2011, 00:44 von Blackbooktapehttp://www.youtube.com/watch?v=qwyZ0ji1GRU
@Blackbooktape Am Kennedyplatz war ich eben noch, da musste ich doch glatt schmunzeln.
08.01.2011, 02:32 von Haennah.Der Text ist wirklich gut geschrieben.
"mit ihr"
08.01.2011, 00:40 von BlackbooktapeOH GOTT!
Ich hab das hier nur angeklickt, um dir mitzuteilen, dass das eindimensionale Dr.Sommer-Scheiße ist und du deine Zeit verschwendest hast.
Ich denke du wirst dich nun gehörig schämen. Vielen Dank dafür.
PS: Ich hab´s nicht mal für nötig befunden das hier zu lesen. Lasst mich wissen, falls es einen Grund gäbe dies zu ändern.
Wenig überraschendes, wenn nicht zu sagen plattes Ende. Trotzdem; bei allem, was User auf Neon meinen der Welt an unnötigen Gefühlsduseleien mitteilen zu müssen, ist der Text sprachlich und inhaltlich doch weiter oben! Nice!
07.01.2011, 18:46 von _katrinagroßes kino. wirklich geiler text mal wieder. you are my twist-man. :) i like that.
06.01.2011, 22:11 von TochterAusElysiumDa der Text der Kategorie "Familie" zugeordnet ist, ist von Anfang klar - wenn man das Wörtchen denn beachtet - dass es sich um ein Familienmitglied handeln muss. Insofern hat mich das Ende nicht überrascht. Vielmehr sah ich den Text genau darauf hinauslaufen und fand es somit eher platt. Schade, dass die Kategorie so gewählt wurde bzw. dass sie nicht zu überlesen ist, wenn man grundsätzlich darauf achtet.
06.01.2011, 17:10 von AnnaEckeDavon ab...ich hatte ein gutes Bild vor Augen, da ich zu wissen glaube, an welchem Platz in welchem Café Mutter und Sohn gesessen haben müssen, um genau diesen Blick zu haben, der beschrieben wird :)
Das kommt bei mir ziemlich lapidar rüber. Ich mag es, aber ich finde, es passt nicht. Aber mja, stimmt schon, traurig und drückend, irgendwie ein bisschen wie in Monster's Ball oder so im Café. Nur mit Mutter. Das Ende ist ja jetzt nicht wirklich vom Hocker reissend überraschend, aber trotzdem gut. Ach was solls, wenn mans so locker durchlesen kann, ohne sich abzuwenden, hat der Autor eh schon gewonnen. Kapigratuliere.
06.01.2011, 14:59 von Rhorichtig schön geschrieben. am schluss musste ich lächeln. wie schon gesagt, es ist überraschend.
06.01.2011, 14:11 von iwontleave@iwontleave finde ich auch!
10.01.2011, 14:08 von coolchica