flici 14.12.2011, 12:37 Uhr 7 3

Tage der Hoffnung

Das Telefon klingelte. Meine Tante war am anderen Ende und klang nicht so fröhlich wie sonst. „Ist deine Mutter zu Hause?“ Ich musste die Frage verneinen. Die nächsten Momente zogen sich wie Stunden, obwohl sie mir in nur zwei Sätzen sagte, dass sie mit meiner Oma auf dem Weg ins Krankenhaus war. Es dauerte einen kurzen Augenblick, bis ich begriff was passierte. Sofort zückte ich mein Telefon und wählte die Handynummern die ich im Kopf hatte. Erst die meiner Mutter, die meines Vaters und zuletzt – und aus purer Verzweiflung – die meiner Schwester, obwohl ich wusste, dass sie die Letzte war, die mir helfen konnte. Zwischen ihr und uns lagen über 800 Kilometer. All diese Nummern brachten mir nichts, die Handys waren abgestellt.
Die nächsten Minuten wollten nicht vergehen, ich starrte ständig auf meine Telefone. Dann, endlich vibrierte es. Ich nahm sofort ab. Es war meine Mutter. Ich versuchte ruhig zu klingen, war aber schon viel zu hysterisch. „Ich komme sofort nach Hause, du wartest auf mich!“ Ich wartete. Als ich endlich den Schlüssel an der Tür hörte sprang ich auf. Ich rannte auf meine Mutter zu und hoffte etwas Positives von ihr zu hören. Statt etwas Positivem bakm ich zu hören, dass wir frühestens am nächsten Tag ins Krankenhaus fahren durften. 

Es war soweit. Der Wecker klingelte. So schlecht wie in dieser Nacht, hatte ich wohl noch nie geschlafen. Wenn man das, was ich die letzten 8 Stunden gemacht habe überhaupt Schlaf nennen kann. Ich machte mich schnellstmöglich fertig und fuhr gemeinsam mit meiner Mutter in das Krankenhaus in dem meine Großmutter am Tag zuvor eingeliefert wurde.
Der Weg durch die Korridore war endlos lang. Als wir an dem Krankenzimmer ankamen, wollte ich nichtmehr warten. Ich wollte sehen, wie meine Oma in dem Zimmer sitzt, auf einem Stuhl und wie jeden Tag eine Runde Backgammon spielte. Gegen wen war in diesem Fall egal, irgendwie hatte sie es immer geschafft jemanden dazu zu überreden. Ich klopfte, machte jedoch im selben Moment die Tür schon auf. Um sie zu überraschen oder um einfach nur endlich das Bild zu sehen, das ich mir im Kopf zusammen gesponnen hatte.
Der nächste Moment war schrecklich. Ich betrat das Zimmer und sah natürlich nicht wie erwartet, wie sie mit jemandem ihr Lieblingsspiel spielte. Stattdessen sah ich eine Frau in dem Krankenbett liegen, die nur noch annähernd Ähnlichkeit mit der Frau hatte, die ich mein Leben lang geliebt hatte. Ich trat erst erst einen Schritt zurück. Ich musste mich im Zimmer geirrt haben. Jedoch war es nicht das falsche Zimmer. Ich kniete mich an das Bett und hielt einfach nur ihre Hand. Sie war eiskalt.

Ab diesem Zeitpunkt fuhr ihr jeden Tag in die Klinik. Gemeinsam sind wir stark, das war wohl der Gedanke den ich hatte. Die Tage vergingen und es ging ihr von Tag zu Tag besser. Ich fuhr jeden Tag zu Ihr und genoss es zu sehen, wie sie jeden Tag mehr aufblühte.
„Also Oma, ich komm morgen wieder. Wunder dich nicht, wenn es später wird. Ich werde es erst nach der Arbeit schaffen.“

Der nächste Tag brach an und kam mir von Anfang an komisch vor. Ich ging in die Schule und fuhr von dort aus direkt weiter in den Baumarkt, in dem ich Aushilfsweise an der Kasse stand.
Ich hatte eine kurze Schicht an diesem Tag und trotzdem konnte ich mich nicht auf die Arbeit die ich verrichten sollte konzentrieren. Ich hatte ein sehr flaues Gefühl im Magen.
Kurz nach Feierabend schaltete ich mein Handy an. 9 verpasste Anrufe, 3 SMS. Sofort war mir klar was passiert war. Ich rief meine Mutter an, sie bat mich auf schnellstem Weg in die Klinik zu fahren.
Ich rannte los, zum nächsten Bus. Hoffte darauf, dass das alles nur ein Irrtum war. Mir flossen die Tränen die Wangen runter wie ein Wasserfall. Es wollte nicht aufhören. Da saß ich nun, in meinem orangen Arbeitshemd und weinte. Jeder der Mitfahrenden starrte auf mich.
Den Weg von der Bahnstation in das Zimmer meiner Oma hätte ich auch blind gefunden, so oft ich die letzten Tage bei ihr war. Lediglich die uhrzeit war daran Schuld, dass ich mit dem Nachtwärter sprechen musste. Er sah in meine knallroten Augen und auf meine glänzenden Backen. Seine Worte waren „ Sie müssen auf Station 13, richtig?“

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7 Antworten

Kommentare

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  • 1

    ich finde das stilistisch sehr geschickt und das Ende bleibt allein deswegen nicht mehr offen, ganz im Gegenteil.
    Auch wenn´s traurig ist, es ist sehr gut geschrieben.

    19.12.2011, 11:39 von EvilEvo
    • 0

      vielen lieben dank! :) 

      19.12.2011, 19:28 von flici
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  • 0

    D afehlt wohl noch ein Stück?

    14.12.2011, 13:34 von Tanea
    • 0

      das fehlende überlässt dir der autor

      15.12.2011, 02:00 von elvaliente
    • 0

      Och nö, soviel?

      15.12.2011, 08:48 von Tanea
    • 0

      ist ausnahmsweise mal eine geschichte, die wahr ist. ich wollte den rest einfach nicht reinschreiben. viel ist nicht mehr passiert, falls dir das weiterhilft.

      15.12.2011, 12:10 von flici
    • 0

      Nee, versteh ich ehrlich gesagt nicht. Obs nun so passiert ist, oder nicht ist mir als Leser (um es mal ehrlich auszudrücken) egal.
      Man fühlt sich halt etwas veräppelt, wenn ein Text mitten drin abbricht.

      Das es schwierig für dich ist, kann ich auch nachvollziehen, aber nicht, dass du nur nen halben Text einstellst. Dann kann man es eigentlich auch gleich ganz sein lassen.

      15.12.2011, 12:18 von Tanea
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