Tage der Hoffnung
Das Telefon klingelte. Meine Tante war am anderen Ende und
klang nicht so fröhlich wie sonst. „Ist deine Mutter zu Hause?“ Ich musste die
Frage verneinen. Die nächsten Momente zogen sich wie Stunden, obwohl sie mir in
nur zwei Sätzen sagte, dass sie mit meiner Oma auf dem Weg ins Krankenhaus war.
Es dauerte einen kurzen Augenblick, bis ich begriff was passierte. Sofort
zückte ich mein Telefon und wählte die Handynummern die ich im Kopf hatte. Erst
die meiner Mutter, die meines Vaters und zuletzt – und aus purer Verzweiflung –
die meiner Schwester, obwohl ich wusste, dass sie die Letzte war, die mir
helfen konnte. Zwischen ihr und uns lagen über 800 Kilometer. All diese Nummern
brachten mir nichts, die Handys waren abgestellt.
Die nächsten Minuten wollten nicht vergehen, ich starrte ständig auf meine
Telefone. Dann, endlich vibrierte es. Ich nahm sofort ab. Es war meine Mutter.
Ich versuchte ruhig zu klingen, war aber schon viel zu hysterisch. „Ich komme
sofort nach Hause, du wartest auf mich!“ Ich wartete. Als ich endlich den
Schlüssel an der Tür hörte sprang ich auf. Ich rannte auf meine Mutter zu und
hoffte etwas Positives von ihr zu hören. Statt etwas Positivem bakm ich zu
hören, dass wir frühestens am nächsten Tag ins Krankenhaus fahren durften.
Es war soweit. Der Wecker klingelte. So schlecht wie in
dieser Nacht, hatte ich wohl noch nie geschlafen. Wenn man das, was ich die
letzten 8 Stunden gemacht habe überhaupt Schlaf nennen kann. Ich machte mich
schnellstmöglich fertig und fuhr gemeinsam mit meiner Mutter in das Krankenhaus
in dem meine Großmutter am Tag zuvor eingeliefert wurde.
Der Weg durch die Korridore war endlos lang. Als wir an dem
Krankenzimmer ankamen, wollte ich nichtmehr warten. Ich wollte sehen, wie meine
Oma in dem Zimmer sitzt, auf einem Stuhl und wie jeden Tag eine Runde
Backgammon spielte. Gegen wen war in diesem Fall egal, irgendwie hatte sie es
immer geschafft jemanden dazu zu überreden. Ich klopfte, machte jedoch im
selben Moment die Tür schon auf. Um sie zu überraschen oder um einfach nur
endlich das Bild zu sehen, das ich mir im Kopf zusammen gesponnen hatte.
Der nächste Moment war schrecklich. Ich betrat das Zimmer und sah natürlich
nicht wie erwartet, wie sie mit jemandem ihr Lieblingsspiel spielte.
Stattdessen sah ich eine Frau in dem Krankenbett liegen, die nur noch annähernd
Ähnlichkeit mit der Frau hatte, die ich mein Leben lang geliebt hatte. Ich trat
erst erst einen Schritt zurück. Ich musste mich im Zimmer geirrt haben. Jedoch
war es nicht das falsche Zimmer. Ich kniete mich an das Bett und hielt einfach
nur ihre Hand. Sie war eiskalt.
Ab diesem Zeitpunkt fuhr ihr jeden Tag in die Klinik.
Gemeinsam sind wir stark, das war wohl der Gedanke den ich hatte. Die Tage
vergingen und es ging ihr von Tag zu Tag besser. Ich fuhr jeden Tag zu Ihr und
genoss es zu sehen, wie sie jeden Tag mehr aufblühte.
„Also Oma, ich komm morgen wieder. Wunder dich nicht, wenn es später wird. Ich
werde es erst nach der Arbeit schaffen.“
Der nächste Tag brach an und kam mir von Anfang an komisch
vor. Ich ging in die Schule und fuhr von dort aus direkt weiter in den
Baumarkt, in dem ich Aushilfsweise an der Kasse stand.
Ich hatte eine kurze Schicht an diesem Tag und trotzdem konnte ich mich nicht
auf die Arbeit die ich verrichten sollte konzentrieren. Ich hatte ein sehr
flaues Gefühl im Magen.
Kurz nach Feierabend schaltete ich mein Handy an. 9 verpasste Anrufe, 3 SMS.
Sofort war mir klar was passiert war. Ich rief meine Mutter an, sie bat mich
auf schnellstem Weg in die Klinik zu fahren.
Ich rannte los, zum nächsten Bus. Hoffte darauf, dass das alles nur ein Irrtum
war. Mir flossen die Tränen die Wangen runter wie ein Wasserfall. Es wollte
nicht aufhören. Da saß ich nun, in meinem orangen Arbeitshemd und weinte.
Jeder der Mitfahrenden starrte auf mich.
Den Weg von der Bahnstation in das Zimmer meiner Oma hätte ich auch blind
gefunden, so oft ich die letzten Tage bei ihr war. Lediglich die uhrzeit war
daran Schuld, dass ich mit dem Nachtwärter sprechen musste. Er sah in meine
knallroten Augen und auf meine glänzenden Backen. Seine Worte waren „ Sie
müssen auf Station 13, richtig?“


Kommentare
ich finde das stilistisch sehr geschickt und das Ende bleibt allein deswegen nicht mehr offen, ganz im Gegenteil.
19.12.2011, 11:39 von EvilEvoAuch wenn´s traurig ist, es ist sehr gut geschrieben.
vielen lieben dank! :)
19.12.2011, 19:28 von fliciD afehlt wohl noch ein Stück?
14.12.2011, 13:34 von Taneadas fehlende überlässt dir der autor
15.12.2011, 02:00 von elvalienteOch nö, soviel?
15.12.2011, 08:48 von Taneaist ausnahmsweise mal eine geschichte, die wahr ist. ich wollte den rest einfach nicht reinschreiben. viel ist nicht mehr passiert, falls dir das weiterhilft.
15.12.2011, 12:10 von fliciNee, versteh ich ehrlich gesagt nicht. Obs nun so passiert ist, oder nicht ist mir als Leser (um es mal ehrlich auszudrücken) egal.
15.12.2011, 12:18 von TaneaMan fühlt sich halt etwas veräppelt, wenn ein Text mitten drin abbricht.
Das es schwierig für dich ist, kann ich auch nachvollziehen, aber nicht, dass du nur nen halben Text einstellst. Dann kann man es eigentlich auch gleich ganz sein lassen.