Stille
Eine fiktive Geschichte, die ich für eine Hausarbeit angefertigt habe. (schreiben Sie einen Text,indem Geräusche eine zentrale Rolle spielen.)
Er schnellte hoch,lauschte in die Dunkelheit und stellte fest,dass das Geräusch, das ihn geweckt hatte,sein eigener Wecker war.
Dekard war der Name dieses Weckers,so hatte es doch auf der Verpackung gestanden.So oder so ähnlich. Man musste ihn aufziehen,damit er funktionierte. Anfangs vergass er es oft,
doch mit der Zeit war es ein weiterer Prozess,den er zu akzeptieren und auszuüben lernte.
Sein Herzschlag normalisierte sich wieder und für einen Moment verfluchte er das laute Ticken des Weckers.Er ließ sich in die Tiefen seines Kopkissens zurückfallen und hörte dem Ticken
des Weckers noch für eine Weile zu.Tick - tack,tick - tack.Bis er schließlich einschlief und es verstummte.
Er schlug die Augen auf und hörte Stimmen,die aus der Küche zu ihm drangen. Sie waren laut,die Stimmen.Seine Eltern.Sie stritten.Mal wieder. Das Nächste, das er hörte,waren ein dumpfes Klatschen, Stöhnen, Beschimpfungen und Schreie.Dann war es still,nur sein Wecker und sein eigener Herzschlag waren zu hören.
Er blieb liegen, was sollte er denn unternehmen? Er war 11.Er wollte sein Zimmer nicht verlassen. Er wollte nicht sehen, was passiert war, obwohl er es wusste.Die Geräusche hatten es ihm verraten.
Als er sein Zimmer verließ, saß seine Mutter am Küchentisch und rauchte.Ihr Gesicht war fleckig und an einer Stelle dunkelrot.Sie weinte.Nicht laut, leise.
Als sie ihn bemerkte, trocknete sie hastig ihre Tränen, stand auf und verschwand im Bad.
Er aß,zog sich an und packte seinen Rucksack.Auf dem Weg zur Haustür hielt er an der Badezimmertür,seinen Mund zur Verabschiedung geöffnet.Dann hörte er seine Mutter wimmern und verließ lautlos die Wohnung.
Das Klingeln der Schulglocke kündigte das Ende eines weiteren Schultages an, der ihm kaum Abwechslung geboten hatte.Stühle kratzten über den alten Linoleumboden und gedämpfte Schritte auf dem Flur waren zu hören.
Draußen waren die Motoren der wartenden Schulbusse und das Geschreie und Gerede vieler Schulkinder das Erste, das sein Gehör erfüllte.
Es war ihm zu laut, zu viel.
Sein Füße trugen ihn zu den Kreidefelsen. Hier war es eigentlich immer ruhig und verlassen,doch nicht heute. Der Wind säuselte in seinen Ohren, Möwen schrien und das Meer unter ihm tobte und schlug gegen die Klippen.
Er hielt sich die Ohren zu und weinte. Er dachte an sein Zuhause, an seine Eltern und den Lärm.
Seine Schritte führten ihn an den Rand des Felsens und sein Blick blieb auf der schäumenden, sich kräuselnden Oberfläche des tiefblauen Meeres haften.
Im Fall wurde das Säuseln des Windes verstärkt, nur für einen kurzen Moment. Es folgte ein kurzes Platschen und ein kurzer Schmerz, dann war es still. Still und dunkel. Immer weiter verschlang ihn die Stille, bis er Eins mit ihr wurde.
Im selben Moment blieben die Zeiger seines Weckers stehen und sein Zimmer war ein Ort der Stille. Er hatte vergessen ihn aufzudrehen. So blieb es nun still.


Kommentare
Einfach nur toll.
12.01.2008, 16:47 von black_sunRichtig toll. Mich würd auch interessieren, was du dafür bekommen hast, aber viel mehr freut mich diese Geschichte, weil sie so schön gschreiben ist.
01.01.2008, 22:02 von kleinepiratinSie ist auch nicht gruslig, sie ist wunderbar. Ich sage dann mal gerne Danke für die Worte, und klicke auf das berühmte Bild mit dem Herzen drauf, in blau.
Liebe Grüße.
hey, ich mag deine geschichte. traurig, aber irgendwie schön!
10.12.2007, 15:07 von Lizzi89Gut geschrieben! Du hast due Geräusche gut eungefangen... *empfehlenswert!
14.11.2007, 15:15 von yeldender ist grußlig... was hast auf die hausarbeit bekommen?
05.11.2007, 21:15 von linksrum