Bloodsport 23.11.2009, 21:42 Uhr 19 9

Schwere

Es war wohl in seinem Leichtsinn geschehen, der unter Schwerkraft ein anderes Gewicht annahm - oder seinen dünnen, wackeligen Beinchen verschuldet.

Er hat gespielt, da ist mein Bruder schlichtweg hineingefallen, dass ich mich erschrak. Ich weiß noch nicht mal mehr, wer ihn herauszog, ob es meine Mutter war, ein Onkel, oder wem auch immer diese starken Hände gehörten. Unerschrockene Griffe, die nicht gelähmt blieben, wie ich es war.

Mein Vater hatte mir einen Tag zuvor noch verboten, den Hund meiner Verwandten zu streicheln. Das Tier war mit mehr als Tellergroßen, lichten, haarlosen Flecken gescheckt; Berühren wollte ich es ohnehin nicht. Träge und irgendwie kränkelnd lag er in der Sonne in unserem Innenhof, seine Schnauze auf dem Boden ruhend, die Augen halbabwesend träumend, dass Kakerlaken, sehr nah um ihn herum kreuchten und fleuchten. Nur einer bewegte ihn aus der Regungslosigkeit. Mein kleiner Bruder hatte den Hund am Schwanz gezogen. Gelacht hat er dabei, was ich nicht begreifen konnte.

Wir waren nur zu Besuch, wir kannten das Viertel sehr ungenügend. Wir gingen hinaus auf die Straßen. Mein Bruder war fünf Jahre alt. Ich zählte Acht bei mir. Ich ließ die paar Pesos Münzen in meinen Taschen klappern, fühlte mich frei und tollkühn allein mit meinem Bruder draußen rumzutreiben. Für uns waren es Ferien, meine vielen Cousinen und Cousins mussten um diese Tageszeit in die Schule. Dennoch fanden sich einige Kinder auf der Straße zu einem Spiel zusammen. In verschiedensten Farben leuchteten Gummifiguren, lagen verstreut auf dem Boden. Mit einer dieser Plasten musste man die anderen treffen. Ich habe mich bemüht. Man ließ uns aber irgendwann nicht mehr mitmachen. Man verstand uns nicht so recht. Wir konnten die Sprache nicht, stammelten und stotterten. - Wir nur ein paar Worte, die Anderen nur ein Kopfschütteln.

Wir liefen weiter, an diesem halb vertrauten, halb fremden Ort. Alle Häuser waren von quadratischen Mauern eingeschlossen, standen aber nicht frei, sondern in Zeile und Reihe. Das Abwassersystem war sehr rückständig, bemerkte ich, wie ich die Kanäle sah. Diese waren seitlich entlang der Straße ausgelagert, darin floss stetig Wasser. Schwarzes Wasser. Es trug Plastiktüten, es führte kleineren Müll mit sich entlang. Wir gingen ein Stück und kamen zu einem Markt. Es roch ganz gut. Abgetrennte Hühnerbeine hingen an einer Leine über einem Stand.

Am nächsten Morgen weinte meine Mutter. Sie hörte und hörte nicht auf bis zum Nachmittag, da hat ihn jemand gefunden. Mein Bruder hat sich einfach so aus unserer Mitte gestohlen in einer Heimlichkeit, in einem unachtsamen Moment. Er sah ganz schmutzig aus, roch nach Kanal und es flossen die Tränen. Ich erinnere mich deutlich, wie ich das alles beobachtete, aber es ergab nicht so richtig Sinn für mich. Meine Mutter nahm einen großen roten Plastikbecher und schüttete Becher um Becher klares Wasser über meinen Bruder. Er schrie, als man ihn wusch. Vielleicht auch wegen der vielen Seife. Die Augen brannten, so wie man ihn für eine kleine Ewigkeit wusch und schamponierte.

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19 Antworten

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    interessant. schön.. mich würde ja der Ort des Geschehens interessieren. Argentinien, Philippinen oder ganz woanders? ,,... an diesem halb vertrautem, halb fremden Ort'' kommt mir irgendwie bekannt vor.

    26.11.2009, 23:24 von Putipu
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    ich weiß irgendwie die ganze zeit über nicht so genau worum es geht, also ebenfalls ahnungslos..

    25.11.2009, 16:39 von Loewen_herz
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    Schreibtechnisch gesehen, top! Freu mich auf mehr, aber ich verstehe es nicht ganz. Ist der jetzt überhaupt tot?

    25.11.2009, 15:15 von PanRilke
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    Es mag sein, dass der Text schön geschrieben ist, jedoch verstehe ich ganz ehrlich den Sinn nicht.
    Der Bruder fällt ins Wasser und wird wieder gewaschen, den Bruder kümmerts nicht.. und dann.. ach das wars schon.. ?! Bisschen seltsam, aber eben ganz gut geschrieben.

    24.11.2009, 20:53 von Mollys.Damenbart
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    ich ging auf die pointe zu, lief jedoch in ein postmodernes
    nebelmeer....
    den text möchte mir mal der erklären der auch texte von turbostaat versteht...

    24.11.2009, 20:24 von abstrachy
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    ich finds schön aber ich verstehs nicht aber ich finds schön aber ich verstehs nicht.und so weiter.

    24.11.2009, 18:22 von ParticularlyPeculiar
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    die sprache finde ich eigentlich sehr gut, wie auch die sprünge, aber zwischendurch fehlt etwas..

    24.11.2009, 18:16 von _takk
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    wau

    24.11.2009, 17:28 von Mary_Entwistle
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