haubentaucherin 08.10.2007, 19:26 Uhr 23 3

Schuldgefühle in der Einkaufstasche

Dieses Mal begann das Feilschen schon auf dem Weg zum Supermarkt. Die übliche Mischung aus Schuldgefühlen, gut gemeinten Lügen und Geldsorgen.

Meine Mutter, die ihrer Tochter etwas gutes tun will. Und ihre Tochter, die sich an die Abmachung halten will. Schließlich soll von nun an alles anders werden. Keine Unterstützung mehr von den Eltern, weil das Amt die Tochter nicht mehr unterstützt. Wegen des Nebenjobs, den ich über alles liebe. Also geh ich weiterhin jobben und will nun alles selbst finanzieren. Anders klappt es wohl nicht bei Hartz IV. Dafür setzen meine Mutter und ich unsere Pokerfaces auf, wenn wir einkaufen gehen.

Brauchst du eine neue Jacke? Dafür hab ich noch Geld auf dem Konto Mama. - hoffe ich zumindest.- brauchst du Schuhe? Vielleicht im November.
Meine Mama bleibt stehen, schaut streng und seufzt. Wegen meiner Sturheit sei ihr wieder schlecht, sagt sie. Super. Direkt muss ich an ihr Rheuma denken und die Tabletten, von denen ihr so oft übel wird. An solchen Tagen kullert sie sich auf dem Sofa zusammen. Und die kleine starke Frau sieht auf einmal zerbrechlich aus. Schuld daran ist die Krankheit. Dabei ist sie noch nicht einmal 50. Auf dem Weg zum Supermarkt gibt sie sich wieder einmal stark. Als ginge es ihr nie besser. Aber wegen der Gelenkringe, die sie an ihren Fingern trägt, weiß ich es besser.

Im Laden geht das Spiel weiter. Möchtest du jenes probieren? Noch etwas Süßes? Ein Fertiggericht? VIelleicht ist es albern, so penibel zu sein und immer nein zu sagen. Vielleicht steht es gar nicht so schlecht ums Geld. Klar ist nur, dass meine Mutter nie zugeben würde, wie schlimm es wirklich ist. Klar ist auch, dass bei jedem Einkauf Schuldgefühle mitschwanken. Das Spielchen dreht sich an der Kasse: Ich packe ein und nehme die Tüten. Jetzt hat meine Mutter ein schlechtes Gewissen. Ob sie nicht tragen helfen soll. Ich solle doch nicht albern sein und ihr eine Tasche geben. So geht das bis wir zu Hause sind.

Manchmal kommen Zweifel daran, ob ich das richtige tue. Anstatt bis zum Abitur die Schulbank zu drücken, könnte ich längst irgendwo eine Lehre machen. Will ich aber nicht. Und wollte ich noch nie. Meine Mama weiß das. Deswegen überlegt sie schon, wie sie das Studium finanzieren kann. Und ich überlege, wie ich sie davon abhalten kann.

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23 Antworten

Kommentare

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    vielen dank für die tipps und hinweise...
    nur manchmal glaube ich, dass meine eltern nicht mehr nur für mich verantwortlich sind, sondern ich auch für sie... immerhin könnte ich mittlerweile ja auch auf eigenen beinen stehen und gerade wenn es ihnen schlecht geht, müsste ich dann ja auch für sie da sein. so läuft das doch in einer familie...
    ich versuchs trotzdem nochmal mit reden, danke für die netten worte

    25.12.2007, 00:20 von haubentaucherin
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      @haubentaucherin nein, unsinn. du machst erst mal abitur. so lange kann das nicht dauern. dann kannst du alles machen, was du möchtest und wenn du später mal gut verdienst, kannst du deine familie viel besser unterstützen.

      26.12.2007, 04:15 von NeonBlond
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    Klammer vergessen - falsch geschrieben - ich geh pennen. Damn ^^

    22.12.2007, 19:32 von Kapuzenwetter
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    Und das zeigt mir doch ( auch einige Jahre mit Hart(z) 4 (über-) lebt....
    Das Arbeitslosengeld 2 ist nicht das letzte soziale Auffangnetz des Staates, sondern selbst die größte Maschen in diesem !

    22.12.2007, 19:31 von Kapuzenwetter
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    Ich weiß nicht warum es hier bei manchen nicht zur Erkentniss über die Aussage dieses Textes kommt. Es geht nicht um Geld, es geht um das Sorgen. Die Eltern sorgen für ihre Kinder, sollten sie zumindest. Die meisten würden keine Unterstützung, vor allem finazielle, von ihren Kindern annehmen. Auch, wenn sie es eigentlich tun müssten. Manchmal ist es Stolz, manchmal auch das Gefühl sonst als Eltern zu versagen, was die Einsicht verhindert. Es ist für Eltern schon schwer genug Kinder loß zu lassen, aber noch unendlich schwerer eine Last für sie zu sein. Genau darum geht es und der Text bringt es eigentlich vom emotionalen Standpunkt perfekt auf den Punkt.

    17.12.2007, 17:26 von bluros
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    was soll denn das? was ist am text hier schwer verstaendlich? und warum ist er schlecht?
    viel glueck, haubentaucherin und zieh das mit der schule durch. dann kannst du immer noch eine ausbildung beginnen.

    15.12.2007, 13:30 von NeonBlond
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      @NeonBlond ich unterschreibe.
      zumal die Autorin mehrmals erwähnt hat, dass sie sich einfach nur den Frust von der Seele schreiben wollte und dass ihre Familiensituation zu komplex bzw. zu persönlich sei als dass sie den Text ausweiten hätte wollen.

      viel glück.

      20.12.2007, 13:54 von touchthesky
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    Ich verstehe sehr gut, dass Du Dir Gedanken über das Einkommen Deiner Eltern machst und darüber grübelst, dass Du Deinen Eltern nicht zu viel abverlangen willst; unabhängig sein willst.

    Allerdings ist es - wie es hier auch schon anklang - richtig, dass bei aller Rücksichtnahme Deinerseits, Deine Eltern in erster Linie für Dich verantwortlich sind - nicht umgekehrt. Das liegt ganz einfach daran, dass Du in der Ausbildung bist und einfach nicht in der Lage sein kannst, umfassend für Dein Leben zu sorgen. Bei allen Bestrebungen unabhängig zu sein, sollte doch klar sein, dass eine wirkliche ökonomische Unabhängigkeit von den Eltern erst nach vollendeter Schulausbildung möglich ist.
    Aber das heißt natürlich nicht, dass Du nicht trotzdem unabhängig leben kannst. Ich habe eher den Eindruck, dass Du Dich durch Dein Verhalten, möglichst alles, was Deine Mutter Dir anbietet, reflexartig abzulehen, in eine viel größere - gedankliche - Abhängigkeit begibst, als Dein Leben eigenverantwortlich zu leben und Dir einzugestehen, dass die Hilfe Deiner Mutter lieb gemeint und in manchen Situtationen auch notwendig ist.
    Wenn man in einer Familie lebt, ist es auch notwendig, die Verantwortung für bestimmte Dinge den anderen zu überlassen. Deine Eltern sind selbstverständlich auch für sich selbst verantwortlich und müssen mit den Konsequenzen leben, ein Kind zu haben.

    Ich glaube, dass ihr euch dringend über dieses Thema unterhalten solltet und Du Deinen Eltern von Deinen Schuldgefühlen berichten solltest. Möglicherweise können sie Dich beruhigen und ihr könnt vereinbaren, dass sie Dich bei aller Geldnot unterstützen, wenn es notwendig ist, Du aber im Gegenzug versuchst unabhängig zu werden.
    Mit so einer Vereinbarung wäre eigentlich kein Grund mehr da, Schuldgefühle zu entwickeln.
    Das wäre ein erster Schritt, erwachsen zu werden: eine Vereinbarung unter Erwachsenen, aber trotzdem noch Eltern und Kind. Diese Rolle wird sich nie ändern.

    14.12.2007, 12:29 von Caninus
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    Sorry, aber ausgesprochen dünn. Was willst Du uns sagen? Poesiealbumqualität.

    13.12.2007, 22:45 von Herzblatt
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    das kommt mir alles von mir selbst so bekannt vor, das is grad richtig krass. meine mama war auch krank und wird jetzt auch erst 50, die schuldgefühle sind einfach da. aber das sind sie sicherlich auch ohne schlimme krankheit in der familie.
    und das thema abitur oder lehre ist bei uns grade auch das große problem.
    danke für den schönen text ;)

    13.12.2007, 18:30 von estrellita_
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    Ich finde deinen text gut und kann ihn auch nachvollziehen.Freue dich , dass du einen Nebenjob hast und mach` weiter mit deinem Abi.
    Ich kenne das von meiner mutter: MIt 60 ist sie arbeitslos geworden und tut sich schwer, einen job zu finden.
    Ich lese ständig zwischen den zeilen, dass sie lieber mehr geld haben möchte und nur Dinge ablehnt und schlecht macht, weil sie es sich nicht leisten kann.
    Manchmal kann das Leben verdammz hart sein...

    13.12.2007, 11:19 von sommersonnig
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