JungeJunge 16.06.2005, 00:04 Uhr 148 11

Rüdiger? Wolfgang? Giselher?

Ich werde mir einmal mehr Gedanken bei der Namensgebung meiner Kinder machen als meine Eltern offenbar. Oh ja.

Ich nehme mal schon an, dass sich meine Eltern etwas Mühe gegeben haben bei der Wahl eines Namens für mich. Zumindest konnten sie mir von verschiedenen anderen Alternativen berichten, z.B. Christian (wozu mein Vater meinte: "Und was ist, wenn er mal kein Christ wird?") oder Stephan (darauf meine Mutter: "Ach, so heißen doch schon so viele"). Schließlich landeten sie bei: Bernd. Was sie für eine gute Wahl hielten. Doch ich musste im Verlauf meines Lebens merken, dass sie sich offenkundig trotz allem nicht genug Gedanken gemacht hatten. Der Weg der Erkenntnis war lang und durchlief mehrere Phasen:

Phase 1 (ca. 1986), in der Grundschule:
Das erste Mal, dass ich merkte, dass mit meinem Namen etwas nicht in Ordnung war, war mutmaßlich in der zweiten Klasse. Wir Kinder sollten Silbentrennung lernen, und die Lehrerin ließ uns die Silben unserer Namen mit den Händen abklatschen. Alle Kinder mit gleich viel Silben durften daraufhin gemeinsam in eine Ecke gehen.
Tho-mas (*klatsch**klatsch*) und An-ja (*klatsch**klatsch*) gingen gemeinsam in eine Ecke, Chris-ti-an (*klatsch**klatsch**klatsch*) und Mar-ti-na (*klatsch**klatsch**klatsch*) in eine andere. So füllten sich die Ecken langsam. Und dann stand da ich. Frohgemut klatschte ich los. Bernd (*klatsch*). Und noch einmal, den Ernst der Lage nicht begreifend: Bernd (*klatsch*). Die Lehrerin wies mich in die letzte leere Ecke. Panik stieg in mir auf! Auch Beh-hernd (*klatsch**klatsch*) wollte sie nicht gelten lassen! Ich war allein! Und weshalb? Wegen Bernd (*klatsch*). In den anderen Ecken standen die anderen Kinder zusammen, all die Ste-phans (*klatsch* *klatsch*), Sa-bi-nes (*klatsch**klatsch**klatsch*) und sogar A-ri-a-ne (*klatsch**klatsch**klatsch**klatsch*) war nicht allein - I-sa-bel-la (*klatsch**klatsch**klatsch**klatsch*) war bei ihr. Doch niemand sonst war bei Bernd (*klatsch*).... Eine traumatische Erfahrung. Für einen 8-jährigen.

Phase 2 (ca. 1990), auf dem Gymnasium:
Schon die dritte neue Klassenkameradin sagt zu mir:
"Du heißt Bernd? Ach, ist ja lustig. So heißt mein Vater auch."
Irgendwann wurde mir klar: So in der Generation der 40-50jährigen musste es echt viele Bernds geben. Da waren sie also alle. Am Anfang war ich ja noch irritiert, wenn meine Mitschüler "vom Bernd" sprachen, und dachte, es gäbe noch mehr davon in meinem Alter. Aber sie meinten - antiautoritärer Erziehung sei dank - ihren Vater damit. Jeder dritte 68er musste Bernd geheißen haben.

Phase 3 (ca.2000), Studienjahr im englisch-sprachigen Ausland
"Burned??? Your name is Burned? Like in 'Burned Schnitzel'???... HAHAHAHAHA!!!!"
"Yes."
"But that's awful!"
"Thank you."

Phase 4 (ca. 2003), vor dem Fernseher
Im Fernsehen läuft auf Kinderkanal "Bernd das Brot" an. Endlich durfte auch ich erfahren, was es bedeutet, wie ein Promi zu heißen. Ich bekam eine Ahnung davon, wie sich meine Bekannten Heidi ("deine Welt sind die Beherge") und Götz ("leck-mich-am-Arsch" *gnihihi*) schon ein Leben lang fühlen mochten. Unzählige E-Mails an mich hatten nun den Betreff: "Für Bernd das Brot!" Doch das war irgendwann ok. Doch, wirklich! Denn mittlerweile konnte ich mich selber identifizieren mit diesem Bernd. Mit einem mürrischen Kastenbrot. Was hat mich bloß so ruiniert.

Aber ich habe meine Lektionen gelernt! Wenn ich mal Kinder haben werde, werden sie in den Genuss einer gut recherchierten und strategisch ausgeklügelten Namensfindung kommen. Sie werden keinen Namen bekommen, der klingt wie ein Auffahrtunfall. Sondern einen, der melodisch auf der Zunge vergeht und MEHRERE Silben hat. Das ist mir ein Anliegen. Nicholas oder Eve-Marie zum Beispiel. Fürderhin werden sie keinen Namen bekommen, der in meiner eigenen Generation gerade modisch war, Stephan, Phillip oder Christian etwa. Oder Sandra, Kathrin, Katja. Zudem - und das ist sehr wichtig - werden sie einen Namen bekommen, der international ohne größere Heiterkeit und Zungenakrobatik aussprechbar ist. Rüdiger ist pfui, Sophie ist hui! Und schließlich wird der Namensvergabe eine umfangreiche Recherche vorhergehen, ob nicht doch irgendeine peinliche Zeichentrickfigur oder ein unsägliches Schlager-Sternchen auf denselben Namen hört, der sich dadurch für spätere Foppereien anbieten würde. Freilich: Dass nach der Geburt nicht doch noch irgendein unvertretbarer anderer Träger dieses Namens in den Medien auftaucht, kann ich nicht verhindern. Aber dann wüssten meine Kinder zumindest auch mal, wie sich Papa gefühlt hat..."Wichtige Links zu diesem Text"
Eine Fundgrube an Vornamen von 1890 bis heute

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148 Antworten

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    tooooll!

    bernd, ich liebe dich! ;D

    19.06.2008, 23:02 von la_lionne
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    Das Namensdilemma :)
    Kommt aber wirklich drauf an wie man mit dem Namen umgeht, ich kenn einen 20 jährigen Frieder, bei dem der Name irgendwie jugendlich klingt. Und mein kleiner 3 jähriger Nachbar heißt Marius, wobei ich anfangs immer an Marius Müller Westerhagen denken musste. Das hat sich glücklicherweiße gelegt.
    Ich bin froh dass meine Mutter (die bei der Namensgebung das letzte Wort hatte) für uns Kinder die schönen Namen Evelyn, Dominic und Kristin ausgesucht hat. Nur is mein Bruder mit dem "c" am Ende gestraft ("Dominic, aber bitte hinten mit c!") und ich mit meinem "K" ("Kristin, aber bitte mit K"). Einige Unannehmlichkeiten bringt mein hier gänzlich unbekannte Namen allerdings schon: wie oft wurde ich schon "Christina" "Kerstin" "Christine" "Christiane" genannt. Nur ist bei mir die Spitznamenfindung recht schwer, was ich ganz gut finde. Habe mich lange und erfolgreich gewehrt, "Krissi" genannt zu werden.

    13.06.2007, 09:23 von Anjuli
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    Das war, sofern ich mich recht entsinne, der einzige Artikel soweit, der mich auf Neon zum lauten Lachen brachte - wirklich und absolut großartig!
    Ich find Namen so toll und interessant und freu mich, hier was dazu zu lesen!

    26.04.2007, 22:04 von Kampfkruemel
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    Also ich heiße, wie sonst nur 100 Jährige heißen: Helene Kaya. So. Den Vornamen habe ich von meiner Mutter: die kannte mal eine alte adelige Dame, und weil sie die so gern gehabt hat, musste ich ihren Namen erben. Ja. Und Kaya - tja, da gibt es wilde Spekulationen. Meine Eltern sind zwar immer noch verheiratet, und man sollte meinen, sie könnten sich in ihrem Alter doch noch daran erinnern können, warum sie ihrer erstgeborenen (zumindest die meiner Mutter) diesen Namen gegeben haben. Pustekuchen.

    Meine Mutter meint, mein Vater hätte diesen Namen a)aus einem Bob Dylen Lied (weil Bob Dylan für meinen Vater ein Gott ist) oder b)von einer Verwandten aus Schweden die so hieß. Ja und mein Papa ist felsenfest davon überzeugt, dass meine Mutter a)bekifft war und dieser Name ihr "erschienen" ist oder aber b)Kaya die arabische Form für Katharina ist (wobei diese Möglichkeit die langweilgste ist, und deshalb auch selten von mir angeführt wird;)).

    Ich war mal eine Helli, dann eine Birne Helene (Bruha!), dann Hella von Sinnen (nein, mit meiner Figu hatte das - hoffentlich!! - nichts zu tun, und auch nicht meine sexuelle Ausrichtung), dann war ich eine Lene, eine Leni, kurzfristig sogar Lenin (ich schätze mal das war in meiner "alles hüpft auf mein Kommando" Phase..keine Ahnung) - ja und dann natürlich Nene. Man frage mich nicht warum.


    Gut, meine Halbgeschwister aus Vaters erster Ehe haben es nicht besser: Katharina und Klemens - Gäähhnnnn...wie langweilig. Das einzige, was den Namen meiner Geschwister immer mal wieder zum Gespräch gemacht hat, war, wenn ihr Monogram verwendet wurde: beide Male (no na ned) war und ist das leider K.Z. Ziemlich doof....

    Dann wär da noch mein kleiner Bruder. Der heißt Mathias (mit H - so viel Zeit muss sein) Wilhelm. Meinen Großvater in Ehren - aber ich bin froh, dass dieser Kelch an mir vorüber ging. Der liebe Willi ;)


    So, und zum Schluss muss auch ich gestehen, dass ich so einige Namen in peto habe..nur für alle Fälle ;)
    Die verrat ich aber nicht - denkt euch doch selber was aus ;)

    PS: und es sind sicher NICHT:

    Tschesika
    Tschenifa
    Tschakeline
    Schantall
    Kävin
    Ramada
    Mary-Tschän (in Österreich momentan anscheinden sehr beliebt...buahh..)
    Paskual
    Pjer
    und Renne ;)

    Keine Ahnung ob bei euch die Aussprache diese Namen auch so grauenvoll ist - Herr und Frau Sackbauer haben es in Österreich aber wirklich nicht einfach mit diesen multi-lingualen Namen ;)

    23.04.2007, 13:28 von Wolkenschaf
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    superkalifragilistikexpialigetisch -
    gerade noch wütend gewesen, jetzt mächtig amüsiert.
    toller text, merci!
    *klatschen*

    03.04.2007, 20:51 von applausundklatschen
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    Mein Freund heißt Christian, seine Mutter Christiane, seine Schwestern Kristin und Kerstin. Die Eltern hatten echt nicht viel Fantasie.

    Aber lieber einen seltenen Namen, als wenn sowohl Vor- als auch Nachname jeweils Sammelbegriffe sind.
    Ich bekomme keine seriöse email-Adresse.
    Niemand, wirklich, niemand hat mich jemals gefragt, wie ich geschrieben werde. Wenn ich mich mit vollem Namen vorstelle, fangen die meisten an zu lachen, so gewöhnlich und deutsch ist mein Name. An meiner Uni haben 8! Leute den absolut gleichen Namen, in meiner Stadt sind es 84!, in meiner Straße 3. Ein wahnsinns Spaß, die geöffnete Post zur richtigen Person zu tragen...

    Aber Gerroth und Ann-Kathra will ich auch nicht heißen :-). Mein Neffe heißt Samson. Ich bin mal gespannt, wie er durchs Kindergarten- und Schulalter kommt...

    30.03.2007, 13:26 von h-milch
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    Naja so alt ist der Name auch nicht auch wenn ich zugeben muss das ich auch nur 40 jährige Bernds kennen,. Fafür kenne ich einen , der ist 18 und heißt Richard., Richard ist meiner Meinung nach ein Name der eher zu alten Herren jenseits der 70 passt.. Ehlrich gesagt den hatte ich ewig nicht gehört den Namen (wenn man vom Englischen bei dem man das zu einem jugenlichen Rick verwandeln kann.)

    24.03.2007, 19:01 von morri
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