wortkotze 03.04.2012, 17:10 Uhr 0 2

Präventivparanoia

Salz und Pfeffer und von beidem zu viel.

Briefe für niemanden, Gedanken geflüstert und bereut.
Salz und Pfeffer und von beidem zu viel.
Geschmäcker verätzt, bis der dumpfe Schmerz weicht und leerer Schmerz bleibt.
Explodierende Punkte hinter meinen Augen, gewaltige Klauen in meinem Nacken.
Dumpfe Lethargie in meinem Kopf.
Klabautermann bleibt, Klabautermann beißt sich fest, wo er nur kann.
Wer will Gerda sein? Wo ist Gerda mit den roten Schuhen? Wann löst sich die Scherbe? Wann kommen die Stiche von der Kälte?
Ich nähe zusammen, um zu reparieren, ich nähe mich zusammen.
Papierschnitte, versteckt hinter leeren Worten.
Erbrochenes auf meinen Büchern, meinen Worten, meiner Liebe.
Präventivparanoia begleitet alles. Und alles was bleibt, ist dumpfer, leerer Schmerz, verhüllt von Tüchern mit wunderschönen Ornamenten.

Ich sehe Karos, ich sehe silberne Kugeln, die verschwinden, obgleich sie aus dem Nichts kamen.
weiß, lila, grün, höre was ich hören will, fühle, was ich nicht fühlen will und rede, obwohl ich nichts sagen kann.
Präventivparanoia in meinem Nacken und an meinen Fersen.
Verse.
Verse, nicht Zeilen, Idiot. Bilder, nicht Fotos. Schneiden, nicht reißen. 
Reiß nicht an mir, schneid mich ab. Vergrab mich tief, dorthin wo kein Licht fällt und kein Ton dringt.
Beerdige mich nicht, basteln muss ich mir meinen Kokon selbst.
Nicht mehr lange.
Warte noch ein wenig.

Ich kann nicht warten, also reiß.
Schneid mich nicht ab, reiß mich in Fetzen, bis nichts mehr übrig bleibt.
Ich will nur dein Bestes.
Lass uns den Kirschkernspuckwettbewerb wagen - du kannst nur gewinnen.
Die Fetzen schenken dir den Sieg. Gewinnen ist nicht wichtig.
Nur Taubheit, Leere und der dumpfe Schmerz.
Du willst dies doch nicht, also gib es mir!

Schneid mich, zerreiß mich, doch friss mich nicht.
Meine Haut ist kein sicherer Ort, um sich zu verkriechen.
meine Haut ist kein Anzug, nur weil sie in Fetzen hängt, darfst du sie dennoch nicht missbrauchen.
Lass es liegen. Er, Sie, Es, wie auch immer.
Sobald sich nichts mehr dreht, kann ich mich bewegen.
Hört doch auf, euch zu drehen.

Kay, lass das Kay, steh auf Kay, sieh mich an Kay! Wo ist deine Farbe hin und deine Wärme?
Komm Kay! Wir müssen gehen Kay! Kay, bring mich nicht zum weinen.

Wein nicht, lass mich hier, eingefroren und herzlos. Wein nicht, ich taue nicht auf, ich möchte nicht, lass mich bitte hier.
Aber geh nicht, nimm mich mit, ich ertrage nicht, lass nicht zu, dass ich es ertragen muss.
Und nun geh, dir bleib nicht viel Zeit. Sieht du nicht die Gefahr? 
Wie dumm, wie naiv, wie treu, wie grausam du bist.
Geh, ich habe keinen Platz für dich.
Es wütet in mir, ich habe keinen Platz mehr für noch mehr Worte und noch mehr Gefühle und noch mehr Schwierigkeiten und Dummheiten.
Lass mich bitte endlich allein.
Lass mir meine Einsamkeit nicht!
Sie macht meine Augenlieder schwer und drückt mir auf die Brust. Sie hält mich fest und ihre Wohltat bringt mich um.
Zwing mich, ertrag meinen Hass, liebe mich trotzdem.
Gerda, bitte.
Sei streng, gib mich nicht auf, verschließ meine Wunden, brenn sie aus, mit glühenden Eisen und Alkohol, tu mir dabei weh!
Aber verlass mich nicht. Es ist nicht zu viel verlangt, es ist nicht zu schwer!
Bitte lass mich nicht allein.
So tapfer, so mutig. Die Arme müde von den Schlägen ins Nichts.
Brich mich einfach, lass mich hier, ich wage nicht zu fordern.
Ich schaffe es alleine.
Nein, ich will nicht reden! Rede nicht, tu!
Tu es nicht, lass mich weiter balancieren auf dem schmalen Grad zwischen Mut und Schwäche. Lass meine Füß bluten von der Scham vor mir selbst.
Lass mir meinen Zwiespalt zwischen Liebe und Hass zur Einsamkeit, Abhängigkeit und Stolz.

Lass mich in Frieden.

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