Parkbank
Wenn Sommer ist, den man nicht fühlen kann. Wenn Winter ist, den man nicht fühlen kann. Wenn man nichts fühlt, nur das.
Die Vögel zwitschern, die Sonne
scheint, es ist warm. Jette bemerkt davon nichts. In ihr ist es kalt,
still und gespannt.
Ein warmer Windzug, ein kalter Schauer kriecht
ihr den Rücken hoch und lässt sich ihre Nackenhaare aufstellen. Da
vorne die lachenden Kinder bei den Enten. Sie hört sie, sieht sie
nicht.
Jette wartet. Auf den Anruf ob die Mutter es geschafft hat.
Immer wieder zuckt sie zusammen, bildet sich das Klingeln ihres
Handys ein, aber da ist nichts. Da ist nichts, nur das fröhliche
Zwitschern, von dem sie ohnehin nichts merkt. Wie lange sie da schon
sitzt. Sie weiß es nicht. Mit wem sie alles schon gesprochen hat?
Oma, Opa, Papa, Tante, Oma, Oma, Tante, Onkel, Oma, Tante, Opa,
Tante, Onkel, Papa, Oma, Opa, Onkel, Onkel, Tante, Oma, sie weiß es
nicht.
Sie sitzt da, wartet. Isst nicht, weil Übelkeit, schläft
nicht, weil Aufregung, sitzt nur. Und plötzlich ertönen „The
Rolling Stones“ mit „Shine a light“. Papa, abheben, versuchen
nicht so sehr zu zittern, dass sie die Nachricht noch verpassen
könnte. Sie hofft nur, dass das Beten, das Bei-Ihr-Sein und die
Gedanken geholfen haben. „Sie hat es geschafft“ und von ihr
platzt der Panzer aus Stille, Traurigkeit und Verzweiflung. Sie
brechen aus ihr heraus, die Tränen.
Es ist plötzlich Raum, um die
Vögel zwitschern zu hören, den Sommer und die Wärme riechen und
einkehren lassen zu können und die Freude um sich herum
wahrzunehmen. Sie steht von der Bank auf, rennt los, aus dem Park,
über Straßen in die Klinik. Die Treppen hoch, Gänge entlang, durch
Türen hindurch. Da ist das Zimmer, da ist die Scheibe zum
Durchschauen, da sitzt Papa, da liegt Mama mit Augen offen. Mama hat
die Augen offen und dann sieht sie Jette und lächelt. Während Papa
ihr durch die Haare streicht und Jette vor lauter Erleichterung nur
noch weinen kann.
Tags: Warten, Erleichterung


Kommentare
... rennt los...
wow, gänsehaut pur!
19.02.2012, 18:04 von missbutterfly400Ich finde den Text eher mäßig. Ich kenne die Situation die du beschreibst, nur leider finde ich das deine Beschreibung irgendwo auf der Oberfläche dieser Gefühle herum herumdümpelt.
17.02.2012, 08:44 von Tante_SallyWow. Du hast die Gefühle, die man in dieser Situation hat wirklich gut beschrieben. Gerade diese Hilflosigkeit. Man sitzt und kann nichts tun außer warten und hoffen und versuchen stark zu sein. Aber es ist schön, dass es hier wenigstens ein Happy End gab, das gibt es leider viel zu selten in der Realität.
15.02.2012, 12:22 von SpinningJenniIch weiß leider viel zu gut, wie sich das anfühlt und muss immer wieder weinen, wenn ich mich an die Angst um meinen Vater erinnere.
15.02.2012, 11:30 von lalinaEine Formulierung gefällt mir gar nicht: da liegt Mama mit Augen offen. Ich finde, mit offenen Augen würde sich viel schöner lesen.
mit offenen, wachen Augen.
15.02.2012, 11:36 von Jackie_Greyoder so...
15.02.2012, 11:38 von lalinamit wachem Blick.
15.02.2012, 11:51 von NeverGrowUp15.02.2012, 11:25 von Jackie_Grey
Ich finde, dass dieses erlösende Gefühl sehr gut rüberkommt. Bin neugierig,was da jetzt eigentlich war. Fortsetzung?
15.02.2012, 11:16 von independentdreamerIch würde sagen, eine Operation, bei der nicht klar war, ob sie sie überleben würde.
15.02.2012, 11:21 von NeverGrowUpJa, aber Operationen gibt es ja viele. War es eine Krankheit mit der sie länger schon gekämpft hat oder plötzlich kam etc. Sowas eben.
15.02.2012, 11:26 von independentdreamerDas ist doch nicht wirklich wichtig, ob das nun eine spektakuläre OP war, wie ich finde.
15.02.2012, 11:30 von Jackie_GreyWenn unsere Lieben eine OP zu überstehen haben, und hier ist es die Mutter, dann ist das immer schlimm und beänstigend. Jede OP birgt Risiken und jeder Mensch bangt um seine Liebsten.
Ich weiß, mir ist auch klar, dass es mehr um dieses erdrückende, unwissende Gefühl geht. Trotzdem bin ich neugierig :D
15.02.2012, 11:32 von independentdreamerZu schreiben, um was genau es geht, um welche Krankheit im Detail, das macht den Text überhaupt nicht besser. Also damit wollte ich jetzt nicht sagen, dass er schlecht ist. Ich finde es nur, genau wie Jackie, einfach irrelevant.
15.02.2012, 11:34 von NeverGrowUpIrrelevant für den Text und das Gefühl versteht sich.
15.02.2012, 11:34 von NeverGrowUpDer Text braucht keine Fortsetzung. Er spricht für sich und lässt auch keine Fragen offen.
15.02.2012, 11:35 von lalinaAlso, bevor du Nächte lang überlegst, was es für eine OP war, erlöse ich dich. Es war keine OP, es war auch keine Krankheit. Die Beziehung zu meinem Freund stand auf der Kippe und ich habe gewartet, bis er sich meldet, seine Gefühle geordnet hat und mir dann sagt, was ist. Wenn du dir die Geschichte anschaust, siehst du, dass es ein Happy End gab!
15.02.2012, 22:13 von ErdoelsammlerinAlso entweder bin ich zu müde, oder ich kapiers nicht oder ich weiß auch nicht. Der Text handelt doch eindeutig davon, ob deine Mutter nun überlebt/die OP gut überstanden hat oder nicht und nicht, ob du noch mit deinem Freund zusammen bist oder nicht. Oder soll das eine Metapher sein? Falls ja, find ich das sehr weit hergeholt, eine überlebenswichtige OP mit der Frage gleichzustellen, ob man noch eine Beziehung führt oder nicht. Und falls ich alles falsch verstanden haben sollte, tut es mir Leid.
15.02.2012, 23:11 von NeverGrowUpMir ging es nicht darum, die Situation zu schildern, sondern meine Gefühle darzustellen, zu verdeutlichen und für andere verständlich zu machen. Genau das habe ich hier getan und alle haben es verstanden. Es geht in den Text um Erleichterung, nicht um die Bedeutung von Müttern oder OP-Gründe. Es ist doch nur ein Artikel, er muss nicht auf realen Tatsachen beruhen, oder sehe ich das falsch? Aber es ehrt mich, dass es so wirklich rüberkam, dass man die Situation glaubt. Ich bin unglaublich froh darüber, so eine Situation noch nie erlebt haben zu müssen, in der das Leben eines mit wichtigen Menschen auf der Kippe stand.
16.02.2012, 00:27 von ErdoelsammlerinWarum hätte man die Situation nicht glauben sollen?
17.02.2012, 08:36 von Tante_SallyIch fühle mich von dem Textinhalt inzwischen verarscht.
17.02.2012, 13:17 von Jackie_GreyDu sagst es, Jackie.
17.02.2012, 13:22 von lalinaFreut mich, lalina. Es musste mal raus :D
17.02.2012, 13:24 von Jackie_Grey@Erdoelsammlerin: Ich frage mich warum du dann nicht über eine (fast) gescheiterte Beziehung geschrieben hast, anstatt über eine offenbar lebenswichtige OP, weil für mich sind das zwei paar Schuhe. Sicherlich wolltest du den Lesern das Gefühl des Wartens und der Unsicherheit nahe bringen, aber für mich hat es nun leider auch den faden Beigeschmack des Mitleidherzchenssammelns.
17.02.2012, 13:42 von Tante_SallyIch finde den Text inzwischen geschmacklos.
17.02.2012, 13:44 von Jackie_GreyJackie, ich habe es dir nachgemacht.
17.02.2012, 13:46 von lalinaDu hast dir dein Herz zurückgeholt... Super!
17.02.2012, 13:49 von Jackie_GreyOh gute Idee! Das alles erntet bei mir nur noch Kopfschütteln.
17.02.2012, 14:47 von NeverGrowUpokay... das sollte mein Kommentar nicht auslösen...
17.02.2012, 18:46 von independentdreamerWas mindert denn die Qualität des Textes, nur weil er nicht auf autobiographischen Tatsachen beruht? Habe ich das jetzt richtig verstanden, dass die Arbeit der Autorin verurteil wurde, nur weil sie uns nicht Details aus ihrem wirklichen Leben berichtet? Muss das denn immer sein? Das ist doch albern, dass ein Werk nur gut ist, wenn es authentisch ist...
17.02.2012, 22:23 von KapitulationistDann fassen wir doch nochmal zusammen. Die Beziehung der Autorin stand auf der Kippe weil ihr Freund seine Gefühle ordnen musste. Diese Gefühl des Wartens wollte die Autorin uns nahe bringen und packte dieses in eine Geschichte in dem es um ihre Mutter geht die offenbare eine lebenswichtige OP bekommt. Das kann in meinen Augen schonmal nicht funktionieren weil warten nicht immer gleich warten ist. Ich gebe dir recht das ein Text nicht immer autobiographisch sein muss und das er nur gut sein kann, wenn er aus dem waren Leben berichtet. Ich glaube das Problem hier ist einfach das die Autorin hier eine recht einfach gestrickte Geschichte geschrieben hat, die über eine schwere OP ihrer Mutter berichtet, bei der man ersteinmal auf Grund der Schreibart davon ausgeht das sie auf einer realen Begebenheit beruht. Ich glaube bei solchen Themen sollte es immer erkennbar sein, ob die Geschichte fiktiv ist oder nicht und sei es nur dadurch das sie nicht in der "ich" Form erzählt wird. Weil manche Leser geben ja auch Herzchen, nicht weil sie den Text von handwerklichen so gut finden, sondern weil sie das Schicksal berührt. Darum erweckt es bei mir auch den Eindruck, dass die Autorin versucht Miteidsherzchen zu sammeln indem sie das eigentliche Grundgedanken dramatisiert. Ist aber nur der Eindruck, den es bei mir erweckt. Sollte ich ihr damit Unrecht tun bitte ich natürlich um Entschuldigung. Ich würde mich freuen wenn Erdoelsammlerin sich noch selbst zu dieser Diskussion äußern würde.
18.02.2012, 08:11 von Tante_SallyIch finde, die Mutter wurde hier für Zwecke missbraucht, die fern meiner Vorstellungswelt liegen.
18.02.2012, 11:38 von Jackie_GreyIch wünsche mir jede Angst, und sei sie noch so schmerzhaft, um eine Liebesbeziehung zurück, wenn ich dafür wüsste, dass ich nie wieder um das Leben eines geliebten Menschen bangen muss. Der Text ist für mich ein Verrat an dem tatsächlichen Gefühl.
18.02.2012, 11:44 von lalinaAlso ich muss gestehen, dass ich es sehr traurig finde, dass man sich hier jetzt so über diesen Artikel aufregt. Was heißt hier Mitleidsherzchen ... Es ging mir um ein Gefühl und es erschien mir am leichtesten es so darzustellen. Es ist eine unkomplizierte, für jeden Menschen verständliche und nachzuempfindende Situation, in der ich keine Umstände hätte schilern müssen. Natürlich kann man eine Beziehung nicht mit dem Leben der Mutter gleichstellen, aber das tue ich auch nicht. Jeder der mir das unterstellt, hat nicht verstanden worum es mir ging. Ich habe meine Gefühle verarbeitet. Dabei sage ich ja nicht, dass sie immer in jeder Situation gleich sind. Nur hätte ich euch nicht gesagt, wie es wirklich zu diesem Text kam, hätte sich keiner beschwert. Alle hätten es so hingenommen und "NeverGrowUp" schriebt noch, "Ergreifend". Was spielt es denn für eine Rolle was wirklich war, wenn man diese Gefühle halt hat. Egal wie man sie nachher verpackt, sie waren halt da und für euch nachvollziehbar. Ich komme mir hier vor wie in einem Haufen Kleinkinder, die sich über das "Übergemalte" in einem Mandala schrecklich aufregen. Lasst mir doch meine Freiheit zu schreiben wie und was ich will, egal ob es stimmt oder nicht, solange es berührt. Ich habe mich hier jetzt nur nochmal geäußert, weil es erwünscht war, aber am liebsten würde ich alle Kommetare löschen, weil ich es einfach schade finde, dass mein Artikel, in den ich meine Gefühle gesteckt habe, von so Negativem und aus meiner Sicht gemeinen Dingen geziert wird.
18.02.2012, 15:18 von ErdoelsammlerinMich hat der Text nicht berührt, darum habe ich dir auch kein Herzchen geben und ich möchte in keinster Weise gemein zu dir sein und bitte um Entschuldigung wenn es so bei dir ankam. Ich äußere lediglich meine Meinung und meine Ansichten. Aber du sagtest doch das der Text entstanden ist als deine Beziehung auf der Kippe stand und das du dieses Gefühl verarbeiten wolltest. Das hast du dann in einem Text getan die über die schwere Erkrankung deiner Mutter handelt. Für mich sind das einfach zwei Paar Schuhe und ich erkenne da auch nicht wirklich den Zusammenhang weil es für unterschiedliche Gefühlswelten halte. Ich hätte es besser gefunden wenn du dann einen Text über deine Beziehung geschrieben hättest. Ich gebe dir in dem Punkt recht das Schweigen manchmal Gold ist. Ich glaube das was den anderen hier aufstößt ist einfach die Tatsache das sie deinen Text für autobiographisch hielten und im hinterher sich herausstellt das er es nicht ist. Vielleicht sind sie auch verärgert weil sie das Gefühl kennen um einen lieben Menschen zu bangen und diese Gefühl in einer gewissen Weise "mißbraucht" sehen. Du kannst auch sicherlich schreiben was du willst, die Freiheit nimmt die niemand. Ach ja und danke das du dich nochmal geäußert hast. Finde ich gut.
18.02.2012, 15:36 von Tante_Sallyganz ehrlich, kommende woche gibt es solch eine situation bei einem geliebten menschen von mir und ich persönlich finde es gar nicht wirklich vergleichbar. denn in der liebe exisitiert dann wenigstens noch der andere.
18.02.2012, 15:44 von pfeffMich hat der Text auch nicht wirklich groß berührt, auch wenn ich erst vor kurzem um einen geliebten Menschen bangen musste. Das liegt aber nun daran, dass das Formale und der Ausdruck nicht mein Geschmack ist. Ich möchte jetzt gerne meine Meinung dazu äußern: Der Autor hat zu bestimmen, was offensichtlich erkennbar sein soll und was nicht, der Rest hängt von der Auffassungsgabe des Lesers ab. Natürlich ist es eine schlichte, einfach gestrickte Geschichte aber seit wann sagt solch ein Schema etwas über den Realitätsgehalt des Werkes aus? Das ist doch totalitär, hier stets die gleiche Verbindung vorzugeben und wird nicht immerzu praktiziert. Berührt uns dieses Schicksal denn nicht trotzdem? Ausschlaggebend soll in der Kunst nicht bedingt das Gefühl des Verfassers sein, sondern das Gefühl, was er uns vermittelt! Sowohl die Dramatisierung als auch die "Ich-Form" sind legitime Gestaltungsmittel der Kunst, seit wann sagen sie etwas über einen Realitätsgehalt aus? Das ist mir neu. Vielleicht assoziiert der Leser so zu einer vorgegebenen Wirklichkeit, doch wer hat das Recht, es als Gesetz zu erstellen, dass es eben jene Wirklichkeit umfasst? Kunst sollte man meiner Meinung nach von Realität ebenso wie Kirche von Staat trennen oder es zumindest versuchen. Eine Idee ist für mich meist fast sogar wertvoller, wenn der Träger selbst gar nicht 1:1 dahinter steht. Das bietet doch eine viel objektivere Sicht und das ist auch mitunter ein Grund, Werke, die aus diesem Standpunkt sprechen wollen, zu schätzen, eben weil hier nicht das eigene Tagebuch verfasst wird. Ich kann es nicht ganz nachvollziehen, bezüglich dieses Textes eine pathetische Ethik-Diskussion zu eröffnen, wegen dieser einen Aussage auf eine Frage, die man einem Künstler gar nicht stellen sollte! Ohne diese Info hätte diese Desillusionierung gar nicht stattgefunden, schade! Also, was ich sagen möchte, versucht doch einfach bitte diese Verbindung zu trennen und achtet mehr auf die Aussage des Textes und die dahinter waltende Geisteshaltung der Autorin, denn sie hatte sicherlich nicht die diabolische Absicht, eine solche Situation zu diffamieren.
19.02.2012, 00:37 von KapitulationistErgreifend. Mir gefallen die kurzen Formulierungen.
Eine Kleinigkeit: "In ihr ist es kalt, stillt und gespannt."
Bei stillt ist ein t zu viel.
15.02.2012, 11:12 von NeverGrowUpDanke, hab es korrigiert! :)
15.02.2012, 21:57 von Erdoelsammlerin