Oma- und Tantengeschenke
Wie sehr muss man sich über ätzende Geschenke freuen?
Okay, klarer Fall: Geschirrtücher, Baumwoll-Schlüpfer, Bärchen-Schlafanzüge, Hemd-und-Krawatte-Set in mintgrün, eine CD von Elton John („Den mochtest du doch immer so gern“) oder irgendein „praktisches“ Elektrogerät von Tchibo. Geschenke dieser Art sind klassische Mütter-, Oma- oder Tantengeschenke. Und für diese hat man sich im Lauf der Jahre eine Mütter-, Oma- oder Tanten-Dankbarkeit antrainiert: „Äh, schön, Mama, einen Schlafanzug kann man immer gebrauchen.“
Wie singen Kettcar doch gleich? Das Gegenteil von „gut“ ist „gut gemeint“.
Trotzdem: Richtig böse kann man wegen eines Schlafanzugs oder einer Elton-John-CD nicht sein, spiegelt das Geschenk doch nur die Tatsache wider, dass man sich nicht mehr so oft sieht und ein wenig den Einblick in das Leben des anderen verloren hat. Mutter denkt eben noch immer, dass man zu den Liedern von Elton mitsingt, nur weil man das mit vierzehn getan hat (zwei Monate lang, und NUR im Zusammenhang mit dem „König der Löwen“).
Aber was ist mit den Geschenken, die uns die engsten Menschen um uns herum schenken? Die beste Freundin oder der Partner? Die Menschen, die uns am besten kennen, und genauestens wissen sollten, was wir mögen uns was nicht? Was, wenn man von der besten Freundin ein Innereien-Kochbuch geschenkt bekommt, obwohl man höchstens einmal im Monat Fleisch isst und in Sachen Kochen eher mäßig ambitioniert ist? Da darf man doch irritiert sein. Mindestens.
Ein Geschenk spiegelt schließlich wider, wie gut uns ein anderer kennt, wie sehr er sich Gedanken gemacht hat. Nur: Wie deutlich kann man seine Enttäuschung zeigen – ohne den anderen vor den Kopf zu stoßen? Ist es angebracht, diesen „Du solltest-mich-doch-besser-kennen“-Blick aufzusetzen? Oder gar danach fragen, das Geschenk umtauschen zu dürfen? Vielleicht hat uns auch der Fußgängerzonen-Konsum-Irrsinn in den letzten Jahren so balla gemacht, dass wir Weihnachten mit schier unerfüllbaren Erwartungen aufladen und gar nicht mehr verstehen, worauf es wirklich ankommt? Was meint ihr? Wart ihr schon mal richtig enttäuscht von einem Geschenk?


Kommentare
so lange...bis Tantchen wieder zur Tür raus ist...dann schnell in die Schublade zu den anderen Sachen, damit nichts drankommt, später mal wo anders hinverschenken oder verkaufen...wenn Tantchen fragt, sagen das dolle Dingen wäre gestohlen worden. Oder sich superhilflos zerstreut geben...
30.01.2009, 23:04 von stammhirnwieso kettcar?das war tucholsky der alte checker....der diesen ausspruch gemacht hat...
12.01.2009, 14:26 von Robsi1986ist blöd,dass man die geschenke denn immer selber wegschmeißen muss....
22.12.2008, 19:12 von zzebraAm besten ist immer noch der Nichtabgriffspakt: Abmachung, man beschenkt sich gegenseitig einfach nicht, sondern kauft sich für dieses Geld den Krempel, den man (nicht) braucht, einfach selbst. Da weiß man, was man will und worüber man sich freuen kann. Wahre Freude machen geht anders, als sich ersatzweise mit unkreativem Zeug auf die Zeiger zu gehen und aufdringliche Goldgirlanden-Lächel-Ware auszutauschen. Das ist nicht nur ehrlicher, sondern auch weihnachtlicher im weiterem Sinne. Da schenkt man sich besser Zeit, Liebe, ein offenes Ohr und Verständnis. Den Rest des Konsumwahns besorgt man sich dann selbst bei Bedarf. Oder man hatte es einfach nicht nötig. Aber das ist nur meine bescheidene Ansicht, denn das muss jeder für sich selbst entscheiden, wie er es handhabt. Ausnahme dabei: Kinder. Kinder zu beschenken ist einfach wundervoll. Die machen wenigstens auch ehrliche ordentlich lange Gesichter, wenn das Spielzeug nur ein hirnloser Alibi-Scheiß ist, den man sich besser als Geschenk erspart hätte.
zz.
hatte man es die letzten tage nich schon mit dem schenken? komisch...
22.12.2008, 15:27 von marco_frohbergerich glaub, manchmal kann es schon unglaublich unkreativ wirken, wenn man blindlinks in den nächsten laden läuft, nur damit man am heiligabend nicht mit leeren händen dasteht. da kommen ungetüme zusammen, die mir nicht in den kühnsten träumen einfallen würden.
wie schon erwähnt wurde, ist es nicht selbstverständlich, geschenke zu bekommen und wenn es dann doch so ist, dass man schenken will, ist schonmal der einfallsreichtum gefragt, der einem übers jahr hinweg gesehen nicht überfällt.
ist wohl immer eine gratwanderung, jemanden zu zeigen, ob man enttäuscht ist oder ob man sich freut. wenn man mal daneben liegt, können ja beide parteien herzlich wenig dafür, schließlich wollte man nichts falsches schenken und die aufregung ist viel geringer, äußert man sich darüber und lässt nicht alles im ungewissen, indem man fadenscheinig behauptet, es gefiele einem.
:)
Mein schlimmstes Weihnachtsgeschenk kam auch von einer Tante, und war ein dickes Babyrosafarbenes Badetuch mit meinem Namen im dunkelstem Pink drauf.
22.12.2008, 14:47 von LeyluraLegbreakerDabei ist mir, als Freizeitdeathmetalerin erstmal die Kinnlade runtergegangen. "Oh...äh...danke", Bussis aufgedrückt und erstmal auf den Schock einen großen Schluck Martini genommen. Ähnlich schlimm erging's meiner Stiefmutter, welche von einer Busenfreundin (nunja, nach diesem Weihnachten halt "ehemalige Busenfreundin") einen kitschigen schwarzen Drachen geschenkt bekommen hatte, in welches man Räucherstäbchen reinstecken konnte, und aus dessen Maul dann der Rauch rauskam. Igitt. Aber nuja, ich hab ihn danach gerne gegen das Handtuch eingetauscht, passt wenigstens farblich und thematisch in mein Bücherregal.
Meine Devise ist: Gute Miene machen, egal was da kommen mag, immerhin hat man so irgendwann vor mehr oder weniger verständnisvoll/tröstend/schockiert- guckenden Freunde Anekdoten zum besten zu geben.