N-a-J-a 30.11.-0001, 00:00 Uhr 38 36

Nur wir zwei.. und ein bisschen Alltag.

Ein bisschen Alltag. Wie jeden Morgen… nicht für immer.

„Lass uns bis zu den Sternen schaukeln und dabei den Mond mit den Füßen berühren.

Lass uns einen Löwen reiten und ein Einhorn fangen.

Lass uns den Topf voll Gold am Ende des Regenbogens suchen, einfach um ihn stehen zu lassen.

Lass uns ins Meer tauchen, bis an den Grund und noch viel weiter.

Lass uns Unmögliches möglich machen.“

Du liegst vor mir. Riesige Augen. Keine Hoffnung mehr für dich, nur noch Hoffnung für mich. Möchtest, dass es mir gut geht. Du spendest mir Trost, obwohl ich dir Trost spenden sollte. Ich versuche zu lächeln, für dich.

„Ja, das machen wir. Nur wir zwei.“

Ich krieche in dein Bett, vorbei an den Schläuchen, die dich zu verschlingen drohen. Überall Schläuche. Alles wird gut, denke ich mir. „Alles wir gut“, sagst du. Ich glaube dir nicht, mir schon lange nicht mehr. Ich halte dich fest, will dich nicht mehr loslassen, nie mehr. „Du erdrückst mich“. Du kicherst. Ich versuche zu lächeln. Stark sein, denke ich. Sei stark!

„Weißt du“, sage ich, „du bist mein Lieblingsmensch.“

Du lächelst und schweigst. Du weißt es, du wusstest es schon immer und wirst es immer wissen. Ich habe dafür gesorgt. Ich habe dir all meine Liebe gegeben und noch mehr.

Knochenkrebs, einfach so. Ganz plötzlich. Keine Heilungschancen mehr. Alles versucht. Nichts hilft mehr. Nimm lieber mich, denke ich, aber das Schicksal lässt sich nicht ändern. Wut, Trauer, Hilflosigkeit.

„Weiß du, ich werde die Sonne vermissen.“ „Ach, die Sonne?!“ Versuche ich zu scherzen. „Was ist denn mit mir?“ „Naja, also hättest du mir früher nicht immer meinen Schokopudding weg gegessen, dann würde ich dich vielleicht auch vermissen“ Jetzt muss ich kichern. „So nachtragend, kleiner Bruder?!“ Knuffe dir in die Seite. Du lachst, du hustest, wir schweigen.

„Ich muss jetzt los zur Schule.“ Ich kämpfe mich aus dem Schlauchdschungel. Stelle mich hin, lächle dich an. Ein Kuss zum Abschied.

Ein bisschen Alltag.

Wie jeden Morgen… nicht für immer.

Lass uns Unmögliches möglich machen, denke ich und verlasse dein Zimmer.

 


Tags: Verluste
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38 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Schön geschrieben...

    31.10.2014, 10:40 von ElaE
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  • 0

    lass mal gut sein und lass mal los.

    29.10.2014, 11:31 von MissesWolke
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    • 1

      Genauso.. irgendwie Alltag und eben doch überhaupt nicht. Und zusammen ist man definitiv stärker als alleine. Stark für jemanden zu sein und gestärkt zu werden ist irgendwie tröstlich... habe  ich jedenfalls so empfunden.

      24.10.2014, 10:23 von N-a-J-a
    • 1

      Finde den Text irgendwie besser als den eigentlichen. 

      24.10.2014, 10:32 von xleiaorganasolox
    • 0

      ich habe den text nicht gelesen. weil ich schon bei " das bisschen krebs" in die luft gehe.
      ein bisschen krebs gibts genauso wenig wie ein "bisschen schwanger".
      ich könnte, auch ohne chemo - bei solchen - strunz blöden überschriften schon in die ecke kotzen
      dafür hab ich einfach zuviel mitgemacht.
      evt tue ich der autorin unrecht. aber bei manchen themen sollte man seine worte besonders gut und vorsichtig wählen.
      ach und im übrigen- ich kann auch leute nicht leiden , die bei unangenehmen/ grellen  dingen von " da krieg ich augenkrebs" etc sprechen.
      irgendwie bin ich bei diesem thema humorbefreit...
      und danke lavish für den kommentar. der ist  nachvollziehbar und entspricht meiner erfahrung.

      24.10.2014, 22:09 von yuhi
    • 0

      "..ein bisschen Krebs" hat mein Bruder gerne zu mir gesagt, daher der Titel. Mir ist durchaus bewusst, dass ein "bisschen Krebs" einen absolut ironischen Beigeschmack hat..  immerhin weiß ich, dass man auch an einem bisschen Krebs sterben kann.
      Hat wenig mit Humor zu tun.

      24.10.2014, 22:35 von N-a-J-a
    • 0

      wenn du möchtest, dass man den artikel liest, dann würde ich einfach einen anderen titel wählen.
      evt sind andere weniger abgeschreckt als ich... aber das ist ja immer so..

      24.10.2014, 22:37 von yuhi
    • 0

      Danke für den Tipp, nehme ich mir zu Herzen..

      24.10.2014, 22:38 von N-a-J-a
    • 0

      Finde den neuen Titel (auch) viel besser! auch wenn ich nur wegen des vorherigen Titels den Text angefangen habe zu lesen (pers. Bezug und so) ...

      24.10.2014, 23:28 von Zauber_Bar
    • 0

      ... ich wünsche viel Kraft, weiterhin!

      24.10.2014, 23:32 von Zauber_Bar
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 2

      Hast recht, heute ärger ich mich auch drüber. Wollte keinem aufn Schlips treten, aber:

      "Fuck Cancer!" Sagt alles und Leute, die keine Ahnung haben wie es ist Menschen an so eine verfickte Krankheit zu verlieren sollten besser die Klappe halten!

      So und jetzt bin ich raus aus diesen sinnfreien Diskussionen über: Schläuche (hier muss ich ja noch mal sagen: alleine mir zu unterstellen, ich würde diese Krankheit dramatischer ausgestalten wollen, lässt mich kotzen), ein bisschen Krebs und ähnliches.

      Freu mich über sinnvolle Kommentare! Danke!

      25.10.2014, 10:47 von N-a-J-a
    • 0

      Ui, ein neuer Titel! Schön! Freut mich :)

      25.10.2014, 12:30 von yuhi
    • 3

      ich ärger mich über die unbedachten aussagen unter deinem text. 

      der titel ist dir überlassen, und wenn er für dich bedeutung hat, dann lass dir das nicht von irgendjemandem nehmen. du musst es hier niemandem recht machen. schon gar nicht leuten, die den text nicht mal lesen! ich finde den ersten titel, so wie die geschichte sehr berührend. 
      es tut mir sehr leid für dich und deine familie.

      28.10.2014, 13:44 von pocket
  • 0

    mir ist schon der titel suspekt...

    23.10.2014, 22:48 von yuhi
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  • 0

    Sehr berührende Geschichte, Beziehungen sind das wichtigste was wir im Leben haben.

    23.10.2014, 20:03 von jananeon
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  • 1

    Wozu sind die ganzen Schläuche gut? An einem Tropf kann er  hängen, ja, aber das ist ja nur ein Schlauch. Ich glaube es wurden hier der Dramatik wegen Schläuche einfach dazuerfunden.



    23.10.2014, 09:40 von Einnahme_ohne_Wasser
    • 0



      Die Schläuche stehen für jede Art von Behandlung bis hin zur
      Schmerzlinderung um zu heilen und zu helfen. Quasi Symbol und Tatsache.



      23.10.2014, 09:53 von N-a-J-a
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 2

      Möchte niemanden verpönen. Text basiert auf einer realen Erfahrung. Aber danke für den literarisch durchaus wertvollen Tipp. Werde ich in meinem nächsten Text berücksichtigen.

      23.10.2014, 15:47 von N-a-J-a
    • 0

      Ich glaub ja mal das ihr keine Ahnung von sowas habt. Ich könnte euch aus dem Stegreif 10 "Schläuche" aufzählen. Versucht doch sowas nicht runterzuziehen wenn ihr nicht wisst was ihr sagt. Es ist leider nicht dramatisiert sonder leider oft die Wahrheit.

      29.10.2014, 22:42 von MissesWolke
    • 1

      Wer sagt das wir davon keine Ahnung haben? Ich war oft in Krankenhäusern und auch auf der Onkologie. Ich bitte dich jetzt 10 Schläuche aufzuzählen die an einem Patienten mit Knochenkrebs hängen können aus dem Stegreif. 

      30.10.2014, 09:11 von Einnahme_ohne_Wasser
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 1

    Bewegende Worte. Da entsteht bei mir ein Kloß im Hals und ich weiß gar nicht, was ich denken soll.

    Du hörst dich stark an!
    Alles Gute für euch!

    22.10.2014, 21:19 von suspendstonvol
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  • 0

    einfach zu traurig, weil immer wieder wahr. 

    22.10.2014, 20:01 von Kathue-tata
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  • 2

    Ein "mag ich" drücke ich für einen solchen Text. Dann erscheint ein leichtendes Herz als Anerkennung für einen guten Text. Ja, ich mag solche Texte, die Schreibweise, die mich irgendwo trifft, wo ich es nicht vermutet hatte. Und doch ist es immer ein beklemmendes Gefühl, wenn ich die Realität hinter den Worten erkennen vermag. Aber was bleibt mir übrig? Der realen Personen hinter diesem Artikel wünsche ich alles, was ich in Worten nicht ausdrücken kann. 

    22.10.2014, 19:17 von jetsam
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