Nur ein Raum
Für die einen ist es der Verbindungsraum einer Wohnung, für mich ist es mehr.
Der Raum oder Ort an den ich mich erinnere und den ich unmissverständlich mit meiner Kindheit in Verbindung bringe ist der circa 12 Meter lange Flur in der Wohnung meiner Großeltern.
Dot habe ich mit drei Jahren mein neues Fahrrad ausprobiert oder bin mit fünf Jahren das erste Mal mit dem roten Elektro- Motorrad gefahren. Außerdem habe ich unglaublich gerne mit meiner Kusine „Rollstuhlrennen“ gespielt. Dazu mussten wir mit den Sanduhr ähnlichen Plaste- Höckern meiner Großmutter möglichst schnell über den Flur rollen.
Der Raum besaß keine Fenster, wohl aber verband er, was ja typisch für einen Flur ist, die Räume der Wohnung miteinander. Alle Wände und die Decke waren von meinem Opa mit hellem Holz vertäfelt wurden und der Teppich auf dem Fußboden war von einem dunklen, nicht definierbaren, Blumenmuster bedeckt.
Wenn man die Schiebetür vom Eingang zur Tür öffnete, so hatte man links von der Tür eine circa vier Meter lange dunkle Garderobe die sich bis zur Toilettentür hinzog. Rechts vom Flureingang war gleich unser Kinderzimmer.
Hier, in dem oberen Teil des Flures, haben wir immer lustige Buden, die eigentlich keine Buden sondern ein großer Haufen bunter Decken übereinander waren, gebaut. Alternativ haben wir auch LEGO gebaut oder uns gegenseitig Haselnüsse verkauft.
In diesem oberen Teil störten wir auch niemanden und standen meiner Großmutter nicht im Weg, die immer vom Wohnzimmer in die Küche lief.
Wenn man den Flur von der Toilettentür weiter beschreiben will so kommt nach circa drei Metern die Küchentür. Zu Kinderzeiten stand zwischen Toilette und Küche eine dunkle Holzvitrine, die mit zahlreichen Nippes voll gestellt war.
Auch sonst war die Wohnung, und natürlich der Flur, mit zahlreichen Nippes voll gestellt gewesen.
Vielleicht fühlten wir uns darum so wohl? Weil wir so die Möglichkeit hatten uns zurück zu ziehen!? Ich weiß es nicht.
Ich weiß aber, dass ich den Geruch von Zigarettenqualm und deftigen Essen immer mit meiner Kindheit und der Zeit bei meinen Großeltern verbinde.
In meiner Erinnerung hatte meine Großmutter immer was zugekocht. Sie war eigentlich pausenlos zwischen Küche und Wohnzimmer unterwegs.
Darum war es durchaus von Vorteil, dass sich die Wohnzimmertür gleich gegenüber von der Küche befand, quasi auf der rechten Seite, am Ende des Flures. Wenn man von dort zurück zum Eingang geht befindet sich gegenüber der Toilettentür das zweite Wohnzimmer.
Hier haben wir auch oft gespielt und mit unserem Opa Zeit verbracht. Zum Teil kann ich mich gar nicht mehr an alles erinnern, aber die Szene, wie mein Opa die Musik in der Anlage voll aufdrehte und wir, also mein jüngerer Bruder, ich und Opi, dazu laut mitsingen, nein mitschreien, werde ich wohl nie vergessen.
Abschließend lässt sich sagen, in meiner Kindheit fühlte ich mich immer sehr wohl und geborgen bei meinen Großeltern. Sie gaben uns, nun ja eben Großeltern, mehr Freiheiten, Freiräume, keine Verpflichtungen.
Möglicherweise fiel mir genau aus diesem Grund zuerst dieser Raum ein.


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