Name abzugeben
Ode an meinen Nachnamen.
Irgendwie war´s mir wurscht. Ob ich den Namen meines künftigen Mannes annehmen wollte nach der Hochzeit? Na klar! Ist doch eine schöne Tradition! Meine Kinder sollten auch beide so heißen und so sehr hing ich nun auch wieder nicht am Nachnamen meines Stiefvaters.
Es war nicht mein Geburtsname, wird jetzt aber als mein "Mädchenname" geführt. Er passte nie so richtig zu meinem Vornamen. Genauso wenig wie der dazugehörige Mann meiner Mutter in die Vaterrolle für mich passte. Es gab Zeiten, da habe ich mir nichts sehnlichster gewünscht als diesen Namen so schnell wie nur irgendwie möglich abzulegen. So wie damals, als ein paar Freundinnen und ich im Supermarkt beim Klauen erwischt wurden. Mit 13 Jahren und allem Drum und Dran: Kaufhausdetektiv, Polizei, peinlicher Fahrt ins Präsidium, Anruf bei den Eltern, demütigendes Abgeholtwerden von der Mutter, Gerichtstermin, Sozialstunden und so weiter. Und dem Satz des Vaters "Du hast meinen Namen in den Dreck gezogen.".
Ja, das hatte ich. Mir war das selbst bewusst.
Bei jeder Liebe wurde der eigene Nachname schnell beiseite geschoben, um gleich mal zu sehen, wie der des Angebeteten denn so zum Vornamen passen würde. Er passte nie.
17 Jahre lang ging mir der Name in Fleisch und Blut über. 17 Jahre lang habe ich mich am Telefon mit diesem Namen gemeldet. Haben mich die Leute mit diesem Namen gerufen, benannt. 17 Jahre lang musste ich diesen Namen buchstabieren. Und genauso lang erklären, warum mein Vorname so ungewöhnlich schlecht zu meinem Nachnamen passt. Unzählige Formulare habe ich aufgefüllt und diesen Namen angegeben. Unendlich viele Briefe erhalten, weil dieser Name an meinem Briefkasten stand. Verträge habe ich unterschrieben. EC-Karten (ja, auch davon nicht wenige). Schulhefte waren so beschriftet. Ordner. Mappen. Koffer. Der Wohnort änderte sich sehr häufig. Der Name blieb immer gleich. Überall taucht er auf. Google führt vier Seiten, wenn man meinen vollständigen Namen eingibt.
Für einen Doppelnamen war weder mein alter, noch mein neuer Name geeignet. Außerdem bin ich nicht so der Doppelnamen-Typ. Auch deshalb fiel meine Entscheidung so schnell und leicht. Jetzt ist es vorbei. Mein Name ist weg, ist jetzt mein "Mädchenname". Mein Geburtsname ist damit noch ein Stück weiter nach hinten gerutscht und beide Namen haben Platz gemacht für den neuen. Den ich jetzt vergesse zu sagen, wenn jemand anruft. Bei dem mir immer noch die Tränen der Rührseligkeit kommen, wenn mich jemand so nennt. Und den ich gerade in alle alten Formulare fülle und damit immer öfter meinen alten Namen lösche.
Und erst jetzt wird mir bewusst, wie viel daran hängt. An diesem Namen hing und dieser Name mit mir zu tun hat. Ein Stück weit meine Lebensgeschichte ist und beschreibt. So sehr ich mich über den neuen freue, ich vermisse auch jetzt schon den alten.
Und ich werde noch jede Menge damit zu tun haben, ihn an seinen jetzigen Platz zu verweisen!


Kommentare
super ;o)
05.09.2008, 12:09 von Gluecks_Kindkann ich nachvollziehen. ich würde nichts lieber abgeben als die Identifikation mit meinem Vater, die nach meinem Vornamen steht.
Schöner Text. Habs leider schwerer, meinen Namen abzulegen, weil als Mann.. naja, beiseite damit, aber ich wünsch mir auch nichts sehnlicher als nicht mehr so zu heißen wie mein vater.
05.08.2008, 15:02 von Spade_D_MastersWirklich schönes Thema, bietet viel Diskussionsstoff.
04.08.2008, 23:29 von ninasanFür mich ist es ehrlich gesagt auch schwer vorstellbar, jemals meinen Namen zu ändern. Plötzlich überall einen "fremden" Namen lesen zu müssen, würde mir glaube ich schwer zu schaffen machen.
Was die Problematik mit dem Heiraten und den Kindern angeht, kann ich nur sagen: Meine Mutter. mein Vater und ich haben alle unterschiedliche Nachnamen. Klingt verwirrend...ist es auch. Seelische Störungen oder Ähnliches habe ich allerdings nicht davongetragen. Hat man wenigstens immer Gesprächsstoff: "Also wie ist das jetzt, warum heißt ihr alle anders?"
Langer Rede kurzer Sinn: Ich mag meinen Nachnamen und er hat mir wirklich schon viel Freude bereitet und geholfen Kontakte zu knüpfen (Hauptsächlich, weil man so tolle Witze drüber machen kann) Hergeben? Niemals...ganz allein meiner der Vogl
@[Benutzer gelöscht] das geht dem "Hund namens Grk" auch so. ;)
23.07.2008, 13:00 von JollyMacKayich mag meinen vornamen nicht. aber das tut hier nix zur sache.
21.07.2008, 13:55 von energieVSwirrwarrtoller text. mag ich!
Wer sich bei seiner Hochzeit nicht zumindest auf einen gemeinsamen Namen einigen kann, der braucht auch nicht zu heiraten. Sentimentalität hin oder her, so viel Zusammengehörigkeitsgefühl sollte doch wohl da sein, dass es für einen gemeinsamen Namen reicht. Immer dieser ganze postmoderne Ego- Identitätsscheiß.
20.07.2008, 19:23 von LuzziIrgendwie mußte ich an die Simpsonsfolge mit "Max Powers" denken...
18.07.2008, 10:43 von MarvbaerAber den Namen Jolly MacKay finde ich irgendwie toll. Ist doch mal was anderes als Annemarie Wolf. Hätte ich dich geheiratet, ich hätte deinen Namen angenommen.
Ich fand den text nett, weil es auch mal wieder was anderes war. Und zur thematik:
18.07.2008, 00:13 von EisaugeIch hab überhaupt kein problem mit meinem nachnamen, aber ich würd ihn bei einer hochzeit trotzdem umtauschen. Ich find's gut wenn man von Herr und Frau soundso sprechen oder lesen kann und weiß, dass sie zusammen gehören.
Und ich gebe doch nicht meine Identität auf, wenn ich meinen namen ändere! Ich bin ich, egal, wie ich heiße!