Maggie81 30.11.-0001, 00:00 Uhr 56 0

Mutter werden, Arbeitnehmerin bleiben

Vor einem guten Jahr bin ich Mutter geworden. Erwerbstätige bin ich dennoch geblieben. Und damit komme ich wohl besser klar, als meine Mitmenschen.

Für die meisten heißt es: Kind oder Karriere? Für mich hieß es von Anfang an: Kind UND Karriere. Als ich schwanger wurde, war mir sofort klar: Von nun an hab ich zwei "Kinder". Meinen wunderbaren Sohn und meine Arbeit als Texterin in einer Werbeagentur. Was mir allerdings erst später klar wurde - ich habe mich da in eine unschöne Welt voller Vorurteile reinmanövriert.
Ein Jahr lang war ich daheim bei meinem Baby. Gearbeitet hab ich immer erst ab 20.00 Uhr. Wenn Paulchen schlief und vom Wohnzimmer aus. Da haben die Leute noch gesagt: "Wow, toll. Wie schaffst du das bloß? Finde ich großartig." Als mein Filius 14 Monate wurde, ging ich wieder Vollzeit zurück ins Büro. Und Papa in Karenz. Da fing es an richtig ungemütlich zu werden. Ständig fragt dich jemand: "Und wie geht's daheim?" Niemand scheint so richtig dran zu glauben, dass ein Mann Windeln wechseln kann. Dass er es beherrscht, die Waschmaschine zu bedienen und aus den Lebensmitteln im Kühlschrank Essen machen zu können.
Und meine Freundinnen schwärmen mir vor, dass sie sich "SO RICHTIG" ums Kind kümmern können, weil sie sich seit der Geburt aus der Arbeitswelt ausgeklingt haben. SO RICHTIG. Aha. Und sie versichern mir: "Du musst das dann cool nehmen, wenn Paul sich mal weh tut und sich dann nicht mehr von dir trösten lassen will!" Okay, ich werds versuchen. Außerdem unterstellen sie mir zwischen den Zeilen, ich würde einfach nur davonlaufen wollen, von der Verantwortung ein Kind zu haben. Eine schlechte Mutter eben. Aha, das bin ich also, wenn ich als Mama gleichzeitig auch monatlich ein Gehalt verdiene.
Am liebsten würde ich den Spieß bei solchen Gesprächen umdrehen und sagen: "Und? Wie gehts deinem Kind damit, dass du immer da bist? Findet es das auch SO RICHTIG gut?" Oder: "Natürlich könnte ich auch ein paar Mal im Jahr kinderfrei machen und mit Freundinnen irgendwo in den Süden oder in die Therme fahren, damit ich mal was für mich tue - aber ich tue halt auf eine andere Weise etwas für mich. Und den Strand genießen wir dann alle gemeinsam. MIT Kind!"
Andere wiederrum meinen, ich könne meinen Job jetzt nicht mehr mit voller Energie machen, weil ich im letzten Jahr vielleicht zwischen Babykacke und Legosteinen völlig verblödet bin. Und für den Rest meines Lebens nur noch an mein Kind denke und mich auf nichts anderes mehr konzentrieren kann.
So, alle mal herhören: DAS IST KOMPLETTER QUATSCH!
Dieses Land muss endlich begreifen, dass wir nicht mehr im Mittelalter Leben. Die Rolle der Frau hat sich gewandeln. Wir müssen keine Korsetts mehr tragen, wir dürfen wählen gehen, in der Öffentlichkeit rauchen, wir bezahlen das Kino auch schon mal selbst und immerhein ein paar von uns sind in Führungspositionen. Warum, in aller Herrgottswelt, ist es dann so abwegig, dass man bei der Kindersache als Frau auch neue Wege einschlägt. Hört sich hier etwas die Emantipation auf? Ist hier Schluss mit Selbstverwirklichung?
Ich wünschte, wir alle wären bei diesem Thema schon ein paar Schritte weiter. Und ich freue mich schon jetzt für alle Frauen, die irgendwann Mütter und Arbeitnehmerin gleichzeitig sein können, ohne ständig etwas unterstellt zu bekommen.
In diesem Sinne: Frauen, habt den Mut alles zu kriegen was ihr wollt. Je mehr es von den Frauen dieser Sorte gibt, desto weniger Buhrufe werden uns irgendwann begegen.

56 Antworten

Kommentare

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    1. schöner artikel

    2. irgendwie scheint das ein prinzipiell deutsches problem zu sein. wenn ich an die osteuropäischen staaten denke, an meine mutter, die seit ich mit einem jahr in die kinderkrippe gibt, arbeite, überhaupt an andere europäische staaten, gibt es so einen mist wie davonlaufen vor verantwortung, schlechte mutter und was sonst, nicht. da ist es das normalste der welt.

    27.06.2006, 19:14 von Niemandsrose
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    Danke, dass das mal jemand sagt!
    gruß dattel

    25.06.2006, 21:10 von die_dattel
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    @T300:
    Tja, deine Familiy (meine übrigens auch) scheint eben dem konservativ-deutschen Ideal zu fröhnen...Ein bißchen, finde ich, sind die deutschen Frauen aber auch selbst an ihrem Dilemma schuld, denn, um den Spieß mal umzudrehen, nur deshalb auf eigenen beruflichen Erfolg zu verzichten, weil der Mann einen Hunderter mehr verdient (mal ganz überspitzt ausgedrückt) ist auch irgendwie zu einfach, denn Geld ist schließlich auch nicht alles, wie ja immer als überzeugendes Argument für Kinder vorgebracht wird. Da das Bild von der "Frau zuhause" ja in Deutschland gesellschaftlich toleriert bzw. im Unterbewußtsein sogar als "das bessere" eingestuft wird, und zudem noch durch die seltsame Regelung des 3-jährigen Erziehungsurlaubs untermauert wird, wird sich daran aber leider auch so schnell nichts ändern.

    22.06.2006, 21:20 von Catgirl
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      @Catgirl Wer Schuld ist in meiner Familie an irgendeinem Dillema solltest du bitte mir überlassen.Du kennst meine Lebenssituation doch gar nicht wirklich,nur einen Ausschnitt davon.Warum allerdings das Bild von der Frau zu Hause als das bessere eingestuft wird ist eine Frage der ich auch sehr oft schon nachgegangen bin.Bislang fehlt mir aber auch die Antwort.

      23.06.2006, 20:39 von T300Eis8
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    Ich muss mir in meiner Familie auch so einiges anhören wie berufstätige Mütter wären und so,obwohl ich selbst noch keine Kinder habe.Meine Mutter konnte aus familiären Gründen nicht mehr arbeiten gehen.Meine jüngere Schwester ist hörgeschädigt und war als Kleinkind zudem auch viel krank.Hinzu kamen ältere Familienangehörige die auch betreut werden mussten.Leider bleibt der Großteil der Familienarbeit immer noch an den Frauen hängen.Glück haben Frauen die einen Partner haben der auch mal im Haushalt mit anpackt und sich auch schonmal um die Kinder kümmert.Wenn Arbeiten im Haushalt auf beide Partner gleichmäßig verteilt sind,können beide auch erwerbstätig sein.Doch leider wurde meiner Mutter durch die eben schon genannten Umstände dieses Glück verwehrt.Mein Vater hat sich nie großartig um seine Familie gekümmert.Er fänd es toll wenn ich mal auch so einen konservativen Mann heiraten würde wie ihn,der mich von sich abhängig macht,mir sagt das ich nicht zu arbeiten gehen brauche weil er mir schon alles bezahlt und das ich mein Studium ja gut dazu später noch gebrauchen könnte,um meinen Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen.

    22.06.2006, 19:03 von T300Eis8
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    Also, mein Kommentar bezieht sich auf den Vorschlag von Oramin "Wer weniger verdient, sollte zuhause bleiben".

    22.06.2006, 14:41 von Galaktica
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    Das Problem an diesem Vorschlag ist, dass zumeist der Mann mehr verdient. Frauen bekommen (zu oft) immer noch weniger Geld für die gleiche Arbeit, sind häufiger in schlechter bezahlten Branchen tätig (Pflege, Einzelhandel etc.) und bekleiden seltener Führungsposition. Warum das so ist, wäre wohl ein eigenes Thema. Außerdem geht es bei der Frage "Arbeiten oder zuhause bleiben" ja nicht nur ums Geld...

    22.06.2006, 14:39 von Galaktica
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    Ich gehöre zu den Müttern die immer arbeiten mussten. Während der Ausbildung wurde ich schwanger und bin acht Monate nach der Geburt wieder ins Büro und habe meine Ausbildung zuende gemacht und dann auch ganztags bis jetzt gearbeitet. Nun, nach fünf Jahren bin ich total ausgepauert. Es ist nicht gut ständig unter dem Druck zu stehen alles richtig und gut und besser machen zu wollen. Die Erwartungshaltung an junge Mütter ist sehr hoch und so sind es auch die Wünsche der jungen Mütter selber. Ich habe meinen Job gekündigt und werde diesen Sommer intensiv mit meinem Kind verbringen und Dinge erledigen die immer auch der Strecke geblieben sind, wie z.B. mich auch um andere Familienmitglieder kümmern und was Neues lernen. Als Frau schafft man es durchaus Job und Kind irgendwie unter einen Hut zu bringen und es wird einfacher je mehr helfende Hände einem zur Seite stehen aber es bringt nichts alles durch eine rosa Brille sehen zu wollen. Mutter sein und Karriere machen ist nicht so leicht wie es aussieht und neben Freunden die verloren gehen, fehlt auch die Zeit für andere Dinge.

    18.06.2006, 22:22 von Schneefrau
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      @Schneefrau "Als Frau schafft man es durchaus Job und Kind irgendwie unter einen Hut zu bringen" ....

      Sehr treffend gesagt - aber dieses "irgendwie" ist der Grund, warum ich es mir absolut nicht vorstellen kann, jemals Kinder zu kriegen. Im Endeffekt konnte keine meiner Freundinnen nach der Babypause (egal wie kurz oder lang sie war) wirklich wieder da einsteigen, wo sie vor der Geburt aufgehört hatte. Dafür habe ich aber nicht jahrelang studiert und promoivert :))). Also muß Deutschland eben kinderlos bleiben - allen Ulfs zum Trotze.

      20.06.2006, 22:32 von Catgirl
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    ich kenne kaum eine mutter, die arbeitet, um sich selber zu verwirklichen, sondern wenn dann 1. um wenigstens ein kleines bisschen unabhängig zu sein (die sind fast alle in teilzeit oder freiberuflich=sklaven) und nicht den mann/freund oder die eltern nach geld anpumpen möchten, wenn man z. b. mal ein geburtstagsgeschenk kaufen möchte (ist doch bescheuert: "schatz, kannst du mir 100 euro geben, damit ich dir ein geschenk kaufen kann?????" jaja, ich weiß: dann soll sie ihm halt was anderes schenken und ihn mal von hinten ran lassen oder ihm einen blasen... *gähn*, oh mann...)
    und 2. redet hier auch keiner (außer ich hab's überlesen) von den müttern, die arbeiten müssen, weil es anders nicht geht. von denen existieren mehr als die kleine elite, die sich mit der "entscheidung" herumschlagen. auch unter akademikern. in der generation praktikum gibt's inzwischen genug paare, die gar keine wahl haben, ob einer zu hause bleibt. soviel nur dazu.

    17.06.2006, 23:12 von suihkukone
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