B.tina 05.10.2006, 21:01 Uhr 15 6

Mein Schwangerschafts-Streifen.

Dem ganzen Anti-Baby-Geschwafel zum Trotz:

In Deutschland werden zu wenig Kinder geboren. Das kann ich nicht verstehen. Kinder haben ist klasse und ein Baby erwarten erst recht! Ich glaube, die Zeit ist reif, ein Plädoyer fürs Schwangersein zu halten.

Vorweg: Ich war zweimal schwanger und habe daher zwei Kinder. Ich erlebte nie eine Fehlgeburt und brauchte keine reproduktionstechnische Hilfe in Anspruch nehmen. Ich habe also gut reden. Allerdings gab es in beiden Schwangerschaften durchaus Komplikationen. Ich musste liegen. Beim zweiten Kind sogar die letzten 10 Wochen. 2,5 Monate! Die können lang werden...

10 Wochen liegen machte 1. keinen Spaß, 2. war es nicht einfach einen vierjährigen angehenden großen Bruder so lange fremd zu bespaßen, 3. hatte ich von den 10 Wochen mindestens 6 Wochen abgrundtiefe Angst, mein Kind würde zu früh geboren, 4. blieb der Haushalt passenderweise auch liegen, das empfand ich als doof, da mich ein totaler Hygienewahn beherrscht und 5. musste ich am eigenen Leibe erfahren, wie bescheuert das Fernsehprogramm tagsüber ist. Naja, ich habe es geschafft. Die Kleine kam nur 5 Tage zu früh auf die Welt.

Trotz dieser negativen Erfahrungen, bleibe ich auf meinem Standpunkt: Andere Umstände sind absolut empfehlenswert!

Bereits nach einem positiv verlaufenen Schwangerschaftstest fühlte ich mich jedes Mal urplötzlich so erfüllt. Das klingt pathetisch, soll es auch. Ich gebe zu, gegen Ende der Schwangerschaften fühlte ich mich eher ausgefüllt. Anstrengend, aber egal und vor allem kein Wunder!

Immerhin habe ich neun Monate gefressen wie ein Scheunendrescher. Herrlich! Also, ich esse eigentlich immer was und wie viel ich will, aber als werdendes Muttertier hatte ich vielleicht einen Kohldampf!

Im Anschluss an mein üppiges Frühstück folgte direkt die Zubereitung eines opulenten Mittagessens. Nach dessen Verzehr gönnte ich mir zum Nachtisch regelmäßig eine Tafel Schokolade. Kurz darauf einen Pott Früchtequark und zur Kaffeezeit einige ordentliche Stücke Kuchen. Dann war auch es schon wieder Zeit fürs Abendessen. Natürlich gab es immer was Warmes, kein schnödes Abend-Brot. Nee, nee! Theoretisch hätte ich dann selbstverständlich noch weiter essen können. Ich bin aber in der Regel um 20 Uhr ins Bett gekrochen, eingeschlafen, gegen 22.30 Uhr wieder aufgestanden um dann doch noch eine benachbarte Eisdiele aufzusuchen und dort eine große Portion Vanilleeis mit Sahne zu vertilgen.

Zu meinem Glück nahm ich nur am Bauch zu. Kopf, Arme und Beine blieben wie gewohnt. Eine Bekannte, der meine Riesenwampe als zu gewaltig für meine Resterscheinung schien, riet mir, einen Rucksack mit Steinen auf dem Rücken zu tragen. Ich drohte scheinbar vornüber zu kippen!

Naja, was bleibt einem auch außer essen, wenn man nicht rauchen und saufen darf? Die Finger von den Lastern zu lassen fiel mir, gegen alle vorherigen Bedenken, überhaupt nicht schwer! Gequalmt habe ich eh nur vor dem ersten Kind und das lediglich partyweise. Bier, Wein, Sekt & Co schmeckten für meine Begriffe in der Zeit abartig abstoßend!

Ein echter Vorteil, der mit dem Schwangersein einher geht ist, dass man morgens nicht so lange vor dem Kleiderschrank steht und sich überlegen muss, was man anziehen könnte. Es passt doch eh nichts mehr! Ich hatte 2-3 verstellbare Hosen und einige schlabberige Kleidchen. Da musste ich nicht lange fackeln. Sehr praktisch. Gerade für mich, die ich eine echte Entscheidungsneurotikerin bin. In der Zeit stand ich ja sowieso lieber vor dem Kühlschrank.

Und alle waren so nett zu mir, während ich dickbäuchig durch die Gegend rollte! 90-jährige Omas sprangen in der Straßenbahn auf und boten mir ihre Sitzplätze. Wildfremde Menschen lächelten mich an, Rollstuhlfahrer hielten mir freiwillig Türen auf. Unglaublich, aber wahr!

Als ich wenige Wochen später mit Kinderwagen unterwegs war, hatte sich die öffentliche Stimmung komplett geändert: Ich stellte plötzlich ein Verkehrshindernis dar. In die Straßenbahn traute ich mich daher mit dem Gefährt gar nicht erst hinein. Aber das steht jetzt nicht zur Debatte!

Ein Baby im Bauch zu tragen ist eine super Sache. Die monatlichen Arztbesuche mit Ultraschallbildinterpretation und CTG-Lauschen empfand ich stets als echtes Highlight im täglichen Allerlei. Ganz toll fühlten sich natürlich die Bewegungen des ungeborenen Lebens an. Eigentlich wie ein Alien oder ein verschluckter Hamster. Trotzdem gar nicht unheimlich, sondern unheimlich schön. Und die Spannung erst, was, wie, wann am Ende dabei rauskommt! Egal wie zerknautscht! Seufz...

Wie man unschwer zwischen meinen Zeilen lesen kann, habe ich das Thema für mich so was von noch nicht abgeschlossen! Leider spricht mein Alter dagegen. Und damit meine ich sowohl die Jahre, in die ich gekommen bin, als auch meinen Ehemann.

Vielleicht sollte mit oder statt Frau von der Leyen durch die Lande ziehen und Propaganda fürs Kindermachen, äh, Kinderkriegen machen. Die Quatscherei vom Elterngeld ist doch überflüssig. Was die LeutInnen draußen hören wollen, das sind doch Emotionen!

Also, ich würde mich glatt für Deutschland opfern und noch ein paar Kinder in die Welt setzen. Wie geht eigentlich Klonen?

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15 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Am besten hat mir der Vergleich mit dem verschluckten Hamster gefallen! Das müsste dann allerdings ein riesen Vieh gewesen sein =)

    14.06.2009, 20:27 von wasserschildkroete
    • 0

      @wasserschildkroete Okay. Hamster nur am Anfang, später... eher Nagermutante.

      14.06.2009, 20:29 von B.tina
    • 0

      @B.tina :)
      Hmmmm... der Alien-Vergleich passt aber auch sehr gut, zumal die Zwerge nachher weitermutieren zu egomanen kleinen Monstern und erst nach der Pupertät zu "Menschen" werden ;)
      Ich hab da übrigens auch noch ein paar Jahre vor mir =)

      16.06.2009, 09:01 von wasserschildkroete
    • 0

      @wasserschildkroete Da hast Du recht. Bei uns wirft die Pubertät bereits ihre Schatten voraus. Naja, ich habe noch meine Tagebücher aus der Zeit, die wollte ich demnächst mal lesen. Um zu verstehen...

      16.06.2009, 09:04 von B.tina
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  • 0

    Schöner Text. :D

    und trotzdem: das vermehren überlasse ich euch :)

    02.06.2008, 08:41 von Wie_ein_Schimmer
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      @Wie_ein_Schimmer Du versäumst was.

      Aber trotzdem Danke.

      02.06.2008, 08:42 von B.tina
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  • 0

    jetzt tickt die Uhr :)
    dennoch, bei aller Euphorie... habt ihr bedacht, was alles passieren kann, wenn die Glückshormone abklingen, das Kind Laufen und vor allem Sprechen kann? Ich ahne in meinem Falle schon so etwas wie: "Nein!" "Ihr Spießer!" "Ich muss das aber haben! ALLE haben das!" "Ihr seid so peinlich!" "Sagt mir bitte ich bin adoptiert!" "Oh Mutter! Du bist soooo alt ey!"

    11.10.2006, 08:26 von Faedare
    • 0

      @Faedare Meine können schon laaaange laufen und sprechen und wollen alles haben, kriegen es aber nicht und haben mich trotzdem lieb.

      22.10.2006, 13:04 von B.tina
    • 0

      @B.tina Doch, meine kleinen Trommeltrolle mich auch, wenn auch nicht immer gleich doll!
      ;o)

      22.10.2006, 13:09 von Tilan
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  • 0

    Sehr amüsant. Ich sage mal Glückwunsch an die glückliche Mutter (sowas scheint ja echt selten geworden zu sein)!

    09.10.2006, 11:37 von Connyi
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    ;-)))!!!

    06.10.2006, 16:10 von Kiyan
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    Ja, auch für mich war schwanger sein das Allergrößte. Es war zwar ein furchtbares Gehampel erst mal schwanger zu WERDEN, aber war ich erstmal in "gesegeneten Umständen", dann ging es mir bestens! Kein Schwindel, keine Übelkeit, keine merkwürdigen Gelüste - nichts! Mir ging es einfach nur prima! Bis ganz zum Schluss! Ich bin Auto gefahren, habe Wohnungen gestrichten, Möbel geschleppt, auf der Silberhochzeit meiner Schwester getanzt, bis meine Füße fast geplatzt wären. Ich hatte eine Eine Energie...

    Und dann die Kindsbewegungen... verschluckter Hamster ? Aber nur ganz zu Anfang der Schwangerschaft. Gegen Ende fühlte es sich eher nach jungem Kickboxer an! Immer abwechselnd in den Magen, die Leber und die Blase!

    Ach ja, ich hätte gern noch ein drittes gehabt. Aber jetzt bin ich durch mit dem Thema. Hatte kürzlich den neugeborenen Sohn meiner Nichte auf dem Arm. Keine Hormonwallungen mehr, kein "ich will auch noch eins!" Ich fürchte, ich komme ins Oma-Stadium!
    (LOs! widersprecht mir! BITTE!!!)

    06.10.2006, 15:01 von Tilan
    • 0

      @Tilan Ach! Vom Oma-Stadium bist Du doch noch weit entfernt! Ich bitte Dich... Meine Hormon-Wallungen werden auch weniger, wenn ich Neugeborene im Arm halte. Das ist bei mir aber wahrscheinlich purer Selbstschutz...

      Ich hatte immer gesagt: „Das 1. Kind vor 30, das 2. vor 35 und das 3. vor 40.“ Das hat bei den beiden ersten geklappt. Fürs Ansetzen eines 3. ist es jetzt zu spät!

      07.10.2006, 20:16 von B.tina
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      @B.tina ch wollte für mein Teil immer komplett mit Kinder-in-die-
      Welt-setzten durch sein, bis ich 35 werde. War wohl nichts! Als meine Große kam, war ich 36 und bei der Kleinen war ich noch eine Woche von meinem 39 Geburtstag entfernt. Wir haben es dann noch mal auf ein drittes ankommen lassen, aber da ich nur dann schwanger werde, wenn ich so viele Hormonpillen futtere, dass ich klappere, wenn man mich schüttelt, haben wir es dann gut sein lassen Soll ja der Gesundheit auch nicht so ganz zuträglich sein, das Zeug! Und wenn ich jetzt noch mal wieder mit Fläschchen und Breichen, mit Windeln und dem ganzen Babygedöns anfangen sollte. Ach, ich weiß nicht. Frühpuberteirende Große und anstrengende Kleine, dass muss ich glaube ich wirklich nicht haben! Meine Haare sind so schon grau genug geworden! ;o))

      07.10.2006, 20:45 von Tilan
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