freddie 22.02.2008, 22:27 Uhr 2 2

Lächeln für den Hausgebrauch

oder Schönheit muss von Innen kommen !!!

Manchmal wenn ich mich so im Spiegel ansehe, könnte ich heulen.
Das liegt aber nicht an meinem Aussehen allgemein, sondern an dem Gesicht was mir je nach Tagesform entgegenblickt.

Meistens sind Blicke in einen Spiegel ja eher still und ernst.
Die Haut wird taxiert wie ein menschenleeres Gelände.
Manchmal stolpert man über unwegsame Straßen auf der Stirn, oder Balken, nicht im Auge, sondern drumherum. Rinnsale, womöglich tiefe Gräben verlassen nicht die Partie um Kinn und Mund.
Mein Mund ist kein Küssmund mehr. Eher ein runzliger Sparschweinschlitz. Etwas spröde, leicht gerieft.
Die Lippen vor dem Spiegel zu einem Knoten geschürzt, wie der „ Dutt “ meiner sudetendeutschen Großmutter. Fehlen nur noch die Haarnadeln.
Schau mir in die Augen Baby.........
Einen Bart könnte ich mir ohne Mühe wachsen lassen, zumindest einen Oberlippenbart. Qualvoll werden aber die Haare mit der Pinzette entfernt, weil mir Bart nicht steht.
Neulich las ich einen Artikel mit der Überschrift:
„ Lächeln für den Hausgebrauch.“
Seitdem hängt ein Spiegel in der Küche, direkt über der Spüle, damit ich mich während der Arbeit hin und wieder anlächeln kann.
Außerdem sieht man alles doppelt, vor allem beim Abwasch habe ich plötzlich 4 Hände, 4 Augen und eben ein Gegenüber was lächelt. Lächeln soll ja die Stimmung heben, stand in dem Artikel.

Sich anlächeln, sich zulächeln, sich belächeln.

Ich denke schon länger über neue Zähne nach, aber Perl-Weiß tut‘s auch, vorerst, sagt mir der Spiegel-Blick zähnefletschend.
Der linke Eckzahn drückt sich hinter die Vorderzähne.
Er ist einfach etwas schüchtern und hat Angst vor dem Zahnarzt!
„Sie bekommen ein neues Weltbild, wenn sie lächelnd durch den Tag gehen,“ ruft mir der Artikelschreiber zu.
Hurra und egal, ob ich gerade den Urinstein in der Toilette entferne, oder den Abfluss im Waschbecken von Haaren befreie, vermischt mit Zahnpasta und Rotz.
Hurra!
Selbst wenn ich die Popel meiner Kinder vom Sofa oder der Wand abkratze, versuche ich es mit einem Lächeln.
Ja, ich lächle sogar, wenn ich vollgeschissene Unterhosen oder muffelige Socken in die Waschmaschine stopfe.
Neulich entdeckte ich hinter der Spülmaschine einige verklebte Essensreste, nahm einen Spachtel und entfernte die schon schimmelige Masse mit einem Lächeln.
Hurra.
Auch beim Gemüseputzen ziehe ich keine Regenfresse mehr. Lege auch beim Müll sortieren nicht die Stirn in dunkle Falten.
Hurra.

Leider aber ist mein Lächeln gestern gestorben.
Es fiel mir aus meinem Gesicht und lag schwerverletzt auf den glänzend, weißen Fliesen.
Dann habe ich es umgebracht, mit einem Gnadenschuss, denn Schönheit muss von Innen kommen.

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2 Antworten

Kommentare

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    Alt werden wir alle und die, die den längsten hämischen Fingerzeig haben, werden am unglücklichsten darüber sein. Ach ja: Glückliches Lächeln ist alters- wie zeitlos. Wie man immer wieder beobachten kann. Nicht so viel wollen, weniger brauchen.

    Aber beim Klo putzen, Unterhosen waschen oder Drecksgeschwirr spülen, ist Lächeln wohl so was von fehl am Platz, das ist pure Verschwendung. Das hebe ich mir für Menschen auf.
    Für mich selbst lächle ich innerlich.

    Ach ja:
    Sieh dich nicht an, lass andere dich ansehen.

    zz.

    23.02.2008, 10:02 von zzebra
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    Wie feinsinnig und treffend die Worte aus Dir fließen und zueinander finden, Dein Text hat mich gefesselt und wird mich heute nicht mehr loslassen. Danke

    22.02.2008, 23:04 von LubaLuft
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