Matesino 21.10.2016, 12:17 Uhr 0 2

Kindergarten

Unsere Tochter ist das liebste Kind der Welt - außer sie wird schläfrig. Dann ist sie wie David Hasselhoff - witzig für alle Außenstehenden.

Unsere Tochter ist das liebste Kind der Welt - außer sie wird schläfrig. Dann ist sie wie David Hasselhoff in diesem einen Video, als er versucht, sternhagelvoll auf dem Boden liegend einen Burger zu verputzen – voll witzig für alle Außenstehenden.

Damit unsere Tochter also schlaftrunken keinen Scheiß baut, braucht sie jeden Tag ihren Mittagschlaf. Fatalerweise wollte uns die Kindergartenleiterin ausgerechnet zu dieser Zeit kennenlernen – inklusive der Kleinen.

„Aber die ist wirklich unmöglich, wenn sie müde wird – überlegen sie es sich nochmal,“ bat ich Frau Heine am Telefon, aber die meinte nur, das kriege sie schon hin, sie sei schließlich Pädagogin.

Und da sieht man mal wieder, dass Pädagogen keine Ahnung von nichts haben, denn der Tag im Kindergarten endete in einer Katastrophe kolossaler Dimension.

Was zum Teil auch an Frau Heine lag. Die schielte nämlich. Deshalb wussten meine Frau und ich nie, wer jetzt antworten sollte, als sie uns in ihrem Büro mit Fragen zu löchern begann.

So sagte ich auf die Frage, wie meine Schwangerschaft verlief, „Ganz gut“, während meine Frau auf die Frage, wie sie mit ihrer Rolle als Vater zu Recht komme, mit „Prima“ antwortete.

Wie auf eine tickende Zeitbombe, die jede Sekunde explodieren konnte, blickten wir dabei auf unsere Tochter.

Keine Ahnung, wo Frau Heine hinblickte, jedenfalls bemerkte sie nicht, dass unsere Tochter auf einmal  auf ihrem Schoß saß und mit ihrer Halskette spielte.
Gut, sie bemerkte es dann doch, als die Kleine in ihr Ohr lallte: „Schöne Kette hast du da, Heino“,

„Frau Heine, wir müssen heim. Das Kind braucht dringend Schlaf“, flehte ich, aber Frau Heine winkte ab.
„Keine Sorge, Herr Tabula, ich bin doch Pädagogin, Zunächst brauche ich noch ein paar  Einverständniserklärungen von ihnen.“

Frau Heine wollte für jeden Unsinn eine Unterschrift. Dass unsere Tochter bei Badewetter ins Planschbecken darf, dass sie eingecremt werden darf, wenn dabei die Sonne zu stark scheint, dass sie wieder aus dem Planschbecken herausgezogen werden darf, wenn sie am Ertrinken ist - und und und.

Viele absurde Einverständniserklärungen und unzählige Unterschriften später, unsere Tochter flirtete gerade mit der Topfpflanze, sagte ich, „Jetzt müssen wir aber wirklich los, Frau Heine!", doch Frau Heine antwortete:
„Aber nein, Herr Tabula. Jetzt lernen wir erst noch die Erzieherin kennen. “

Ab da eskalierte das Ganze. Was zum Teil auch an der Erzieherin lag. Die sah nämlich so jung aus, dass man sie gar nicht von den Kindern, die sie betreute, unterscheiden konnte.

Wenn man nicht genau hinsah, so wie Frau Heine zum Beispiel, hätte man meinen können, Fräulein Pia sei einfach ein in ihrer geistigen Entwicklung „ziemlich relaxtes“ Mädchen gewesen.

Dementsprechend lobte ich auch überschwänglich ihr eigentlich gar nicht so tolles Strichmännchenbild an der Wand. Meine Frau gab ihr einen Keks als Belohnung.

Unsere schlaftrunkene Tochter hingegen begrüßte sie mit einem Tritt gegen das Schienbein, worauf Fräulein Pia in Tränen ausbrach.

„Schatz, das war aber nicht nett, das Kind leitet doch deine Kindergartengruppe. Du musst ihm gehorchen“, schimpfte meine Frau.
„Quatsch“, erwiderte unsere Tochter, „Ich leite die Kindergartengruppe. Alles hört auf mein Kommando.“

Dann torkelte sie auf die Spielzeugburg zu, wo die anderen Kinder spielten. Ein paar von ihnen pöbelte sie an, die etwas hübscheren fragte sie nach der Telefonnummer.

„Schluss mit dem Kindergarten“, schrien zwei Mütter, die zur Eingewöhnung da waren, aber unsere Tochter schrie „Nein“ zurück, lachte entrückt und klammerte sich wie ein niedliches Äffchen an einer Liane unter die Burgtreppe. Jeden, der sich ihr näherte, beschenkte sie mit Tritten.

„Jetzt wär aber ein wenig von ihrer Pädagogik wirklich angebracht“, rief ich Frau Heine zu, doch die meinte, dass ihr dafür die nötige Einverständniserklärung fehlte. Dabei starrte sie weiter irritiert auf das Strichmännchenbild von Fräulein Pia. Zu Recht, das war wirklich misslungen.

In der Zwischenzeit versuchte unsere Tochter auf dem Boden liegend einen Burger zu verputzen, den ihr eine Mutter gab, um sie unter der Burg hervor zu locken. Das erinnerte mich irgendwie an das Video von David Hasselhoff, der betrunken das Gleiche versuchte.

Leise summte ich „I´ll be looking for freedom“und filmte das Ganze mit meinem Smartphone. Vielleicht ließe sich ja damit Geld machen. Immerhin hat das Video mit David Hasselhoff über 10 Millionen Klicks. Und unsere Tochter ist um einiges süßer als David Hasselhoff. Fast so süß wie ein kleines Kätzchen sogar.

Schließlich beendete Frau Heine das Spektakel und eskortierte uns nach draußen. Weil Fräulein Pia an der Tür immer noch weinte, streichelte ich ihr zum Abschied a la Angela Merkel über die Wange: „Ach Gott, Kindchen, weine nicht, das hast du doch ganz prima gemacht.“ Meine Frau reichte ihr noch einen Keks.

Seitdem haben wir nichts mehr vom Kindergarten gehört und warten noch heute auf eine Platzzusage, während unsere Tochter gewissenhaft jeden Tag das Treffen der anonymen Alkoholiker besucht.

matysplanet.com

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